Wirtschaft

Salzburgs Kapuzinermönche machen Werbung in eigener Sache

Die Zeiten ändern sich, auch in Salzburgs Klöstern. Die Kapuziner sind erstmals auf der Berufsmesse BIM präsent und buhlen umgeben von Konzernen und Global Playern um Aufmerksamkeit.

Für den Kapuzinerorden bei der BIM: Kletus Hutter, Julian Kendziora und Hans Pruckner (von links). SN/robert ratzer
Für den Kapuzinerorden bei der BIM: Kletus Hutter, Julian Kendziora und Hans Pruckner (von links).

Es kann schon sein, dass am Donnerstag der eine oder andere Besucher der Berufsinformationsmesse im Salzburger Ausstellungszentrum seinen Augen nicht trauen und einen zweiten Blick in Richtung eines Standes in der Halle 9 werfen wird. Denn eingebettet zwischen dem Sanitärunternehmen Hagleitner und der Pinzgauer Wirtschaftsplattform Komm-bleib.at wirken die Männer in ihren braunen Kutten wie Fremdkörper. Aber nur auf den ersten Blick. Denn die Mönche des Kapuzinerordens verfolgen auf der BIM das gleiche Ziel wie alle anderen Aussteller: Sie wollen Aufmerksamkeit.

Vor einem halben Jahr habe man sich überlegt, wie man den Menschen das Leben im Kloster und das Angebot dort wieder näher bringen könne. "Gerade für junge Menschen ist das Kloster etwas völlig Fremdes", weiß Bruder Hans Pruckner, bei den Kapuzinern für die Ausbildung angehender Mönche zuständig. Mit neuen Angeboten, die auf der Messe vorgestellt werden, soll sich das ändern. Diese reichen von der Fußwallfahrt nach Assisi, persönlicher Begleitung über freiwillige Auslandseinsätze bis hin zu einem Jahr im Kloster. "Die Menschen sollen sehen, dass wir Orientierungshilfen anbieten und darum geht es bei Veranstaltungen wie der BIM." Dort rechnet Pruckner mit verschiedensten Reaktionen. So wie im täglichen Leben werde er mit Ignoranz, Anfeindung, aber auch Interesse und Neugierde konfrontiert sein. "Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere stehen bleibt und wissen will, warum ich hier bin." Der Stand ist mit gemütlichen Hockern ausgestattet, Kekse und Schlüsselanhänger gebe es für Interessierte, ansonsten verzichte man auf alles Spektakuläre", so Pruckner.

Der Niederösterreicher ist seit 20 Jahren bei den Kapuzinern, seit vier Jahren auf dem Kapuzinerberg. Er sei "christlich sozialisiert" worden und während des Theologiestudiums in Salzburg "hängen geblieben". Er betont, dass es auf der BIM nicht darum gehe, junge Leute ins Kloster locken zu wollen. "Wir drängen uns nicht auf, aber natürlich, wenn jemand Interesse hat, heißen wir ihn willkommen."
Denn so wie alle anderen Orden plagen auch die Kapuziner Nachwuchssorgen. Elf Brüder leben derzeit im Kapuzinerkloster in der Mozartstadt, das es seit rund 400 Jahren gibt. Gut drei Mal so viele waren es einmal. Weltweit gibt es in 106 Ländern rund 10.500 Kapuziner.

Von 23. bis 26. November 2017 findet im Salzburger Ausstellungszentrum bereits zum 26. Mal die Berufsinformationsmesse statt. Die Veranstaltung ist die größte im westösterreichen und im angrenzenden bayrischen Raum. Sie startete 1991 mit 70 Ständen auf 1700 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Heute sind es rund 200 Aussteller auf 6500 Quadratmeter. Die Besucherzahl hat sich von 10.000 zu Beginn auf rund 30.000 verdreifacht. Mit der Interpädagogica West und der "Best - Beruf, Studium, Weiterbildung" finden zeitgleich zwei weitere Veranstaltungen statt.

Mehr Informationen unter: www.berufsinfomesse.org

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