Wirtschaft

Von der Weide zum Schlachter: Der Lungau setzt auf kurze Wege

Nach der Lungau-Milch beginnt in der Biosphärenpark-Region jetzt ein Projekt für Biofleisch. Eine Bauernfamilie in Lessach baut einen Schlachthof. Auch Jäger sollen ihr Wild anliefern können.

Hier in Lessach wird der neue Schlachtbetrieb entstehen. Matthäus und Roswitha Hönegger mit einer Projekt-Visualisierung des Architekturbüros. SN/burgi löcker
Hier in Lessach wird der neue Schlachtbetrieb entstehen. Matthäus und Roswitha Hönegger mit einer Projekt-Visualisierung des Architekturbüros.

Die Familie Hönegger in Lessach ist fest entschlossen, ihren alten Erbhof um einen modernen Bio-Schlachtbetrieb zu erweitern. Am Montag präsentierte sie ihr Vorhaben. "Dass es mit der Massenproduktion keine Zukunft gibt", hat Matthäus und Roswitha Hönegger zu dem mutigen Schritt bewogen. Man müsse auf Qualität setzen, wie bei der "reinen Lungau-Milch".

"Leider gibt es in unserer Region keinen zeitgemäßen Schlachtbetrieb. Das ist für uns Bauern ein sehr großer Nachteil. Lange Transportwege und zentrale überdimensionierte Schlachtstätten sind meiner Meinung nach für Biobauern nicht zeitgemäß", sagt der Bauherr.

Dass Konsumenten Fleisch direkt im engeren Umkreis kaufen können, scheitere oft daran, dass es keine Möglichkeiten zum Schlachten gebe, erklärt Sebastian Herzog, Landesobmann von Bio Austria. Aber bald könnten Biobauern ihre Tiere nach kurzen Transportwegen zur Lohnschlachtung und Veredelung anliefern oder direkt zu überdurchschnittlichen Preisen verkaufen.

Projektbetreiber Hönegger betont: "Es ist kein Prestigeprojekt. Ich möchte damit auch nicht reich werden, sondern das Ziel ist, dass Lungauer Bauern und Konsumenten davon profitieren und wir etwas schaffen, das mit gutem Gewissen an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Wir nehmen dafür sehr viel Geld in die Hand." Das Projekt müsse aufgehen. Finanziell sei es eine riesige Herausforderung. Das Risiko trage die Familie, "aber wenn es gute Unterstützung gibt und alle zusammenhelfen, profitieren alle." 600.000 Euro sollen in den von Architekt Josef Ernst geplanten Schlachthof investiert werden. Es ist ein EU-Leader-Projekt. Förderungen wurden beantragt.

Die Initiatoren streichen das Tierwohl besonders hervor. Anders als in großen Schlachthöfen könnten die Tiere hier bestens versorgt werden, "das schlägt sich auch auf die Fleischqualität nieder", sagt Metzgermeister Hermann Kerschhaggl, der das Team leiten wird. Die Tiere werden vor der Schlachtung auf der Weide warten können.

Die Projektbetreiber zeigen sich überrascht, dass die Nachfrage nach Lungauer Biofleisch vor allem außerhalb des Bezirks groß sei. Deshalb werden eigene Produkte auf den Markt gebracht, wie eine Jausenwurst und Bio-Burger. Die Fleischlaibchen für die Burger werden direkt am Hof produziert. Die Produktion der Jausenwurst übernimmt als Projektpartner die Fleischerei Urban aus St. Johann im Pongau. Urban wird außerdem in St. Michael ein Geschäft mit Imbiss eröffnen, in dem das Fleisch ebenfalls verarbeitet und verkauft wird. Vielversprechende Kontakte gibt es auch mit der Gastronomie. Und in Lessach selbst freut sich Bürgermeister Peter Perner (ÖVP) auf immerhin vier Arbeitsplätze.

Auch Jäger könnten ihr Wild anliefern und entweder direkt verkaufen oder für den Eigengebrauch veredeln lassen.

Neuer Schlachthof am alten Erbhof

Der Tromörthof der Familie Hönegger in Lessach ist ein Erbhof (seit dem Jahr 1571). Der Hof liegt auf 1260 Meter Seehöhe. Es gibt 46 Stück Vieh, davon 18 Milchkühe. Seit mehr als 25 Jahren wirtschaftet der Betrieb biologisch.. Seit 22 Jahren ist er Mitglied des Verbandes Bio Austria. Neben der Produktion für die "Reine-Lungau-Milch" werden Pferde und Bio-Mangalitza-Schweine gehalten sowie Ferienwohnungen vermietet.
Der Schlachtraum ist für Rind, Schaf, Schwein und Wild geplant. Außerdem wird der Betrieb einen kleinen Verkaufsraum samt Büro, zwei Verarbeitungswerkstätten, Lagerräume und drei Kühlhäuser umfassen. Ab Mai soll auf rund 280 Quadratmetern einer der modernsten Schlachthöfe Österreichs entstehen.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 06:16 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/von-der-weide-zum-schlachter-der-lungau-setzt-auf-kurze-wege-26758426

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