Wirtschaft

Strompreise: Auf Energieversorger warten teils hohe Gewinne

Der Energieexperte der E-Control, Johannes Mayer, weiß, warum die Strompreise steigen und auf Energieversorger ertragreiche Jahre warten.

Auch die Netzkosten dürften noch ordentlich erhöht werden. Aktuell arbeiten Finanzministerium und Klimaschutzministerium gemeinsam mit der Branche intensiv an einer Lösung, um diese Kostensteigerungen abzufedern.  SN/stock.adobe.com
Auch die Netzkosten dürften noch ordentlich erhöht werden. Aktuell arbeiten Finanzministerium und Klimaschutzministerium gemeinsam mit der Branche intensiv an einer Lösung, um diese Kostensteigerungen abzufedern.

Am Dienstag tagt der Aufsichtsrat der Salzburg AG und dürfte endgültig grünes Licht für den Bau der Wasserkraftwerke in Stegenwald und Neukirchen geben. An den Energiepreisen wird das vorerst aber nichts ändern. Bei den 240.000 Kundinnen und Kunden der Salzburg AG sorgt die angekündigte Preiserhöhung um 138 Prozent weiter für Unverständnis. Diese wird bei der Salzburg AG und den Landespolitikern lautstark abgeladen - überforderte Kundenberater und Shitstorms stehen auf der Tagesordnung. Johannes Mayer, Experte der Regulierungsbehörde E-Control, kennt den Energiemarkt und die Ursachen für stark steigende Strompreise.

Sind es goldene Zeiten für Energieunternehmen, was die Gewinnaussichten betrifft, Herr Mayer? Johannes Mayer: Grundsätzlich ist der Anteil an Eigenproduktion relevant für die Erträge. Für Unternehmen, die nur von der Börse beziehen, sind es keine ertragreichen Zeiten. Volatil und hoch sind die Preise am Börsenmarkt. Die Kosten für die Eigenproduktion sind stabil. Das heurige Jahr ist allerdings für jene, die Laufwasserkraftwerke und Speicherkraftwerke haben, zwar ein gutes Jahr, was die Gewinne betrifft - es war aber kein Super-Super-Jahr, da die Wasserkraftwerke aufgrund geringerer Niederschlagsmengen weniger Strom produziert haben.

Sind nicht jene Energieunternehmen, die im Moment die Eigenproduktion am Markt anbieten, die Gewinner? Wenn ein normales Jahr kommt, was den Wasserstand betrifft, werden die Gewinne ein Wahnsinn werden, da die Verkaufspreise ums Sechsfache gestiegen sind. Von der EU gibt es den Vorschlag, dass man alle Erlöse über 180 Euro abschöpfen soll, was auch kommen wird - und trotzdem werden hohe Gewinne überbleiben.

In Salzburg liegt die Eigenabdeckung der Salzburg AG bei 50 Prozent. Die Salzburg AG gehört auch der Stadt und dem Land - und trotzdem steigen die Preise um 138 Prozent, ginge das nicht deutlich günstiger für die Kunden? Wenn die Salzburg AG nur die Selbstkosten für den Eigenanteil weitergeben würde und knapp die Hälfte der Energie vom Markt zukauft, würde ein Arbeitspreis von rund 20 Cent/kWh entstehen. Das heißt, man ist nicht zu 100 Prozent abgekoppelt vom Strommarkt und dadurch von den Börsenpreisen abhängig. Günstigere Tarife sind wettbewerbsrechtlich und gesellschaftsrechtlich nicht so einfach. Würde man rein mit dem Marktpreis die Tarife kalkulieren, käme man auf einen Arbeitspreis von rund 35 Cent, wenn der Lieferant innerhalb eines Jahres seine Energie beschafft hat. Wenn er über mehrere Jahre eingekauft hat, sinkt der Wert natürlich.

