Wirtschaft

Salzburger Techniker entwickelt Hightech-Matratze gegen das Wundliegen

Patent für Druck- und Bewegungsmesssystem: 150 Sensoren zeichnen jede Bewegung des Körpers auf. Die Daten werden praktisch in Echtzeit auf eine App übermittelt. Und: Die Pflegekräfte können sofort die richtigen Maßnahmen setzen.

Dietrich Huber (vorn) und seine Partner von der Alphaport OG (Christian Mayr, Daniel Antlinger und Thomas Schey) entwickelten die neue Hightech-Matratze. SN/techno-z
Dietrich Huber (vorn) und seine Partner von der Alphaport OG (Christian Mayr, Daniel Antlinger und Thomas Schey) entwickelten die neue Hightech-Matratze.

Bettlägerige Menschen leiden häufig an "Wundliegen" - einer Schädigung der Haut durch längere Druckbelastung. Dietrich Huber aus Salzburg, Geschäftsführer der Sanvisio GmbH im Techno-Z Salzburg, hat jetzt eine Lösung für ein Druck- und Bewegungsmesssystem entwickelt. Das Versprechen des gebürtigen Mittersillers: Die intelligente Matratze erkennt alle Probleme, die beim Schlafen entstehen, und bietet eine Lage- und Bewegungsanalyse der schlafenden Person zu jedem Zeitraum. 150 Sensoren zeichnen jede Bewegung des Körpers auf und unterteilen diese in Makro- und Mikrobewegungen. Die Daten werden praktisch in Echtzeit auf eine App übermittelt, mit der die Pflegekraft oder ein Angehöriger die Analyse am Smartphone jederzeit einsehen kann.

Gezielte Druckentlastung der Haut ist enorm wichtig

"Bei der Prophylaxe und der Behandlung von Dekubitus ist es enorm wichtig, dass es zu einer gezielten Druckentlastung der Haut kommt, bevor eine Schädigung entstehen kann", erklärt Huber. "Regelmäßige Positionsänderungen der gefährdeten Körperstellen sind daher das Um und Auf. Unsere Matratze misst exakt, wie sich ein Mensch während des Schlafs bewegt. Liegt beispielsweise jemand zu lange auf einer Seite, können Pflegekräfte sofort die richtigen Gegenmaßnahmen setzen und haben mit dem System auch eine automatische Dokumentation der Änderung."

Die Informationen werden mittels Licht übertragen

"Das Prinzip der Sanvisio-Matratze ist weltweit einzigartig", betont Huber. Die druckempfindlichen Sensoren sind in den Boxspringfedern einer hochwertigen Pflegematratze eingewoben, die Informationen werden mittels Licht - also ohne Strom - übertragen. "Die wenigsten Menschen wollen auf einem elektrischen Feld schlafen. Ich wollte deshalb eine Lösung entwickeln, die nicht elektronisch, sondern optisch misst."

Nach drei Jahren des Tüftelns ist der Prototyp fertig

Der Absolvent der Technischen Physik an der TU Graz hat drei Jahre an der Matratze getüftelt. Jetzt ist der Prototyp fertig. Demnächst soll die Innovation in Serie gehen. Dietrich Huber: "Unsere Gesellschaft wird immer älter. Mir ist es ein Anliegen, dass die Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können und dabei mobil bleiben. Unsere Lösung macht das Leben für Patienten leichter und stärkt Angehörige und Pflegekräfte."

Die Partner trafen einander bei einer Netzwerkveranstaltung

Hinter dem Gesamtsystem steckt eine raffinierte Technologie. Für die Umsetzung hat sich Huber die IT-Spezialisten der Alphaport OG an Bord geholt, die ebenfalls im Techno-Z beheimatet sind. "Alphaport kann alle unsere Anforderungen perfekt abdecken - von der Konfiguration des Hochleistungsservers über das Datenmanagement bis zur Entwicklung der App." Kennengelernt haben sich die Unternehmer bei einer Netzwerkveranstaltung im Techno-Z.

"Nicht jeder Unternehmer kann alle Bereiche abdecken"

Techno-Z-Geschäftsführer Werner Pfeiffenberger ist die Vernetzung am Standort ein besonderes Anliegen: "Kooperationen im digitalen Bereich sind enorm wichtig, weil nicht jeder Unternehmer alle Bereiche abdecken kann. Deshalb setzen wir im Techno-Z Aktivitäten, um Kooperationen am Standort zu fördern und die richtigen Unternehmen zusammenzubringen."

Am Techno-Z in Salzburg-Itzling sind 900 Mitarbeiter beschäftigt

In den vergangenen Jahren ist im Techno-Z in Salzburg-Itzling ein Digital-Health-Schwerpunkt entstanden. Immer mehr Unternehmen setzen auf digitale Technologien zur Gesundheitsförderung. Neben der Sanvisio GmbH sind die Firmen ABIOS (Leistungsdiagnostik), Maia.Tools (multimediale Kommunikation zwischen Patient und Arzt), Runtastic (Fitness-Tracker) und Symptoma (Suchmaschine für Ärzte) am Standort vertreten. Das Techno-Z in Itzling ist Salzburgs Hotspot für technologieorientierte Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen. Am Campus im Herzen der Science City befinden sich 100 Firmen mit 900 Mitarbeitern, Fachbereiche der Universität sowie Salzburgs erster Coworkingspace.

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.09.2020 um 09:13 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/salzburger-techniker-entwickelt-hightech-matratze-gegen-das-wundliegen-84093874

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