Wirtschaft

Sie haben in der Krise neue Kunden gewonnen

Im Frühjahr hat der Lockdown Salzburger Unternehmer kalt erwischt. Kreative Ideen waren gefragt. Doch was davon ist jetzt noch übrig?

Als Trachtenschneider Stefan Wimmer während des ersten Lockdowns im Frühjahr angeboten hatte, neue Dirndl per Videotelefonie abstecken zu lassen, wurde er noch belächelt. Doch: Das scheinbar Unmögliche hat sich bewährt. "Wir haben etwa drei bis vier halb fertige Dirndl pro Woche samt Stecknadeln an unsere Kundinnen verschickt", schildert der Unternehmer aus Schleedorf. Bei der Anprobe waren er bzw. jemand aus seinem Team per Videochat dabei. Dann wurde gemeinsam festgelegt, wo wie viel abzustecken war, damit das Kleidungsstück danach wie angegossen passt. "Die Idee ist aus der Not heraus geboren worden und wir haben damit natürlich nur einen kleinen Teil unseres Umsatzentgangs abgefedert", sagt Stefan Wimmer. Gebracht hat es trotzdem etwas, denn: Mit dem Online-Anprobeangebot ist die Trachtenschneiderei zu neuen Kunden gekommen - und daran hat sich bis jetzt nichts geändert. Vor allem Kunden, die weiter weg wohnen, nutzen diese Möglichkeit. "In erster Linie verkaufen wir jetzt Trachtenjanker über diese Schiene. Aber: Wir haben sogar schon ein Hochzeitsdirndl so verkauft", berichtet Stefan Wimmer. Das Trachtengewand aus naturweißer Seide mit Schneewittchenkragen und Seidenschürze ging zu einer Braut nach Norddeutschland, in eine Kleinstadt in der Nähe von Mainz. Die Braut hatte sich online in das Hochzeitsdirndl verliebt. "Wir haben das Kleid in einem ersten Schritt aus einem günstigeren Stoff geschneidert und zur Kundin geschickt. Bei der Anprobe haben wir per Videotelefonie die Passform begutachtet und besprochen, wie es wie abgesteckt gehört. Vorsichtshalber haben wir uns natürlich auch genau Notizen dazu gemacht. Dann haben wir das echte Dirndl aus Seide genäht - und die Kundin war sehr glücklich damit." Auch jetzt passiert es immer wieder, dass ein Dirndl per Post zur Anprobe verschickt wird - aber nicht mehr so oft, denn der Spätherbst ist traditionell kein Zeitpunkt, zu dem viele Dirndl gekauft werden. Deshalb richten Monika und Stefan Wimmer ihr Augenmerk jetzt auf das kommende Frühjahr. "Wir glauben, dass es bis dahin wieder besser wird und dann viele schöne Brautdirndl gefragt sein werden, auch weil ja heuer viele Hochzeiten verschoben wurden", sagt Stefan Wimmer. Diese Zuversicht sollen auch andere spüren und vor allem sehen können. Deshalb wird die Hochzeitsausstellung in Schleedorf derzeit komplett umgestaltet. "Wir richten alles für den Frühling 2021 her."

Auf ihren Erfahrungen aus dem ersten Lockdown baut auch Caroline Gerstlohner auf. Von Adnet aus beliefert sie Kunden auf der Strecke nach Kuchl und Hallein sowie in Richtung Norden durch den Flachgau und die Stadt Salzburg bis nach Bergheim. Normalerweise sind es vor allem Berufstätige, die sich die Gerichte - von Spareribs bis Linsenragout - kalt und im Glas ins Büro liefern lassen. Während des ersten Lockdowns musste die Unternehmerin - hektisch und daher auch etwas chaotisch, wie sie heute sagt - umdisponieren. Statt in den Büros saßen die Kunden im Homeoffice. Für Caroline Gerstlohners Unternehmen "Hermann liefert" bedeutete das schlagartig weniger Kunden, und die, die es noch gab, saßen verstreut an mehreren Adressen. Aber: In dieser Zeit hat sie auch neue Kunden angesprochen, etwa ältere Menschen, die nun nicht mehr einkaufen oder ins Gasthaus gehen konnten, oder Familien, die neben Homeoffice und Homeschooling keine Zeit zum Kochen hatten. "Diese Kunden sind jetzt im zweiten Lockdown von selbst wiedergekommen", berichtet die Unternehmerin. Rund 400 Kunden beliefert sie wöchentlich. Der Unterschied zum Frühjahr: Sie ist jetzt viel besser organisiert, hat die Routen so optimiert, dass sie nur noch ein Lieferauto benötigt, und ihre Kunden zudem so weit gebracht, dass sie nicht mehr nur für einen Tag, sondern gleich für mehrere Tage Essen bestellen. Das alles trage dazu bei, dass das Minus am Jahresende nicht allzu groß ausfallen dürfte - je nachdem, was der Dezember noch bringe, sagt sie.

Ungewöhnliche Rezepte hat Barkeeper Michael Steinbacher entwickelt, um durch die Krise zu kommen. Als er seine "The Jigger Bar" in Salzburg-Schallmoos im März zum ersten Mal schließen musste, entschied er sich, seine Cocktails im Stadtgebiet zuzustellen. Gemixt wurde auf Bestellung. Zuerst sei er sich nicht sicher gewesen, wie das Angebot angenommen würde. "Eine Bar lebt ja von der Atmosphäre, der Gemütlichkeit und auch von der Beratung durch den Barkeeper", sagt er. Doch aller Skepsis zum Trotz: Die ersten beiden Wochen hatte er so viel zu tun, dass er an seine Grenzen kam. Auch er hat seither an den Prozessen gearbeitet und sein To-go- bzw. Lieferkonzept weiterentwickelt. Ein "The Jigger Shop"-Konzept ist entstanden. Dort konnte man - bevor die Ausgangsbeschränkungen auf den ganzen Tag ausgedehnt wurden - bis 20 Uhr kontaktlos durch das Fenster in Flaschen abgefüllte Cocktails, nicht alkoholische Limonadenessenzen, aber auch Snacks wie hausgemachte Essigwurst im Glas und Nachos mit Käse abholen. Seit Inkrafttreten des neuerlichen Lockdowns mit ganztägigen Ausgangsbeschränkungen liefert Michael Steinbacher wieder. "Ob Abholen erlaubt ist oder nicht, konnte mir keiner mit absoluter Sicherheit beantworten, es ist eine Grauzone - und ich will alles richtig machen", betont er. Etwa 300 Cocktails liefert er pro Woche aus - zur Hälfte an Stammgäste, zur Hälfte an Kunden, die noch nie zu Gast in seiner Bar waren. Unter den Drinks sind Klassiker wie der Negroni, aber vor allem immer wieder wechselnde Eigenkreationen wie die unter dem Namen "Schwarzwild" vertriebenen Drinks. Basis ist ein Sirup aus Blaukraut, Rotwein, Zwetschkenmarmelade und verschiedenen Kräutern, der mit Whiskey gemixt wird. "Passt super zu Wildgerichten", sagt Michael Steinbacher. Auch wenn er so nur ein Fünftel seines normalen Umsatzes macht: Den "The Jigger Shop" will er auch dann weiterbetreiben, wenn sich alles wieder normalisiert.

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