11,6 Cent kostet eine Kilowattstunde Strom bei der illwerke vkw AG in Vorarlberg, bei der Salzburg AG bald 32,4 Cent - wie ist das zu erklären? Es kommt auf die Beschlusslage innerhalb der vkw an. Vielleicht erwirtschaftet diese aus anderen Bereichen derart viele Erträge, dass sie sagen kann, für die Kundinnen und Kunden in Vorarlberg bieten wir günstigere Tarife an, bei denen die Gewinnmarge eine geringere ist. Wie intern die Beschlüsse der Eigentümer aussehen, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist - die Preise sind in Vorarlberg im Österreich-Vergleich sehr niedrig.

<Schriftwechsel14><strong>Johannes Mayer</strong> leitet die Abteilung Volkswirtschaft bei der Regulierungsbehörde E-Control. </Schriftwechsel14> SN/e-control/georg wilke
Johannes Mayer leitet die Abteilung Volkswirtschaft bei der Regulierungsbehörde E-Control.

Wieso führen die Energieversorger nicht überall sozialverträgliche Preise ein, sie gehören doch ohnehin großteils der öffentlichen Hand? Die Vorstände sind der Gewinnmaximierung verpflichtet. Diese wird von den Eigentümern erwartet und ist auch im Gesellschaftsrecht so festgelegt. Bleiben wir in Salzburg: Wenn das Management der Salzburg AG sagen würde, wir bieten Tarife deutlich unter dem Marktpreis an, müssten die Eigentümer Beschlüsse dafür fassen. Selbst wenn das Land und die Stadt das tun würden, wäre da immer noch die Energie AG als Miteigentümer, die sich Gewinne erwartet, da sie auch in die Salzburg AG investiert hat. Wie bereits erwähnt, hinzu kommen noch ein komplexes Gesellschaftsrecht und wettbewerbsrechtliche Bedenken.

Die Energieversorger produzieren doch billigen Strom, könnte man diesen nicht günstig weitergeben? Grundsätzlich wird auch die Eigenproduktion an der Börse verkauft. Außer jemand innerhalb des Unternehmens braucht die Energie und zahlt den Börsenpreis abzüglich ein paar Spesen vielleicht. Viele Menschen rufen mich an und sagen: "Wir haben eh so viele Windräder in unserer Gemeinde und trotzdem ist der Strom so teuer." - Ja , da die Preise am europäischen Markt entstehen und sich auch danach richten.

Das heißt, die Energieunternehmen handeln auch intern? Ja - Handel und Produktion auf der einen Seite und der Vertrieb an Endkunden auf der anderen Seite sind üblicherweise entweder getrennte Gesellschaften oder zumindest getrennte Profitcenter.

Ist es üblich, dass die Eigenproduktion auch am Markt verkauft wird? Ja - das ist der Regelfall. Das heißt, wenn ein oder zwei Jahre zuvor 85 Prozent der Sommerproduktion um 100 Euro verkauft wurden - im Sommer dann aber nur 75 Prozent produziert werden können, muss die Differenz von der Börse zu teureren Preisen zugekauft werden, um Lieferverpflichtungen zu erfüllen.

Am Donnerstag trat die Strompreisbremse in Kraft, es scheint, als würden einige Energieunternehmen gezielt die 40-Cent-Marke anpeilen, da 2900 kWh ohnehin vom Bund gefördert werden. Das ist etwas, was wir uns als E-Control genau ansehen werden. Wir werden auch publizieren, wenn uns da einzelne Unternehmen auffallen.

Kommt nun der nächste Schock und zu den hohen Arbeitspreisen kommen höhere Netzkosten? Diese werden ziemlich stark steigen, da auch die Netzverluste stark gestiegen sind (über eine Entlastung für Kunden wird aktuell auf politischer Ebene diskutiert, Anm.).

Zur Person
Johannes Mayer leitet die Abteilung Volkswirtschaft bei der Regulierungsbehörde E-Control.

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