Wirtschaft

"Schutz der Artenvielfalt soll sich für die Bauern rechnen"

Die Käserei Woerle kartiert bei 15 Landwirten Flächen, die als Lebensraum für Insekten und seltene Pflanzen geschützt werden. Das soll den Bauern weniger Arbeit machen und langfristig Geld bringen.

Das Team hinter dem Woerle-Nachhaltigkeitsprojekt: Uni-Biologe Johann Neumayer, Diana Reuter (Woerle-Projektleiterin); Neo-Geschäftsführer Gerrit Woerle, Bäuerin Elisabeth Schweighofer und Konrad Steiner (HBLA Ursprung) – im Bild vor dem Bauernhof der Schweighofers in Zell am Moos.  SN/stefan veigl
Das Team hinter dem Woerle-Nachhaltigkeitsprojekt: Uni-Biologe Johann Neumayer, Diana Reuter (Woerle-Projektleiterin); Neo-Geschäftsführer Gerrit Woerle, Bäuerin Elisabeth Schweighofer und Konrad Steiner (HBLA Ursprung) – im Bild vor dem Bauernhof der Schweighofers in Zell am Moos.

Die Henndorfer Käserei Woerle ist bis dato gut durch die Coronakrise gekommen: Der Absatz sei, bedingt durch die verstärkte Nachfrage im Lebensmittel-Einzelhandel, sogar kurzfristig gestiegen, sagt Juniorchef Gerrit Woerle. Der 35-jährige Sohn wird mit Jahresende die Geschäftsführung von Seniorchef Gerhard Woerle (76) übernehmen - und damit für 350 Mitarbeiter und 130 Mill. Jahresumsatz verantwortlich sein.


Gezeigt habe die Krise aber auch, dass regionale und Biolebensmittel für die Konsumenten immer wichtiger würden, betont Gerrit Woerle. Das Unternehmen nimmt diesen Trend zum Anlass, die hausinternen Nachhaltigkeitsinitiativen zu bündeln: Konkret will die Käserei, die sich als Heumilch-Pionier einen Namen gemacht hat, die Artenvielfalt auf den Flächen der 500 Milchbauern, die sie beliefern, fördern. Dazu sollen die Bauern auf freiwilliger Basis Kleinflächen, die schützenswert sind, melden. Projektleiterin Diana Reuter: "Die dabei entstandenen Rettungsinseln für Insekten und Kleintiere werden bildlich in einer Karte dargestellt. Ziel ist, so die erste wissenschaftliche Kartierung einer derartigen Region in Europa zu erstellen." Bis 2030 sollen rund 1000 sogenannte Blühinseln geschaffen werden.

Konrad Steiner von der HBLA in Elixhausen-Ursprung, der das Projekt wissenschaftlich begleitet, betont, dass hier oft schon wenige Quadratmeter reichen würden: "Allein dadurch, dass man Wiesenränder, vergessene Böschungen, Altholzhaufen oder trockene Gstätten verwildert stehen lässt, werden neue Lebensräume geschaffen."

Wichtig ist Woerle, dass die Bauern durch das Projekt keinen Mehraufwand, sondern Vorteile haben: "Der Schutz der Artenvielfalt soll sich für die Bauern rechnen." Denn kurzfristig bringe die Nichtbearbeitung der Flächen für die Bauern eine Arbeitsersparnis. Langfristig wünscht sich Woerle, dass das landwirtschaftliche Flächenfördersystem diese Schutzzonen honoriert. "Und die Frage ist, wie wir unsere Produkte so aufladen können, dass wir damit beim Konsumenten mehr erlösen." Steiner sagt, dass es schon jetzt für den Erhalt besonders seltener Pflanzen wie dem Knabenkraut bis zu 700 Euro pro Hektar Förderung gebe.

Umgesetzt wird die Kartierung von Steiners HBLA-Schülern, die mittels einer App jede Blühpflanze per Foto mit 95-prozentiger Genauigkeit zuordnen können. Langfristiges Ziel sei zudem, dass diese Blühinseln in 300-Meter-Abständen seien, um so etwa Bienen das Weiterziehen zu ermöglichen - was den Genpool stärke, sagt "Bienenpapst" Johann Neumayer von der Uni Salzburg, ein weiterer Projektpartner. Er betont, dass man diese geschützten Flächen auch "maschinengerecht bearbeiten kann; denn niemand mäht mehr mit der Sense".

Derzeit sind bereits 15 Bauern an Bord; darunter sind auch Ferdinand und Elisabeth Schweighofer aus Zell am Moos: "Wir versuchen, das Gras manchmal länger stehen zu lassen, damit die Insekten Nistplätze haben. Da geht es um eine gesunde Schlampigkeit", sagen sie lachend.


Aufgerufen am 29.05.2020 um 04:39 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/schutz-der-artenvielfalt-soll-sich-fuer-die-bauern-rechnen-87786247

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