Wirtschaft

Rolls-Royce unter den Schirmen

Ausgedehnte Schönwetterperioden sind schlecht, Dauerregen aber auch. Das Geschäft von Andreas Kirchtag ist witterungsabhängig. Der Mann stellt in vierter Generation Schirme her und verschickt sie auf Wunsch in die ganze Welt.

Die Baumstämme kauft er in Hamburg. Ein deutscher Betrieb stellt dann den Stock her. Der wird mit Leinöl bepinselt und gelagert um auszuhärten. Erst nach einem Jahr schleift ihn ein Schirmmacher erneut, ölt ihn und poliert ihn mit Bienenwachs.

Klingt nach viel Aufwand, um allein den Stock eines Schirms zu fertigen. Andreas Kirchtag, Chef im gleichnamigen Geschäft, nickt wissend. Was Gestell und Stoffe angeht, verhält es sich genauso. "Bei den Federn handelt es sich um Klaviersaitendraht, eine Spezialität des Hauses", lässt der Geschäftsmann Detailverliebtheit erkennen. Zwinge und Scheibe - alles ist verschraubt und auf Haltbarkeit ausgelegt. Jeder Schirm ist außerdem nummeriert, auf den Schieber lässt sich der Name des Besitzers gravieren. Die Kunden können aus einer Vielzahl an Mailänder Stoffen wählen und auf Wunsch im vierten Stock des Geschäfts in der Getreidegasse 22 ihr Unikat zusammen stellen. "Das ist nicht gestellt, keine Show. Diesen persönlichen Kontakt schätzen Salzburger wie Touristen. Sie sprechen dann von einem Einkaufserlebnis", sagt Kirchtag, der anders als seine Vorfahren kein Schirmmachermeister mehr ist, sondern im Elektrogroßhandel gelernt hat. Trotzdem baute der heute 52-Jährige jahrelang selbst Schirme. Fünf Stunden Arbeit bedeute ein solches Stück. Die Kosten bewegen sich bei 240 Euro aufwärts. Eindeutig zu viel Geld, um ihn irgendwo liegen zu lassen. "Nein", lacht auch Kirchtag: "Diese Schirme stellt man in keinen Ständer." Die Produktion musste wegen einer Schwemme an Billigprodukten in den 90er-Jahren vorübergehend eingestellt werden. Heute funktioniert das Konzept wieder. "Das Bewusstsein, dass Qualität etwas wert ist, steigt", sagt der zweifache Familienvater, der von Kunden aus aller Welt berichtet. Am besten würden sich seine Schirme in der touristischen Hochsaison verkaufen, immer wieder auftretende, kurze Regengüsse seien hilfreich. In seinem Betrieb wird übrigens täglich das Wetter notiert - für statistische Zwecke.

Rund ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt das Traditionsunternehmen aktuell an drei Standorten, am häufigsten verkaufen sie aber mittlerweile Lederwaren und Reisegepäck - oder billigere Schirme, auch Zehn-Euro-Ware findet sich im Sortiment. Was wenige wissen: Kirchtag fertigt auch Sonnenschirme für den Garten, für Private wie die Gastronomie. In den Gastgärten von Tomaselli, Café Fürst oder der Blauen Gans stehen Exemplare aus seinem Haus. Dem Stadtkern als Standort kann er viel Positives abgewinnen, spricht sich aber gleichzeitig für eine gute Erreichbarkeit aus. Seinen Angestellten kauft er Buskarten. Nur: Wenn die Takte nicht stimmen, steigen die Leute trotzdem nicht um. Den Ball sieht Kirchtag bei der Politik - damit Besucher auch morgen noch vom Einkaufserlebnis sprechen.

Aufgerufen am 23.07.2018 um 05:58 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/rolls-royce-unter-den-schirmen-28046926

So vermeiden Sie Diebstähle

So vermeiden Sie Diebstähle

Taschendiebe arbeiten in Gruppen und nützen Menschenansammlungen und Gedränge aus. Laut dem Bundeskriminalamt seien Frauen häufiger Opfer als Männer: In eine Handtasche gelangen die Täter leichter als in …

Schlagzeilen