Wirtschaft

Warum Frauen in der Technik arbeiten wollen

Technikerinnen sind in der Minderheit. Die SN haben mit drei Frauen gesprochen, die sich dennoch umschulen ließen. Was sie erlebt haben - und was sie ihrem jüngeren Ich raten würden.

Der Entschluss, den Beruf zu wechseln, kam bei Kristin Peter plötzlich. SN/privat
Der Entschluss, den Beruf zu wechseln, kam bei Kristin Peter plötzlich.

Sie hat zwei große Leidenschaften, sagt Heidemarie Zöchling. Sie liebt es, durch den Wald zu spazieren. Und sie liebt es, den Wald in Geländemodellen darzustellen.

Die 44-Jährige machte ursprünglich die Ausbildung als Försterin, heute arbeitet sie als Vermessungstechnikerin und Geoinformatikerin für das Land Niederösterreich. Dazwischen liegt ein weiter Weg, viele Jahre der Neugierde und des Fragens. "Mir haben als Mädchen die Vorbilder gefehlt. Frauen, die mir einen anderen Weg hätten zeigen können. Und auch heute bin ich noch eine Pionierin in der Technik", sagt Zöchling.

Technikerinnen sind auch 2018 noch klar in der Minderheit: In der Sparte Ingenieurstechnik und ähnliche Fachkräfte führt die Statistik Austria 183.000 Männer - und nur 19.000 Frauen.

Warum hat Zöchling auf Technik umgeschult? Nach der Matura - mit Auszeichnung - an der Höheren Lehranstalt für Forstwirtschaft hatte sie keine Chance als Försterin zu arbeiten. "Es wurde viel automatisiert und Personal abgebaut", sagt sie. Das störte sie aber nicht. Denn damals war etwas Interessantes im Gange. Überall standen plötzlich Computer, Handys tauchten auf und mit ihnen: Daten. "Die Digitalisierung war damals noch in den Kinderschuhen. Und ich war total fasziniert." Zöchling zog nach Salzburg, um Geoinformatik zu studieren.

Heidemarie Zöchling: „Durch Daten bin ich mit der ganzen Welt verbunden.“ SN/privat/foto-duerr
Heidemarie Zöchling: „Durch Daten bin ich mit der ganzen Welt verbunden.“

2005 hat sie das Master-Studium abgeschlossen. Daten begeistern die Niederösterreicherin jeden Tag. "Durch sie bin ich mit der ganzen Welt verbunden, kann über meinen Horizont schauen und tolle Analysen machen." Sie vergleiche etwa die durchschnittliche Gebäudehöhe in New York mit Wien oder überprüfe, wie trocken die Wälder in Skandinavien sind. "Es ist so spannend. Und ich kann das alles von meinem Wohnzimmer aus machen", sagt Zöchling.

Bitcoins und Blockchain

Die 44-Jährige bildet sich nach wie vor weiter. Jedes Jahr besucht sie Kurse der ditact in Salzburg. Die Veranstaltungsreihe findet jeden Sommer statt und richtet sich an IT-interessierte Frauen. Heuer hat sich Zöchling für Bitcoins und Blockchain angemeldet. "Das ist gerade im Kommen. Ich möchte wissen, was das genau ist."

Die ditact ist nicht das einzige Programm, das Technikerinnen ausbildet. Das AMS will seit 2006 Frauen in die Technik führen: Bei der Initiative FiT beginnen weibliche Erwachsene eine technische Lehre, das AMS zahlt die Differenz zum Hilfsarbeitsgehalt. 2017 haben 1233 Österreicherinnen mit einer technischen Lehre begonnen, in Salzburg waren es 75.

Kristin Peter ist eine der Teilnehmerinnen am FiT-Programm. Die 29-jährige Oberndorferin war zuvor in einer Landwirtschaft beschäftigt, hat gemeinsam mit Schülern Brot gebacken und gekäst, hat Gästezimmer gereinigt, Behindertengruppen betreut und half auch im Stall mit. "Der Entschluss kam plötzlich: Ich will etwas mit Motoren machen. Und schon bin ich im FiT-Kurs gesessen", sagt die 29-Jährige.

Seit zwei Jahren macht sie nun eine Lehre als Mechatronikerin. "Ich mag die Herausforderung. Ich will der Welt und den Männern zeigen, dass Frauen genauso gut in der Technik sind. Wenn nicht besser." An ihrer Lehre mag sie, dass es abwechslungsreich ist. Mal zerlegt sie einen Motor, mal berät sie einen Kunden, mal repariert sie Rasenmäher. Derzeit verkabelt sie meist Notstromaggregate.

Warum sie nicht schon mit 15 die Lehre begonnen hat? "Ich habe damals nicht gewusst, dass es den Beruf gibt. Und wo meine Eltern wohnten, gab es keine entsprechende Firma." Was würde sie ihrem jüngeren Ich raten, das in derselben Situation ist? "Verwirkliche deine Träume, auch wenn es anstrengend ist. Die Freundschaften, die dabei entstehen, sind unbezahlbar."

Es braucht Mut, die Richtung zu wechseln

Wenn Probleme, Schwierigkeiten, Zweifel aufkommen, wenden sich viele Frauen an Andrea Huemer von der Organisation Frau und Arbeit. Huemer kann deshalb davon berichten, was Österreicherinnen von der Technik fernhält. "Viele sagen, sie waren damals noch nicht reif genug. Sie haben gemacht, was ihre Freundinnen, Mütter, Tanten ihnen vorleben." Es brauche Mut, nach zahlreichen Arbeitsjahren nochmals die Richtung zu wechseln und etwa ins FiT-Programm einzusteigen.

Wenn sie es wagen, haben die Frauen ähnliche Problem wie überall: fehlende Kinderbetreuung, rauer Umgangston, viel Stress, finanzielle Engpässe - trotz der Unterstützung des AMS. Zumindest Letzteres ändert sich nach der Ausbildung: Egal ob Studium oder Lehre - Techniker werden besser bezahlt als Personen mit vergleichbaren Abschlüsse.

Michaela Trierweiler rät Frauen, technische Berufe zu wählen. Technik sei zwar nicht immer einfach, sagt die 44-Jährige. „Aber es lohnt sich, durchzuhalten.“ SN/privat
Michaela Trierweiler rät Frauen, technische Berufe zu wählen. Technik sei zwar nicht immer einfach, sagt die 44-Jährige. „Aber es lohnt sich, durchzuhalten.“

Michaela Trierweiler würde jeder Frau raten, einen technischen Beruf zu ergreifen "wenn sie Spaß daran haben." Trierweiler selbst hat Betriebswirtschaft studiert. "In die technische Schiene bin ich reingerutscht." Sie hat im Marketing gearbeitet und immer mehr Projekte im E-Commerce übernommen. Die 44-Jährige hat daraufhin beschlossen, nochmals zu inskribieren: Derzeit schreibt sie ihre Master-Arbeit in Wirtschaftsinformatik. "In den vergangenen zwei Jahren hat sich vor allem meine Methodenkompetenz verbessert", sagt sie und meint damit, dass sie völlig neue Problemstellungen in einem Unternehmen besser lösen kann. Technik sei zwar nicht immer einfach, sagt Trierweiler. "Aber es lohnt sich, durchzuhalten."

Aufgerufen am 18.10.2018 um 09:26 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/warum-frauen-in-der-technik-arbeiten-wollen-39021763

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