Wirtschaft

Salzburgs Wirtschaft trotzt der Pandemie - und sucht jede Menge Arbeitskräfte

Trotz der Pandemie hat die Wirtschaft in Salzburg nichts an Schlagkraft eingebüßt - im Gegenteil: Arbeitskräfte werden nach wie vor dringend gesucht.

Symbolbild. SN/Robert Ratzer
Symbolbild.

Das Jahr 2021 war nicht nur von der Corona-Pandemie geprägt, sondern auch von einer starken Nachfrage nach Arbeitskräften. "Inmitten der größten Krise seit Jahrzehnten hat die die heimische Wirtschaft ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. In vielen Unternehmen werden Beschäftigte gesucht. Das AMS hat deswegen seine Kräfte im Bereich der Fachkräfteausbildung noch einmal verstärkt. Die Arbeitslosenzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr stark zurückgegangen. Auch die AMS-Programme gegen die Langzeitarbeitslosigkeit zeigen deutlich Wirkung", fasst Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer die Arbeitsmarktsituation zusammen. Sie rechnet damit, dass Ende 2022 die Arbeitslosenquote wieder Vorkrisenniveau erreicht haben wird.

Die Arbeitslosigkeit im Bundesland Salzburg ist 2021 im Vergleich zum Jahr davor um 24,7 Prozent zurückgegangen, das ist im Bundesländervergleich die größte Abnahme. 15.130 Menschen waren im Jahresschnitt arbeitslos gemeldet, das waren um 2.436 mehr (+19,2%) als vor der Krise 2019. Die Arbeitslosenquote betrug im Schnitt 5,6 Prozent (-2,5%), damit belegt Salzburg hinter Oberösterreich den 2. Platz. Österreichweit lag die Quote bei 8,0 Prozent.

Langzeitarbeitslose und Ältere profitieren am wenigsten vom Aufschwung

Die Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit hat sich 2021 verlangsamt. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres ist sie sogar zurückgegangen. 1.946 Menschen sind länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet, um 575 mehr als 2020 (+41,9 Prozent). Über das bewährte Modell der Eingliederungsbeihilfe, bei der langzeitarbeitslose Menschen gezielt beraten und gefördert werden, konnten im vergangenen Jahr 2.900 Personen wieder am Arbeitsmarkt Fuß fassen. Auch 2022 wird ein besonderer Schwerpunkt zur intensiven Unterstützung dieser Personen gelegt. "Ein Drittel der langzeitarbeitslosen Personen sind über 50 Jahre alt. Hier braucht es eine besondere Unterstützung von Seiten des AMS, aber auch die Bereitschaft der Betriebe, den Recruiting-Horizont zu erweitern."

Betriebe bieten viele offene Lehrstellen an

Die Zahl der offenen Lehrstellen hat sich gegenüber 2019 um fast 21 Prozent erhöht. 1.075 Stellen wurden im vergangenen Jahr angeboten, ein Plus von 251 (60 %) gegenüber 2020. Im Jahr davor war noch ein leichter Rückgang verzeichnet worden. "Die Betriebe haben die Wichtigkeit der Lehrausbildung auch in herausfordernden Zeiten erkannt, das zeigt die Steigerung bei den offenen Stellen. Ein Jugendlicher kann in Salzburg aus beinahe vier offenen Lehrstellen wählen, wenn man den Tourismusbereich ausklammert, sind es immer noch 2,6 offene Stellen", so Beyer. Jugendliche in Wien haben keine so gute Perspektive: Sie können nur aus 0,16 offenen Lehrstellen wählen.

Die Berufsorientierung durch die Berufsinfozentren des AMS ist dabei ein wichtiger Wegweiser für Jugendliche. Im vergangenen Jahr wurden hier einige neue Wege beschritten: Die AMS-Lehrstellenchallenge, die Berufsorientierung im Freien und Online-Beratungsformate für Schüler_innen, Jugendliche und Eltern wurden von den künftigen Fachkräften sehr gut angenommen.

Dass dennoch zahlreiche offene Lehrstellen nicht besetzt werden können, stellt das AMS vor große Herausforderungen. Die Forcierung der Erwachsenenlehre war deswegen ein wichtiger Bestandteil bei den 4.500 Betriebskontakten im vergangenen Jahr.

