Wirtschaft

Weihnachten ohne Amazon

Nicht die globalen Online-Shop-Giganten finanzieren die österreichische Infrastruktur, sondern die heimische Wirtschaft: SBS-Geschäftsführer Klaus Horvat-Unterdorfer im PN-Gespräch.

SBS-Geschäftsführer Klaus Horvat-Unterdorfer. SN/sw/sbs
SBS-Geschäftsführer Klaus Horvat-Unterdorfer.

Die internationalen Online-Händler versuchen nun auch noch, das Weihnachtsgeschäft an sich zu reißen, und bedrohen damit die Existenz der covidgebeutelten regionalen Händler, sagt Klaus Horvat-Unterdorfer. Im SBS-Verbund sind 249 Betriebe, die über 8000 Mitarbeiter beschäftigen, organisiert.



Redaktion: Wie überstehen die Händler den aktuellen Lockdown?
Horvat-Unterdorfer: Die Situation ist schwierig, aber das ist sie nicht erst seit dem aktuellen Lockdown. Es begann ja schon im März. Damals musste von einem Tag auf den anderen zugesperrt werden. Das kam also völlig überraschend. Diesmal haben wir schon seit September befürchtet, dass ein neuer Lockdown notwendig werden könnte. Leider hat sich das bewahrheitet. Obwohl wir uns also darauf vorbereiten konnten, ist die Situation diesmal dennoch ernster.


Könnten Sie das näher erläutern?
Nun, der März und April sind für den Handel zwar wichtig, aber doch nicht die umsatzstärkste Zeit. Ein wenig spielt da das Ostergeschäft mit hinein, aber dies ist vom Volumen und vom Umsatz her überhaupt nicht mit dem Weihnachtsgeschäft vergleichbar. Da geht es um ganz andere Summen. Mit dem Geld, das im November und Dezember erwirtschaftet wird, bezahlen die Unternehmer die Gehälter ihrer Mitarbeiter in der nicht so umsatzstarken Zeit. Im Frühjahr hatten die meisten Betriebe noch gewisse Rücklagen, die sind jetzt bei einigen aufgebraucht. Jetzt muss das Geld erwirtschaftet werden, das in den nächsten Monaten gebraucht wird.



Dies ist unter den derzeitigen Umständen wohl nur sehr eingeschränkt möglich?

Das stimmt natürlich. Obwohl unsere Gastro und unsere Händler sehr viel aus dem 1. Lockdown gelernt haben. Es gibt sehr viele kreative und kundenfreundliche Angebote unserer Wirte und Händler. In der Gastronomie gibt es Take-away- und Zustellangebote, die sehr gut angenommen werden. Die Backhendl-Tage beim Brückenwirt haben beispielsweise voll eingeschlagen. Auch die Händler bieten ausgezeichnetes Service, das vom Kunden honoriert wird, etwa wenn der Elektrohändler die großen Flatscreens ins Haus bringt. Innovativ und extrem kundenfreundlich ist auch die "Adelsberger-Box". Die Kunden können auf der Händler-Website einen Fragebogen mit ihren Stylingvorstellungen ausfüllen, das Team stellt eine Box zusammen, diese wird direkt nach Hause zugestellt. Der Kunde behält nur das, was ihm gefällt, der Rest wird zurückgeschickt, Kosten für Versand und Retouren entstehen nicht.


Konzepte, wie man sie von den globalen Online-Händlern auch kennt ...?
Ja, aber mit einem großen Unterschied: Unsere regionalen Betriebe sorgen für Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort. Unser Betriebe zahlen Steuern in Österreich und finanzieren damit unser Sozial- und Gesundheitssystem. Amazon, Zalando und Co. und die anderen Heuschrecken - ich benutzte dieses Wort bewusst - tun das nicht. Amazon finanziert kein einziges Intensivbett in unseren Spitälern, die Online-Giganten leisten nichts für unsere Infrastruktur und für unser Wohlfahrtssystem. Sie zahlen keine Steuern in Österreich, sie leisten nichts für unser Land.


Starke Worte ...

Starke Worte, die völlig ihre Berechtigung haben. Und die größte Sauerei ist, dass sich die globalen Online-Händler nun auch noch das Weihnachtsgeschäft schnappen wollen, und das in diesem extrem schwierigen Jahr, in dem ein gutes Weihnachtsgeschäft für den regionalen Handel eine Überlebensfrage ist. Das ist unfair, das ist unredlich. Wenn ein Kunde hier ein vermeintliches Schnäppchen zu entdecken glaubt, ist das kurzsichtig. Es untergräbt unser Wirtschaftssystem und das gute Leben von uns allen.


Ihr dringender Appell ist also, nur das Online-Angebot von regionalen Händlern zu nutzen bzw. direkt in den Geschäften einzukaufen. Mit 7. Dezember soll dies ja wieder möglich sein.

Nach derzeitigem Stand werden die Geschäfte mit Montag wieder öffnen. Unsere Betriebe stehen bereit, alles ist vorbereitet. Es gibt umfassende Hygienekonzepte, alle Covid-Maßgaben werden erfüllt, wir haben viel vom ersten Lockdown gelernt. Deshalb nochmals mein Aufruf: Wer das perfekte Weihnachtsgeschenk sucht und gleichzeitig unser Gemeinwohl im Blick hat, soll bei unseren regionalen Händler einkaufen und sein Geld nicht bei gesichtslosen globalen Konzernen ohne jegliche soziale Verantwortung ausgeben.


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