Wirtschaft

Tortenmacher bäckt mit Liebe

Die Qualität muss stimmen, dann zahlen die Kunden auch 3,60 Euro für ein Kuchenstück. Davon ist Tortenmacher Herbert Wagenleitner überzeugt.

15 Sachertorten gehen beim Tortenmacher an einem Sonntag schon einmal über die Theke. "Man könnte fast meinen, wir haben nichts anderes", sagt Herbert Wagenleitner, der die Traditionskonditorei 1997 nach seiner Rückkehr aus der "Weltgeschichte" pachtete und seither mit Herzblut führt. Jede Menge Liebe mit einzubacken nennt er sein Erfolgsrezept. An Rohzutaten kommt ihm nur das Beste aufs Backblech. Convenience-Produkte, Pulver oder Flüssigei verweigert er vehement. "Wir machen es so, wie wir es vor sehr, sehr langer Zeit gelernt haben." Freilich würde sich die Technik ändern, aber ihm sei wichtig, seinen Leuten das althergebrachte Handwerk zu übermitteln. Und ja: Man könne heute in 60 Sekunden ein Biskuit in der Mikrowelle zubereiten - aber wer will denn das? Wagenleitners Credo: "Die Qualität muss stimmen, dann ergibt sich der Rest."

Meint: Dann sind die Kunden auch bereit, 3,40 Euro (3,60 Euro im Café) pro Kuchenstück zu bezahlen. "So ist es", sagt der Chef, der zu seinen Preisen steht. "Millionär wirst du als Konditor sowieso keiner. Ich will aber, dass meine Mitarbeiter den entsprechenden Lohn bekommen und der Beruf des Konditors attraktiv bleibt", sagt Wagenleitner.

Sieben Mitarbeiter werken mit ihm in der Backstube. Vier weitere sind im Verkauf und Service beschäftigt, seine Frau Christina erledigt obendrein die Buchhaltung. Als das Paar übernahm, hieß der Betrieb noch "Konditorei Hess" (gegründet 1948), die Enkeltochter war Diabetikerin und zeigte kein Interesse daran.

Auch die jetzigen Pächter haben einen Sohn (24), der sich gegen den Beruf entschieden hat. "Die vielen Auflagen und Schikanen der Behörden haben ihm diese Möglichkeit vergällt", bringt es Wagenleitner auf den Punkt. Die Bürokratie treibe vor allem in jüngster Zeit üble Blüten, so der 57-Jährige. Er selbst denkt noch nicht ans Aufhören, würde sich aber freuen, mittelfristig eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger aufbauen zu können. Anders als früher ist der Beruf heute eher von Frauen dominiert. Wagenleitner macht gute Erfahrungen mit weiblichen Lehrlingen, vor allem solchen, die schon Matura haben. "Da läuft die Zusammenarbeit in aller Regel sehr gut." Drei sind durch diese Schule gegangen, zehn bis 15 Schnupperlehrlinge fragen im Schnitt jede Saison beim Tortenmacher an.

Der Beruf fordert. Neue Kreationen sind gefragt, wenngleich man beim Tortenmacher räumlich an die Kapazitäten stößt. Zwei Drittel der Kuchen gehen sonntags übrigens über die "Straße", ein Drittel wird gleich im Café verspeist. Marillenstreusel, Mango-Joghurt-Torte oder "Baci" - das ist ein Windgebäck mit Haselnüssen aus dem Piemont - sind im Übrigen fast genauso beliebt wie die Sachertorte.

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