Wirtschaft

Salzburger Bauern-Förderung soll EU-weit Schule machen

Landesrat Josef Schwaiger will das verhältnismäßig unbürokratische "Salzburger Modell" der landwirtschaftlichen Investitionsförderung in die EU exportieren. In Salzburg wurden seit Jänner 2017 4,6 Millionen Euro an 570 Landwirte ausbezahlt. Beantragt haben die Förderung bislang 1050 Bauern.

"Das ist unser neuer Jungviehstall. Darunter befindet sich eine neue Güllegrube und darüber das neue Heulager", erklärt Maria Höpflinger den angereisten Journalisten auf ihrem Bauernhof in Ebenau. Warum Agrarlandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) sein Pressegespräch zur Bilanz der im Jänner 2017 gestarteten landwirtschaftlichen Investitionsförderung dort abhält, liegt auf der Hand: "Mühlbäuerin" Maria Höpflinger ist eine von 1050 Salzburger Landwirtinnen und Landwirtin, die diese Förderung seither in Anspruch genommen haben. "Wir sind nur zwei Mal in die Landwirtschaftskammer reingefahren, einmal für den Antrag und einmal für die Abrechnung. Das war's. Und: Was für uns wichtig ist - denn mein Mann macht alle Holzarbeiten selbst - die Eigenleistung wird auch angerechnet", schildert sie. Für rund 60.000 Euro Netto-Investitionen haben Maria und Willi Höpflinger 16.500 Euro an Investitionsförderung des Landes erhalten. Ausfüllen mussten sie dafür einen nur zweiseitigen Antrag.

Beides - die unbürokratische Abwicklung und die Anrechnung der Eigenleistung - sind laut Landesrat Schwaiger wesentlich für die Landwirte. Denn: Für kleinere Investitionen zahle es sich weder für Landwirte noch für Beamte aus, seitenlange, komplizierte und von Bund und EU kofinanzierte Förderanträge auszufüllen und zu bearbeiten. Die Abwicklung sei so einfach, dass ein Fachmitarbeiter im Landesdienst 1000 Fälle pro Jahr "nebenher" abwickeln könne. "Bei EU-kofinanzierten Förderanträgen schafft derselbe Mitarbeiter nicht mehr als 200 Anträge im Jahr", verdeutlichte Josef Schwaiger.

Der einzige Nachteil: "Das Land Salzburg muss die Förderung zur Gänze alleine finanzieren", sagt er. Doch das soll sich ändern. Schwaiger arbeitet an einer Allianz der Bundesländer und einer gemeinsamen Position eines neuen österreichischen Landwirtschaftsministers, der das "Salzburger Modell" dieser Förderung für die Förderperiode 2021 bis 2027 auch der EU schmackhaft machen soll.

Dann könnte die Hälfte der Förderung aus EU-Töpfen kommen, 30 Prozent müsste der Bund übernehmen, für das Land bliebe nur mehr ein Fünftel übrig. "Jetzt können wir uns nicht mehr als eine Anrechnung von 60.000 Euro als maximale Fördersumme leisten - wenn die EU und der Bund mitzahlen, dann könnten wir das auf 100.000 oder gar 120.000 Euro erhöhen. Für größere Investitionen sei eine aufwändigere Förderung, bei der auch Betriebspläne vorgelegt werden müssen, trotz mehr Bürokratie sinnvoll. "Ab einer gewissen Größenordnung ist die Eigenleistung eines Landwirtes nicht mehr plausibel darstellbar und wir wollen ja keinen Pfusch fördern", sagt Schwaiger.

Seit 16. Jänner 2017 sind 570 der 1050 Anträge abgerechnet worden. Ausbezahlt wurden 4,6 Millionen Euro an Fördergeldern - die damit verbundenen Investitionssummen der Landwirte belaufen sich auf 17,4 Millionen Euro. "40 Prozent der Fälle betreffen so wie hier bei Familie Höpflinger die Stallhaltung - sie machen 60 Prozent der bisherigen Fördersumme aus", beschreibt der Landesrat. Ein Viertel der Förderfälle falle auf Güllehaltung, ein Fünftel auf Futterkräne sowie Heulagerung und -belüftung.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 12:35 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/salzburger-bauern-foerderung-soll-eu-weit-schule-machen-76839487

Kommentare

Schlagzeilen