Wirtschaft

Wie Technik älteren Menschen das Leben erleichtert

Eine Herdplatte, die sich selbst abdreht. Ein Tablet, das an Medikamente oder Spaziergänge erinnert. Und eine Technologie, die diese Werkzeuge einfach für ältere Menschen zusammenführt - das kann "ZentrAAL".

Wie Technik älteren Menschen das Leben erleichtert SN/michaela hessenberger

Im Techno-Z in Salzburg-Itzling steht sie, die "ZentrAAL"-Testwohnung. Sie lädt ein, Haustechnik für selbstbestimmtes Altern zu besichtigen. Ziel des bis Ende 2017 laufende Forschungsprojekt "ZentrAAL" ist, innovative und leicht nachrüstbare Hilfsmittel zur Unterstützung eines selbstbestimmten Wohnens im Alter in den eigenen vier Wänden zu entwickeln. In der Pilotregion von St. Johann bis Bergheim, sind acht "Betreutes Wohnen"-Einrichtungen des Salzburger Hilfswerks für 60 Personen im Alter von 60 und 79 Jahren mit dieser "ZentrAAL"-Technologie ausgestattet. Das Projekt wird von Salzburg Research begleitet und insgesamt 15 Monate lang durchgeführt.

Zur Grundausstattung der 60 älteren Frauen und Männer zählt auch eine Smartwatch. Sie zeichnet körperliche Aktivitäten samt Puls auf, Schrittzähler und GPS helfen dabei. Außerdem liefert sie Erinnerungen wie beispielsweise für die Medikamenteneinnahme. Besonderes Extra: ein Notfallknopf. Dazu bekommen die Probanden einen Tablet-Computer. Darauf können persönliche Termine wie etwa Arzttermine oder Veranstaltungen verwaltet werden. Das Tablet versorgt die Anwender darüber hinaus regelmäßig mit Anleitungen zu verschiedenen Fitnessübungen, die anhand von Videos erklärt werden. Auch Spiele - Solitär zum Beispiel - dürfen nicht fehlen.

Für die Forscher beinhaltet altersgerechtes Wohnung, dass man mittels elektronischem Türspion sogar von der Couch aus am Tablet sehen kann, wer vor der Wohnungstür steht. Über den kleinen Computer kann man im Sitzen, wie über eine Gegensprechanlage, mit dem Besuch kommunizieren.

Herdabschaltung schützt vor Brandgefahr

Eine Herdüberwachung mit eingebauten Sensoren am Dunstabzug ist in den "ZentrAAL"-Wohnungen dafür zuständig, dass sich der Herd nach einer gewissen Zeit ohne Verwendung von selbst ausschaltet.

All dies kann über das mobile und stationäre Tablet eingesehen und überwacht werden. Zwischenstecker bei viel genutzten Geräten wie etwa der Kaffeemaschine messen den Stromverbrauch, um den automatischen Notruf zu alarmieren, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg keine Aktivität passiert. Funklichtschalter ermöglichen, dass man den mobilen Lichtschalter dort befestigen kann, wo man ihn gern hätte, beispielsweise am Rollator.

Ganz ohne Kontakt zu "echten Menschen" gehe es allerdings nicht, sagt Hilfswerk-Geschäftsführer Hermann Hagleitner. Das technologische System soll auch der Stärkung der Gemeinschaft dienen und auf Veranstaltungen aufmerksam machen, um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten oder zu knüpfen. Wie das in der Praxis aussehen kann? Benutzer können sich auch direkt mit Nachbarn vernetzen und austauschen - und wenn es nur darum geht, um einen Liter Milch zu bitten.

Hilfswerk-Chef weist auf steigende Seniorenzahlen hin

Im Jahr 2030 werden rund 2,2 Millionen Österreicherinnen und Österreicher, davon 44.500 Salzburger, über 65 Jahre alt sein. Das entspricht einer Zunahme von 43 Prozent. Rund dreißig Prozent von ihnen werden in Salzburg auf professionelle Unterstützung angewiesen sein. Angesichts dessen liegt dem Hilfswerk als größtem Anbieter sozialer Dienstleistungen im Bundesland eine Entlastung der Pflegekräfte am Herzen.

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Während Technik echtes menschliches Einfühlungsvermögen nicht ersetzen kann, kann es immerhin für ein gutes Sicherheitsgefühl sorgen. Das sei für jene wichtig, die am liebsten zu Hause alt werden wollen, sagt Hagleitner. Er betont in Bezug auf diese neuen Technologien das Motto "Keep it simple": Innovationen sollen eine einfache Handhabung gewährleisten.

Ein weiterer "ZentrAAL"-Projektpartner, die Salzburg Wohnbau GmbH ist bestrebt, ihre Wohnungen so aufzubauen, dass sie mit altersgerechter Technologie leicht nachrüstbar und vor allem leistbar sind. Das erklärt Bernhard Kaiser und fügt hinzu: "Wir verwalten 27.500 Wohneinheiten, betreubares Wohnen nimmt einen immer größer werdenden Teil ein." Das Gros dieser Wohnungen seien Single-Haushalte, sagt er. Diese seien meist 50 bis 65 Quadratmeter groß.

Mit WLAN zum Vorsorgepaket

Was es braucht, um "ZentrAAL" zu verwenden? Ein Paket mit den einzelnen Komponenten - von Tablet bis Herdabschaltung - kostet im Einzelhandel zwischen 3000 und 4000 Euro. Eine Internetanbindung ist die Voraussetzung.

Cornelia Schneider von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft ist die Koordinatorin des Projekte. Sie erklärt, dass schon jüngere Menschen den Umgang mit Tablets üben können, um im Alter gerüstet zu sein.

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Quelle: SN

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