Wirtschaft

Zahl der Insolvenzen in Salzburg sank stark - coronabedingt

Von Jänner bis September sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Salzburg von 298 auf 173. Eine Begründung sind die Hilfen für die Betriebe - etwa die Stundung von Zahlungszielen. Die Gläubigerschützer vom KSV rechnen für kommendes Jahr mit einem "namhaften Anstieg" der Insolvenzen.

KSV-Expertin Aliki Bellou: Die Zahl der Insolvenzen ist deutlich gesunken. Aber: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“  SN/ksv1870
KSV-Expertin Aliki Bellou: Die Zahl der Insolvenzen ist deutlich gesunken. Aber: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“
  • Coronahilfen können zu einer Verschleppung der Insolvenzen führen
  • Gläubigerschützer fordern Firmen auf, rasch für Klarheit zu sorgen
  • Verlängerte Kurzarbeit wirkt sich auf die Statistik aus
  • Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt wieder

In den ersten neun Monaten des Jahres sind 173 Unternehmen in Salzburg in die Insolvenz geschlittert. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es 298 gewesen. Die Verbindlichkeiten sind von 79 auf 44 Mill. Euro zurückgegangen. Das Gastgewerbe (31 Insolvenzfälle), der Dienstleistungssektor (28) und die Baubranche (17) führen die Insolvenzstatistik an. Das berichtet der Gläubigerschutzverband KSV1870. Im Bereich der Privatinsolvenz wurden 290 Verfahren eröffnet. Im Vorjahr waren es 356. Parallel sind im laufenden Jahr die Passiva von 50 auf 54 Mill. Euro gestiegen.

Coronahilfen können zu einer Verschleppung der Insolvenzen führen

Aufgrund der coronabedingten Maßnahmen, die unter anderem die Stundung von Zahlungszielen zulassen, werden allfällige Konkursanträge von den betroffenen Unternehmen oder von betroffenen Gläubigern (etwa durch die Finanz oder durch die Gesundheitskasse ÖGK) nicht gestellt. Dies kann zu einer Verschleppung der Insolvenzen führen. Aliki Bellou, Insolvenzleiterin des KSV1870 am Standort Salzburg: "Intakte Unternehmen, die mit den betroffenen Unternehmen in Geschäftsbeziehung stehen, könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, sollten sich die betroffenen Unternehmen trotz des Maßnahmenpakets nicht wirtschaftlich erholen."

Gläubigerschützer fordern Firmen auf, rasch für Klarheit zu sorgen

Es ist davon auszugehen, dass in Salzburg mit einem Anstieg der Insolvenzen im kommenden 2021 gerechnet werden muss. Bellou: "Die betroffenen Unternehmen sind angehalten, frühzeitig eine allfällige Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einzugestehen. Einerseits ist dies im Interesse der betroffenen Gläubiger und andererseits, um eine Sanierung sowie einen geordneten Fortbestand zu ermöglichen. Zwischen sanierungswürdigen und nicht sanierungsfähigen Unternehmen sollte rasch unterschieden werden, um einen höheren Ausfall für die Gläubigerschaft tunlichst zu vermeiden."

Verlängerte Kurzarbeit wirkt sich auf die Statistik aus

Von den Insolvenzen waren in Salzburg bislang heuer 237 Personen betroffen. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es 635. Diese "Reduktion" ist einerseits darauf zurückzuführen, dass im Vorjahr mehrere Großverfahren mit zahlreichen betroffenen Arbeitnehmern eröffnet wurden - wie etwa der Konkurs der Oberndorfer Druckerei GmbH. Andererseits wird auch das Instrumentarium der - verlängerten - Kurzarbeit genutzt. "Es gilt abzuwarten, wie sich die Situation der Arbeitnehmer insbesondere in jenen Monaten entwickelt, in welchen üblicherweise allfällige Sonderzahlungen wie eine Weihnachtsremuneration ausgeschüttet werden."

Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt wieder

Der im März eingeleitete Shutdown habe dazu geführt, dass der gerichtliche Betrieb mit Einschränkungen fortgeführt worden sei, heißt es. Kurzfristig musste die Zahl der Beratungen von Schuldnern durch die öffentlich-rechtliche Schuldnerberatung oder durch andere Vertreter reduziert werden, zumal der persönliche Kontakt mit den betroffenen Schuldnern grundsätzlich hierfür erforderlich ist. Die Zahl der eröffneten Verfahren in Salzburg sei mit dem eingeleiteten Shutdown einhergehend zunächst massiv gesunken, doch sei bereits jetzt spürbar, dass die Zahl der eröffneten Verfahren im Gegensatz zu den Firmeninsolvenzen wieder steige. Neben den ehemaligen Selbstständigen, die aufgrund von persönlichen Haftungen eine Entschuldung anstreben, werden Einkommenseinbußen oder der Arbeitsplatzverlust als Insolvenzursachen namhaft gemacht. "Auch hier gilt, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Stundungsmöglichkeit reduziert die Höhe der bestehenden Passiva nicht von allein."


Quelle: SN

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 23.11.2020 um 06:17 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/zahl-der-insolvenzen-in-salzburg-sank-stark-coronabedingt-93216391

Kommentare

Schlagzeilen