Wirtschaft

Salzburgs Erzbischof nimmt erstmals Stellung zu den Sparplänen in seiner Kirche

Seit Tagen rumort es innerhalb der katholischen Kirche. Die massiven Sparpläne des Finanzchefs der Erzdiözese stoßen auf Widerstand. Nun schaltet sich Erzbischof Franz Lackner ein - mit einem Zitat von Papst Franziskus.

Die Erzdiözese muss sparen. Das hat der Finanzkammerdirektor in den vergangenen Tagen klar gemacht. In einem SN-Bericht vom Samstag hat Cornelius Inama bekräftigt, dass es den Vorschlag für eine Nulllohnrunde bei den Mitarbeitern gibt. In Summe müsse die Erzdiözese für 2019 rund 2,5 Millionen Euro einsparen. Der Personalstand soll reduziert werden, indem Stellen nicht nachbesetzt werden. Für Aufregung innerhalb der Kirche sorgte aber auch die Aussage, dass das Bildungszentrum St. Virgil, die Katholische Aktion und ihre Sozial- sowie Familienberatung als "nicht systemrelevant" eingestuft werden sollten. Und in diesen Bereichen müssten die Kosten ab 2019 dauerhaft um zehn Prozent gesenkt werden.

Schreiben an alle Mitarbeiter der Kirche

Erzbischof Franz Lackner hat sich bisher nicht zu den Plänen seines Finanzkammerdirektors geäußert. Am Dienstag ging ein Schreiben an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erzdiözese. Darin schreibt der Oberhirte, dass im Rahmen des Zukunftsprozesses die Diözese einer intensiven Evaluierung unterworfen worden sei. "Ziel der ersten Etappe war es, für eine aus unserem Glauben heraus gültige Grundlage der Kirche von morgen zu sorgen. Offen und ohne Einschränkungen wurden viele Ideen aufgegriffen und von den dafür Zuständigen Vorschläge zur Umsetzung erarbeitet. Diese gilt es zu diskutieren, breit und ohne Tabu, intern auf sachlicher Ebene." Dazu gehöre auch die Weiterentwicklungen im Umgang mit den vorhandenen Ressourcen.

Erzbischof und Konsistorium entscheiden

Im Schreiben von Lackner an die Mitarbeiter heißt es weiter: "Berechnungen zeigen, dass das Kirchenbeitragsaufkommen auf lange Sicht nicht mehr steigen wird. Zudem haben sich in den vergangenen Jahren die Personalkosten stark erhöht. Aus diesem Grund hat uns der Diözesankirchenrat angehalten, Einsparungen zu treffen." In einem Interview (mit den SN) habe der Finanzkammerdirektor als "Anwalt des Geldes" wichtige Entwicklungen angesprochen, denen sich die Erzdiözese aus wirtschaftlicher Sicht stellen müsse. "Welche inhaltliche Ausrichtung aber vorgegeben wird, entscheidet und verantwortet der Erzbischof mit seinem Konsistorium, in dem unsere Erzdiözese in ihrer Vielfalt repräsentiert ist, im intensiven Austausch mit den Beratungsgremien, wie dem Pastoralrat." Der Erzbischof greift dabei auch auf ein Zitat von Papst Franziskus zurück: "Das Geld muss dienen, nicht regieren" (Evangelii Gaudium 57-58)

Kritik an jenen, die sich an die Medien gewandt haben

Die Kirche wolle die Aufgaben, die ihr gestellt werden, annehmen. "Ich sehe neben den Grundpfeilern unserer Arbeit z. B. die Bereiche Jugend, Familie und Bildung als gesellschaftlich geforderte Schwerpunkte. All diese Bereiche sind im Konsistorium vertreten. Die Erzdiözese ist mit den vorhandenen Gremien so aufgestellt, dass unterschiedliche Meinungen gut und angemessen bearbeitet werden können." Lackner äußert aber auch Kritik an jenen, die sich an Medien gewandt hätten. "Ich verstehe nicht, dass hier nun der Weg über die Medien gesucht wurde, um die eigene Position laut zu vertreten. Ich setze auf konstruktive Lösungen und stehe für das Gespräch zur Verfügung", schreibt Erzbischof Franz Lackner.

Quelle: SN

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