Wirtschaft

Mit gesextem Samen gegen das Tierleid

Landwirt Christoph Rohrmoser sorgt mit gezielter, teurer Nachzucht seiner Tiere dafür, dass seinen Kälbern der Export erspart bleibt.

Seit 15 Jahren verwenden die Landwirte Christoph und Margarita Rohrmoser auf ihrem Hof in Großarl gesexten Samen für die Nachzucht ihrer Tiere. So nehmen sie in Kauf, dass die Kosten drei Mal so hoch sind wie bei herkömmlicher Besamung. Von Rohrmosers Kälbern geht so gut wie keines in den Export. Ein langer Transport in einem Lkw bis nach Spanien bleibt seinen Jungtieren erspart.

70 Kühe stehen im Stall von Christoph Rohrmoser, 17 davon sind Milchkühe, der Rest Aufzuchtkalbinnen für Milchbetriebe. Jährlich werden rund 35 Kälber auf Rohrmosers Hof geboren - jedes zweite Tier wäre per Naturgesetz ein männliches Kalb. Doch für diese gibt es in der heimischen Landwirtschaft kaum Verwendung. Sie kommen mit einem deutlich niedrigeren Geburtsgewicht auf die Welt - in der Regel sind das 30 bis 35 Kilogramm - und nehmen viel langsamer zu als Fleischrassen. Die wenigen Mastplätze in Ober- und Niederösterreich bekommen männliche Fleischrassekälber, die bei der Geburt 50 Kilogramm wiegen und schneller Fleisch ansetzen als milchbetonte Rassen.

Genau dort setzt Christoph Rohrmoser an. Er ist Landwirt und Besamungstechniker zugleich. Einen Teil seiner Milchkühe belegt er mit weiblichem gesexten Samen. Zu 85 Prozent ist das Ergebnis ein weibliches Kalb. Sie werden am Hof zu Kalbinnen aufgezogen - einige bleiben als Milchkühe im Betrieb, andere verkauft Rohrmoser an Milchbetriebe ohne eigene Aufzucht.

Den anderen Teil seiner Kühe belegt er mit dem Samen von fleischbetonten Rassen - mit dem Ziel, sie für die Kälbermast im Inland attraktiv zu machen. "Das funktioniert recht gut", sagt er. Eine Hilfe sei, dass einige Hoteliers in Großarl auf Kalbfleisch aus der Region setzten.

Obwohl der Preis für gesexten Samen mit 45 Euro pro Portion drei Mal so hoch sei wie für normalen Stiersamen, zahle sich der Einsatz aus. Denn: Für ein männliches Milchrassekalb erhalte er an der Kälberbörse (ab 60 Kilogramm Gewicht) "vielleicht 40 Euro", sagt Rohrmoser. Für ein männliches Kalb, das mit einer Fleischrasse gekreuzt worden sei, bekomme er 350 Euro - wenn es gut laufe.

Rohrmoser betreut als Besamungstechniker etwa 130 Betriebe im Großarltal. Er schätzt, dass etwa jeder dritte Milchbetrieb auf gesextes Sperma setzt. "Die Nachfrage ist in den vergangenen zehn Jahren irrsinnig gestiegen."

Eine Förderung für gesextes Sperma sieht er zwiespältig. "Dann heißt es wieder: Ihr Bauern kriegt ja eh so viel. Ich will eigentlich keine Förderung, ich will einen fairen Preis. Dazu brauchen wir den Konsumenten." Wenn der fordere, dass Kälber im Inland gemästet würden, dann "kann er das nicht zum Billigpreis im Supermarktregal haben".

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