Wirtschaft

So lässt sich der Urlaub konservieren

Muscheln und Akte werden in der Stadtglaserei Wollak hinter Glas gepackt, aber nicht nur: Beim Einrahmen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Seit 1874 befindet sich in der Dreifaltigkeitsgasse 9 eine Glaserei, im Chef Harald Gallautz und Mitarbeiterin Inka Schürf. 
Seit 1874 befindet sich in der Dreifaltigkeitsgasse 9 eine Glaserei, im

Der Wind ist schuld. Daran nämlich, dass immer wieder Glasscheiben brechen. Ein, zwei Mal pro Tag passiert so ein Unglück in der Salzburger Altstadt. Dann tritt Harald Gallautz auf den Plan. In seiner Stadtglaserei Wollak in der Dreifaltigkeitsgasse werden die Scheiben für gewöhnlich getauscht. "Das ist eine spezielle Aufgabe, die kaum noch jemand beherrscht", sagt Gallautz. Dass diese alte Technik immer noch gefragt ist, liegt am strengen Altstadtschutz, der im Stadtkern nach wie vor nur Kastenfenster erlaubt. Aber auch wenn jemand eine Küchenrückwand aus Glas bestellt, ein Glasdach anbringen lässt, irgendwo ein Schaufenster springt oder eine Duschtür kaputt geht, rückt einer von Gallautz' Monteuren aus. Zu seinen zwölf Mitarbeitern würde er gerne einen Lehrling aufnehmen, aber die Suche gestalte sich schwierig, sagt der Mann. Bis zum späten Vormittag dürfen seine Leute in den Stadtkern zufahren, dann bekommt auch die Traditionsglaserei die Tücken des Altstadt-Standorts zu spüren. "Es ist schon vorgekommen, dass wir zu zweit oder dritt eine riesige Glasscheibe über den Makartsteg getragen haben", erinnert sich der Glasermeister.

Ein 200-Euro-Rahmen für eine 50-Cent-Postkarte

Seine Mitarbeiterin Inka Schürf aus Traunstein hält im Geschäft die Stellung. Sie repariert Glas und verkauft kleine Figuren und Schmuck aus buntem Glas an die Touristen. Und dann versteht sich die gelernte Glaserin aufs Einrahmen von Bildern. "Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt", sagt Schürf. Kunden treffen hier mit alten Bildern aus Erbschaften oder neuen Urlaubsfotos ein. Auch Akte sind immer wieder darunter. Im Prinzip lässt sich alles einrahmen - von der 50-Cent-Postkarte bis hin zu Seestern-Skeletten und Muscheln, den ersten Schuhen oder einem mit Edelsteinen durchwirkten Perserteppich. "Den bekam ein Salzburger einmal für eine erfolgreiche Stadtführung von einem Scheich geschenkt. Bei mir hat er ihn rahmen lassen", sagt Schürf, die über ihre Arbeit immer wieder auf interessante Geschichten stößt. Unter Umständen sei dann der Rahmen beziehungsweise die Vitrine teurer als das, was drin steckt - vielfach dürfte wohl der emotionale Wert im Vordergrund stehen.

Was so ein professioneller Rahmen kostet, wollen die Profis in der Stadtglaserei nicht beantworten. "Ganz einfach, weil die Palette so unwahrscheinlich groß ist. Das ergibt sich für gewöhnlich im Beratungsgespräch."

Die Auswahl an Möglichkeiten ist enorm und mit den Jahren stets gestiegen. "Als ich vor 30 Jahren in die Selbstständigkeit ging, genügten rund 200 Muster. Heute haben wir sicher 800 im Geschäft", belegt Gallautz die gestiegenen Ansprüche mit Zahlen. Die Geschmäcker sind verschieden. Neben Silber und Gold entscheiden sich viele für Schwarz oder Weiß, weil so der Rahmen in den Hintergrund tritt.

Schürf legt darauf Wert, dass sie mit säurefreien Klebstoffen arbeitet, die das Bild nicht angreifen. Sie rahmt "staubdicht", sodass die Bilder für die nächsten 20 bis 30 Jahre quasi konservatorisch geschützt sind.

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