Wirtschaft

Wände sind wie die zweite Haut

SN-Thema: 3. Wohnbaudialog. Beim Sanieren geht der Trend zu nachhaltigen Materialien. Der Wohlfühlfaktor in den eigenen vier Wänden dürfe nicht vernachlässigt werden.



Menschen mit Karies fürchten sich vor dem Bohrer des Zahnarztes. Menschen, die in Altbauten leben, fürchten sich vor der Fantasie der Architekten. Diesen Eindruck schildert der renommierte Architekt Walter Unterrainer, ein gebürtiger Tiroler, der an der Universität Aarhus in Dänemark einen Lehrstuhl für nachhaltige Architektur innehat.

Beim 3. Wohnbaudialog, veranstaltet von der Initiative Architektur, der Salzburg Wohnbau und den SN, beschrieb Unterrainer seine Erfahrungen. Er sanierte im bayerischen Amberg ein Wohnquartier aus den 1960er-Jahren. "Die Bewohner waren im Schnitt 62 Jahre alt und sie hatten Angst vor meiner Berufsgruppe. Das war für mich sehr verständlich", sagt Unterrainer. Die Menschen hätten um ihr lieb gewonnenes Wohnflair gebangt, der Tenor sei gewesen: "Wir brauchen nichts." Eine große Herausforderung, schildert der Architekt: "Eine Bedingung war, dass 90 Prozent der Eigentümer zustimmen." Gleichzeitig sollten Energiewerte und Heizkosten sinken.

Das Vorhaben gelang und wurde nach den Plänen von Unterrainer gebaut. Er wollte damit verdeutlichen: "Sanieren braucht immer eine gesamtheitliche Lösung." Derzeit gebe es nur einen Trend zum Addieren: Auf einen Altbau werde eine Schicht Styropor aufgebracht und verputzt. Auch Passivhäuser, in denen alles computergesteuert ablaufe, seien nicht das Gelbe vom Ei: "Die Leute sollen kein Informatikstudium brauchen, um das Licht einschalten zu können", formulierte er plakativ.

Diese Einschätzung wurde vom Publikum geteilt. Architekt Wladimir Denz sagte, man dürfe nicht aus den Augen verlieren, wie es den Menschen in einem Gebäude geht: "Die Wände des Hauses sind die zweite Haut des Menschen."

Andere widersprachen, zum Beispiel Clemens Demacsek, Geschäftsführer der Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum. Er brach eine Lanze für Schaumstoffplatten als Dämmstoff: "Ich weiß nicht, woher der schlechte Ruf dieses Baustoffes kommt. Er ist deutlich günstiger als andere, weil er zu einem Großteil aus Luft besteht."

Auch die computergesteuerten Lüftungen hatten ihre Fürsprecher: "Man hört immer, dass ein Haus atmen muss. Aber ein Haus atmet durchs Lüften und nie durch die Wände", sagte Alfred Pichsenmeister von der Firma Siblik GmbH.

Für das Sanieren mit naturnahen Materialien spricht auch die neue Wohnbauförderung, die ab 1. April 2015 gelten soll. Für ökologische Baustoffe wie Holz gebe es künftig mehr Zuschlagpunkte, sagte Wohnbaulandesrat Hans Mayr (Team Stronach). "Ökologische Baustoffe werden bevorzugt und der Innovation soll Raum gegeben werden." Als Anreiz solle es bei der Gebäude-Außenhaut 15 bis 20 Prozent nicht rückzahlbare Direktförderung geben.

3. Wohnbaudialog im SN-Saal Energieeffizientes Bauen im Fokus

Das Thema des 3. Wohnbaudialogs lag auf der Hand: Die Grundpreise steigen - Sanieren und Renovieren liegen im Trend.

Die "Salzburger Nachrichten" luden namhafte Experten ein, die auf dem Podium diskutierten. Unten (v. l.) Chefredakteur und Moderator Manfred Perterer, Michael Thalmeier (Initiative Architektur), Roland Wernik (Geschäftsführer Salzburg Wohnbau), Wohnbaulandesrat Hans Mayr (Team Stronach), Architekt Walter Unterrainer, Roland Höllbacher (Initiative Architektur) und Alfred Pichsenmeister (Siblik Elektrik GmbH).

Aufgerufen am 16.11.2018 um 09:32 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/waende-sind-wie-die-zweite-haut-3081505

Schlagzeilen