Das AMS hat 2021 die Fachkräfteausbildung intensiv vorangetrieben. Denn 41 Prozent aller arbeitslosen Menschen verfügen lediglich über einen Pflichtschulabschluss. Nach wie vor gilt: je höher die Ausbildung, desto niedriger die Arbeitslosenquote. 230 Personen wurden in die arbeitsplatznahe Qualifizierung (Programm AQUA) aufgenommen. "Hier sehen wir auch die hohe Dynamik am Arbeitsmarkt, denn der leichte Rückgang bei den AQUA-Zahlen ist darauf zurückzuführen, dass Menschen wegen des Aufschwungs direkt in ein Arbeitsverhältnis gewechselt sind. Und 336 Personen haben im Vorjahr im Zuge des Programms "18+" eine Erwachsenenlehre begonnen, deutlich mehr als im Bundesländerschnitt von rund 230 Eintritten. Auch 2022 werden alle Kräfte seitens AMS gebündelt, damit so viele Menschen wie möglich von der Hilfskraft zur Fachkraft werden können", erläutert Beyer.

Offene Stellen

Salzburg war eines der ersten Bundesländer bei dem sich der Arbeitsmarkt so schnell erholt hat. Auch auf dem Stellenmarkt gibt es eine hohe Dynamik, das betrifft nicht nur Lehrlinge, sondern den gesamten Arbeitsmarkt. 8.049 offene Stellen wurden 2021 verzeichnet, ein Plus von 21 Prozent gegenüber 2019. Die Top 3 Branchen sind "Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen", (Gebäudereinigung, Hausmeisterdienste, Arbeitskräfteüberlasser u.ä.), "Beherbergung und Gastronomie" sowie der Handel, der sich, außer im Ausnahmejahr 2020, sehr stabil entwickelt hat.

Kurzarbeit

Die rasche und gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hat auch unmittelbar mit dem Erfolgsmodell der Kurzarbeit zu tun. Seit Beginn der KUA-Phase V, dem 1. Juli 2021, waren bzw. sind 3.000 Betriebe in Salzburg in Kurzarbeit, mit insgesamt 15.743 Personen. Hauptbetroffenen sind jene Branchen, die auch im Lockdown waren, nämlich der Tourismus und der Handel. Damit zeigt sich auch in dieser Kurzarbeitsphase, wie wichtig dieses Instrument ist, weil sonst über 15.000 Personen mehr arbeitslos geworden wären. Zudem ist es ein Signal der Betriebe an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, diese längerfristig halten und an sich binden zu wollen. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben 9.700 Betriebe in Salzburg die Kurzarbeit in Anspruch genommen. Über diesen Zeitraum waren 103.000 Personen in der Kurzarbeit. 770 Millionen Euro wurden über das AMS seit Beginn der Krise ausgezahlt.

Saisonstarthilfe

Beim jüngsten Lockdown im November 2021 wurde für die heimischen Betriebe die Saisonstarthilfe entwickelt. Saisonbetriebe konnten so trotz Lockdown ihre Mitarbeiter einstellen und damit das Personal halten. Bislang wurden 6.300 Anträge gestellt, da die Frist aber noch bis 31. Jänner läuft und normalerweise die meisten Anträge gegen Ende der Frist einlangen, rechnet das AMS mit bis zu 10.000 Anträgen. Doch schon jetzt ist klar, dass auch diese Förderung weitere Arbeitslosigkeit verhindert hat. Denn trotz Lockdown ist die Zahl der arbeitslosen Personen in diesem Zeitraum kaum gestiegen.

Tourismus

Die zahlreichen offenen Stellen im Tourismus zu besetzen, wird immer noch schwieriger. Branchenvertreter sprechen davon, dass rund 30 Prozent der Beschäftigten aufgrund der Unsicherheiten den Tourismus verlassen haben. Darum wird das AMS auch 2022 die überregionale Vermittlung mit Wien stark einsetzen. Bewährte Modelle wie Übungshotels für den Tourismus werden fortgeführt und auch ein Ausbau ist bereits angedacht. Dazu kommen Jobbörsen in St. Pölten und Wien. International wird das AMS Salzburg im Rahmen der EURES mit 14 europäischen Staaten kooperieren, von Skandinavien bis Spanien und Griechenland. "Die Vermittlung von Fachkräften aus ganz Europa nach Salzburg soll Saisonarbeitskräfte, ganzjährige Fachkräfte und Praktikantinnen und Praktikanten den Weg ins Bundesland Salzburg ebnen. Neben der Qualifizierung heimischer Arbeitskräfte erfolgt damit ein zusätzlicher Schub für die Fachkräfteoffensive in unserem Bundesland", so Beyer.ung von Fachkräften und deren Familien attraktiv wird.

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