Wirtschaft

Salzburger Handel wirbt mit Kampagne "Kauf lokal" um heimische Kunden

Die Corona-Krise trifft Salzburgs Händler hart. Wirtschaftskammer-Präsident Peter Buchmüller appelliert an die Solidarität der Konsumenten und fordert rasche Unterstützung für die betroffenen Betriebe.

WKS-Präsident Peter Buchmüller (rechts) und Gremialobmann Christoph Bründl appellieren an die Konsumenten, ihr Geld nicht bei ausländischen Onlineriesen auszugeben. SN/wks/wildbild
WKS-Präsident Peter Buchmüller (rechts) und Gremialobmann Christoph Bründl appellieren an die Konsumenten, ihr Geld nicht bei ausländischen Onlineriesen auszugeben.

Die Corona-Krise macht vielen heimischen Einzelhändlern schwer zu schaffen. Nach Schätzung der KMU Forschung Austria haben die von der Bundesregierung verordneten wochenlangen Geschäftsschließungen allein in Salzburg einen Umsatzentgang von rund 250 Millionen Euro verursacht. "Die Lage ist ernst", meint WKS-Präsident Peter Buchmüller, der auch Obmann der Bundessparte Handel ist.

Besonders betroffen seien Branchen, die stark vom Tourismus bzw. von Tagesbesuchern aus dem benachbarten Bayern abhängig sind. "Der Souvenir- und der Schmuckhandel mussten Umsatzeinbußen von bis zu 75 Prozent hinnehmen. Nicht viel besser geht es Innenstadtgeschäften, die hochwertige Bekleidung verkaufen", erklärt Buchmüller.

Hohe Fixkosten belasten die Händler

Das bestätigt auch Christoph Bründl. Der Unternehmer und Geschäftsführer von Bründl Sports ist auch Obmann des Landegremiums Salzburg des Handels mit Mode und Freizeitartikeln. "Wir mussten ausgerechnet in jenen Wochen zusperren, die zu den umsatzstärksten des Jahres gehören." Kurzarbeit helfe der Branche nur zum Teil, sagt Bründl und verweist auf die hohen Fixkosten der Händler. "Die Modegeschäfte haben die Frühlingsware zum Großteil bereits erhalten. Sie muss voll bezahlt werden, auch wenn ihr Wert innerhalb von kürzester Zeit stark zurückgeht."

Bründl verweist auf eine aktuelle Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung. "Sie zeigt, dass viele Mode-, Schuh- und Sporthändler existenzielle Sorgen haben und warnt vor einer Insolvenzwelle im österreichischen Bekleidungshandel."


Online-Handel als Gewinner der Krise

In Salzburg sind die Umsätze des gesamten stationären Einzelhandels im ersten Quartal des heurigen Jahres um 4 Prozent gegenüber 2019 gesunken. Im März betrug das Minus sogar mehr als 20 Prozent. Zugleich ist die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im Handel um 2,2 Prozent zurückgegangen, im Einzelhandel waren es 3,6 Prozent. Verschärft wird die ohnehin schwierige Situation durch den boomenden Online-Handel. Laut einer Erhebung der KMU Forschung Austria kaufen bereits 57 Prozent der Salzburger im Alter von 16 bis 74 Jahren im Internet ein. "Im Vorjahr haben Salzburgs Online-Shopper insgesamt 490 Millionen Euro ausgegeben. Das ist ein Plus von 36 Prozent oder 130 Millionen Euro im Vergleich zu 2013. Das Geld fließt zu etwa 60 Prozent an ausländische Anbieter", sagt Buchmüller.

Der WKS-Präsident appelliert an die Konsumenten, ihre Einkäufe in der Region oder bei heimischen Online-Händlern zu tätigen. "Die Kaufkraft der Touristen fällt bis auf Weiteres aus. Jetzt sind wir auf die Solidarität der Salzburger angewiesen. Sie können mit ihrer Kaufentscheidung wesentlich zum Überleben der Geschäfte und zur Erhaltung der Arbeitsplätze beitragen."

Neue Kampagne für lokale Geschäfte

Bründl schließt sich diesem Appell an. Der Gremialobmann hat die Kampagne "Mir ist's nicht egal, ich kauf lokal" ins Leben gerufen, die am 11. Mai startet. "Wir werden in den kommenden Wochen versuchen, mit Slogans wie "Macht dir Shoppen ohne echte Menschen wirklich Spaß?" die Kunden davon zu überzeugen, ihre örtlichen Händler zu unterstützen und so Arbeitsplätze zu sichern", betont Bründl. "Unsere Fachgeschäfte punkten nicht nur mit kompetenter Beratung und großer Auswahl. Sie decken auch die soziale Komponente ab, wobei selbstverständlich penibel auf die Einhaltung aller Corona-Schutzmaßnahmen geachtet wird."

Die Kampagne setzt auf klassische Printanzeigen und Radiospots, aber auch auf Buswerbung und soziale Medien. "In den vergangenen Wochen sind viele Online-Plattformen für Anbieter aus Salzburg entstanden. Zudem ist die Nachfrage nach Lebensmitteln aus der Region stark gestiegen. Wir wollen diese positiven Signale verstärken und darauf hinweisen, dass es keinen Sinn macht, bei ausländischen Online-Händlern einzukaufen", meint Bründl.


Forderung an die Politik: Liquidität muss erhalten werden

Buchmüller fordert rasche Hilfe für die von der Krise betroffenen Handelsbetriebe. "Die Liquidität ist jetzt das Um und Auf. Deshalb müssen die Mittel, die im Corona-Hilfsfonds zur Verfügung stehen, so schnell wie möglich bei den Unternehmern ankommen. Dasselbe gilt für das Kurzarbeitsgeld. Löhne und Gehälter können nicht vorfinanziert werden, wenn es keine Einnahmen gibt. Hier sind auch die Banken gefordert."

Die bevorstehende Öffnung von Restaurants und Caféhäusern sei ein Silberstreif am Horizont. "Die Gastronomie sorgt für eine Belebung der Innenstädte und Ortskerne, von der auch die Geschäfte profitieren werden", sagt Buchmüller, der auf ein Comeback der deutschen Kunden in absehbarer Zeit hofft. "Ich plädiere dafür, die Grenzschließungen so bald wie möglich zu lockern und auch kleine Grenzübergänge wieder zu öffnen. Eine Rückkehr zu einer Art von Normalität ist erst dann möglich, wenn uns Gäste aus dem Ausland wieder besuchen dürfen."

Der WKS-Präsident weist auf die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Handels für das Bundesland Salzburg hin. "Allein der Einzelhandel setzte im Vorjahr mehr als 5,2 Milliarden Euro um. Insgesamt gibt es 6160 Unternehmen, die im Einzelhandel, im Großhandel und in der Kfz-Wirtschaft tätig sind. Sie beschäftigen knapp 49.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von mehr als 22,6 Milliarden Euro. Damit stellt der Handel 22 Prozent der Salzburger Unternehmen und sorgt für 38 Prozent des Umsatzes der marktorientierten Wirtschaft des Bundeslandes."

Quelle: SN

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