Wirtschaft

Techniker hilft 12.000 Kilometer entfernt

Mit Datenbrillen können Palfinger-Mitarbeiter analysieren, was falsch läuft. Das ist nur der Beginn der Digitalisierung.

Ein Palfinger-Kran ist in Südamerika im Einsatz, irgendwo in der Einöde. Plötzlich funktioniert der Kran nicht mehr. Der Arbeiter setzt eine Brille auf und verbindet sich mit Köstendorf. Durch diese Brille kann der Salzburger Experte sehen, was der Arbeiter sieht. Er kann eine Diagnose erstellen und den Arbeiter anleiten. Der Palfinger-Mitarbeiter kann zudem den nächsten Servicepunkt ausfindig machen - und die richtigen Ersatzteile bestellen.

Das Projekt "Smart Eye" ist Teil der Digitalisierung des Industrieunternehmens. Wie eine Zwiebel sollen sich digitale Services um die Maschinen legen, um den Kunden Mehrwert zu bieten, sagt Philipp Smole. Der 43-jährige Kärntner ist seit eineinhalb Jahren Chef von Palfinger 21st, dem Inkubator der Salzburger Firma. Seinen Job erklärt der Physiker so: "Ich schaffe einen sicheren Rahmen für Start-ups. Wir wollen Neues entdecken - und Ideen bei Palfinger umsetzen." Der Kärntner arbeitet aber auch mit den internen Mitarbeitern. "Wir haben 11.000 schlaue Leute."

Vier Bereiche sollen digitalisiert werden. Zum einen die Produkte - damit eben Salzburger Experten helfen können, wenn ein Kran in Südamerika nicht mehr funktioniert. Auch Geschäftsprozesse und Produktion sollen zunehmend digital werden.

Eine vollautomatisierte Herstellung werde es indes nie geben, sagt Unternehmenssprecher Hannes Roither. "Wir automatisieren dort, wo es Sinn ergibt. Sie werden bei uns aber immer Arbeiter mit Schraubschlüssel in der Hand sehen." Nachdem jeder Kran andere Funktionen habe, sei Handarbeit sinnvoll.

Der vierte Bereich ist sowieso ständig im Umbau. Smole will neue digitale Geschäftsmodelle aufbauen. Seit Anfang des Jahres vermisst etwa eine Drohne Eisenbahn- und Straßenbrücken, auf Millimeter genau. Techniker erstellen dann einen sogenannten digitalen Zwilling: Dadurch können Experten sehen, wo sich Schäden befinden und wie gravierend diese sind. "Die Instandhaltungsgeräte können genau dort eingesetzt werden, wo es nötig ist", sagt Smole. 40.000 Straßenbrücken und 25.000 Eisenbahnbrücken müssen in Deutschland und Österreich regelmäßig überprüft werden - durch die Technologie sei man schneller.

Das Projekt "Strucinspect" sei eine Kooperation mit zwei Unternehmen, erklärt der Kärntner. Palfinger sei Experte für Brückeninstandhaltungsgeräte. "Aber wie wissen nicht, wie man Schadensfälle bewertet oder die Brücken genau vermisst." Deshalb arbeite man mit den Ziviltechnikern VCE und der Angst Group zusammen. "Einzeln kann man die Komplexität der Herausforderungen nicht mehr meistern", sagt der Physiker.

Was die Zukunft bringen soll? Bereits jetzt sei es schwierig, Kranfahrer zu finden, sagt Unternehmenssprecher Roither. Theoretisch sei es möglich, dass die Fahrer aber gar nicht mehr in der Nähe des Krans sein müssen. Es sei denkbar, dass wenige Mitarbeiter die Geräte vom Büro aus mit VR-Brillen steuern - überall auf der Welt. "Der limitierende Faktor dabei ist derzeit noch die Qualität der Brillen."

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