Wirtschaft

Warum Maturanten eine Lehre beginnen

Seit 2019 können Maturanten die duale Akademie besuchen: Dabei erhalten sie in verkürzter Zeit einen Lehrabschluss. Warum sich ein 19-Jähriger für den Weg entschieden hat.

Geografie hat Jan Eckschlager bereits in der Schule interessiert: das Straßennetz, die Infrastruktur, wie Waren vom Land A nach Land B kommen. Nach der AHS-Matura hat der 19-Jährige aus Puch sich für die duale Akademie und eine Lehre als Speditionskaufmann entschieden: Seit September arbeitet er bei Lagermax in Salzburg. "Ich bin nicht so der Typ fürs Studium. Ich wollte gleich in das Berufsleben einsteigen - auch weil das Gehalt attraktiv ist."

Die duale Akademie ist eine Ausbildung, die sich speziell an Maturanten richtet. Nach einer verkürzten Lehrzeit von eineinhalb bis zweieinhalb Jahren erhalten die Absolventen den Lehrabschluss und auch ein Diplom: "Das Diplom zeigt, dass sie Zusatzqualifikationen wie soziale Kompetenzen, Fremdsprachen oder digitale Kompetenz erworben haben", sagt Gabriele Tischler, die in der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS) für den Bildungsbereich zuständig ist. Derzeit werden Jobs in Großhandel, Spedition und Mechatronik angeboten. Ab Herbst wird das Portfolio um Kfz-Technik, Coding, Bankkauffrau und -mann sowie Einzelhandel erweitert. Während der Ausbildung erhalten die Personen den Mindestlohn laut Kollektivvertrag, der höher ist als die Lehrlingsentschädigung - bei Mechatronik etwa 1500 Euro brutto.

Eckschlager hat zuvor das Gymnasium in Hallein besucht, sechs Monate gearbeitet und war beim Bundesheer. "Ich war nicht sicher, was ich machen will. Ich habe mir aber gedacht, mit der Matura habe ich etwas geschafft - bevor ich sinnlos hin- und herwechsle."

Beim Karriere-Check nach seinem Abschluss hat der 19-Jährige erkannt, wo seine Stärken liegen: "Ich bin sehr gut in der Organisation, in Geografie, habe ein gutes Selbstbewusstsein und arbeite gern mit Leuten." All das seien Fähigkeiten, die in der Lehre als Speditionskaufmann wichtig seien: "Das passt gut zusammen."

Der Karriere-Check wird im Bundesland Salzburg für Maturanten angeboten, speziell für AHS-Schüler. Pro Jahrgang seien es 1400 Personen, die sich kostenlos auf Fähigkeiten und Potenziale testen ließen, heißt es von der Wirtschaftskammer Salzburg. Es sei wichtig, nach einer AHS-Matura noch eine Ausbildung zu machen. Das Risiko, arbeitslos zu werden, sei mit dem Abschluss eines Gymnasiums höher als bei anderen Ausbildungsformen.

"Beim Karriere-Check handelt es sich um eine völlig neu zusammengestellte Teststrecke, die speziell auf Maturanten abgestimmt ist", sagt WKS-Präsident Manfred Rosenstatter. Ein Schwerpunkt bei dem Check sei die Persönlichkeit.

Neu sei auch ein adaptives Testverfahren. "Das bedeutet, dass sich das System an das Leistungsvermögen des Maturanten während des Checks anpasst. Damit kann zum einen die Messgenauigkeit erhöht und zum anderen die Motivation der Schüler aufrechterhalten werden" sagt Lukas Mang, Leiter des Talente-Checks.

85 Prozent der AHS-Absolventen würden studieren, sagt Tischler. Nur 60 Prozent der aus der AHS kommenden Studentinnen und 65 Prozent der Studenten waren sich vor dem Studienbeginn wirklich sicher, das richtige Studium gewählt zu haben. Viele seien von dem Angebot überfordert: In Österreich gibt es 3600 Studiengänge. Umorientieren koste Zeit, sagt Tischler. "Schnell verliert man so ein bis zwei Jahre, in der Zeit hätte man schon den Lehrabschluss." Nach der Lehre könne man sich in der Firma weiterentwickeln oder doch noch studieren. "Wer vier Jahre arbeitet, erhält ein Selbsterhalterstipendium - die Zeit der dualen Akademie zählt da dazu."

In Deutschland ist eine Lehre nach dem Abitur weit verbreitet: Bis zu einem Viertel eines Jahrgangs wählt diesen Weg. Tischler nennt hierfür zwei Gründe. Zum einen sei der Zugang zu Hochschulen wegen des Numerus Clausus schwieriger. Und es gebe das berufsbildende Schulwesen nicht. "Bei uns werden die Schüler in HAK, HTL, Modeschule sehr gut ausgebildet."

Derzeit absolvieren 40 Personen die duale Akademie, wenn man die Teilnehmer der Tourismusakademie Bischofshofen mitrechnet. Bei der Diplomakademie Tourismus schließt man nach zwei Jahren die Lehre in Küche, Service, Hotel ab. "Es ist noch kein Gassenhauer - aber das wird schon", sagt Tischler. Für die Ausbildung seien eigene Berufsschulklassen eingerichtet worden. Der Unterricht sei komprimierter, da Deutsch, Mathematik, Englisch angerechnet würden. Zudem seien die Maturanten so unter sich.

In eineinhalb Jahren ist Eckschlager mit seiner Lehre fertig. Dann will er in der Firma Fuß fassen. "Was mich aber auch interessieren würde, ist ein berufsbegleitendes Studium. Betriebswirtschaft zum Beispiel."

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 21.01.2021 um 07:19 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/warum-maturanten-eine-lehre-beginnen-84262096

Benjamin Schmid zündet ein Feuerwerk

Benjamin Schmid zündet ein Feuerwerk

In Zeiten der Ausgangssperre kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen. Die Familie Schmid behilft sich mit dem wirksamen Hausmittel der Hausmusik: "Wir können mit den vier Kindern im Lockdown …

Kommentare

Schlagzeilen