Wirtschaft

Weniger Flüchtlinge, mehr Stau: Schaden kritisiert verschärfte Grenzkontrollen

Kontrollieren bald Polizisten Tag und Nacht die Grenze zu Deutschland? Während der Handel Staus fürchtet, sorgt sich der Tourismus nicht.

Weniger Flüchtlinge, mehr Stau: Schaden kritisiert verschärfte Grenzkontrollen SN/Marco Riebler
Deutschland verstärkt die Grenzkontrollen.

Ab 15. Dezember müssen Autofahrer mit längeren Staus rechnen: Deutschland kontrolliert an den Grenzübergängen Suben (A8 Innkreisautobahn), Kufstein-Kiefersfelden (A12 Inntalautobahn) und dem Walserberg (A1 Westautobahn) stichprobenartig die Reisenden - und zwar 24 Stunden, an sieben Tage die Woche. Selbst wer in der Nacht fährt, muss mit Behinderungen rechnen. Bayrische Bereitschaftspolizisten unterstützen die Bundespolizei dabei. Der bayrische Innenminister will durch die verstärkten Kontrollen "den Zustrom von illegaler Einreise weiter reduzieren und Deutschland noch sicherer zu machen."

Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) zeigt sich von der Ankündigung nicht erfreut. Vor den Weihnachtsfeiertagen und vor der Skisaison seien Staus programmiert. Durch Umgehungsverkehr würden auch kleinere Übergänge überlastet, wie jener zwischen Salzburg und Freilassing. "Das belastet die Bevölkerung und die Wirtschaft massiv und widerspricht dem guten nachbarschaftlichen Klima zwischen Salzburg und Bayern." Schaden verstehe zudem nicht, warum das sinnvoll sein solle: "Aktuell ist keine Zunahme des Flüchtlingsstroms feststellbar, die Konzentration auf die drei großen Grenzübergänge ist wohl eher symbolträchtig mit Blick auf die bayrische Innenpolitik." Schlepper würden zudem leicht andere Routen finden.

Schleichwege helfen kaum

Die Asfinag weist indes auf die zusätzlichen 50 Webcams aus Südbayern hin, die auch in Echtzeit über den Reisezeitverlust informieren würden. Sicherheitsexperte Bernhard Lauter empfiehlt, auf Staus vorbereitet zu sein. "Wir informieren Autofahrer frühzeitig auf Überkopfwegweiser, über Verkehrsradio und die Asfinag-App." Dem Stau auszuweichen, sei schwierig. Schleichwege seien kaum eine Lösung: "Die Autobahnen bleiben die Verbindungen mit der größten Kapazität."

Der Salzburger Handel befürchtet Umsatzeinbrüche durch die Kontrollen. Johann Höflmaier, Handels-Spartengeschäftsführer in der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS): "Es sind Auswirkungen auf den Kundenstrom zu befürchten, das haben wir in der Vergangenheit schon gesehen". Die Kontrollen würden in die Vorweihnachtszeit fallen, die Geschäfte seien durch Staus schwerer zu erreichen. Das sei schlecht für den Handel.

Rekordsommer trotz Kontrollen

Leo Bauernberger, der Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismus GmbH, gibt sich indes gelassen. Diesen Sommer sei zeitweise kontrolliert worden - mit kaum Auswirkungen: "Wir hatten heuer einen Rekordsommer mit einem Nächtigungsplus von acht Prozent, und der deutsche Markt ist überproportional gewachsen." Die Kontrollen wären unangenehm, die Gäste würden aber mehr Zeit für die An- und Abreise einplanen.

Helmut Eymannsberger ist bei der WKS für Standortpolitik zuständig. Er weist darauf hin, dass nicht nur Pkws im Stau stehen: "2015 hatten die Salzburger Frächter 2,2 Millionen Euro Kosten durch die Staus." Touren innerhalb eines Tages seien kaum durchführbar gewesen, ein zweiter Fahrer sei oft nötig. Die Grenzkontrollen seien zudem schwer planbar, was die getakteten Produktionsabläufe durcheinanderbringe - auch in Bayern. Eymannsberger hat für die Kontrollen wenig Verständnis: "Europa ist darauf ausgerichtet, dass die Grenzen weniger werden."


Quelle: SN

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