Salzburger Festspiele

Das letzte Mal "Jedermann" für Tobias Moretti: Zum Abschied einen Kuss

Am Mittwoch starb Tobias Moretti zum letzten Mal den Tod des Jedermann. Nach vier Jahren in der Titelrolle suchen die Festspiele einen Nachfolger.

Zum Abschluss gab es für das "Jedermann"-Ensemble Eierschwammerl in Rahm und ein ofenfrisches Bauernbratl: Gefeiert wurde wie schon in den vergangenen Jahren im Gastgarten des Traditionsgasthauses Krimplstätter. Allerdings verzichtete man heuer auf Musik, das Gasthaus und der Gastgarten wurden zur geschlossenen Gesellschaft und die Feiernden saßen mit entsprechenden Abständen an im gesamten Gastgarten verteilten Tischen.

Gekommen waren alle Schauspieler der "Jedermann"-Produktion: Angefangen von Jedermann Tobias Moretti, Buhlschaft Caroline Peters über Jedermanns guter Gesell und Teufel Gregor Bloéb, Mammon Christoph Franken und Tod Peter Lohmeyer. Auch das Festspieldirektorium war vertreten. Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler bedankte sich beim gesamten Ensemble für die disziplinierte Umsetzung der strengen Corona-Präventionsmaßnahmen.

Dafür, dass sie und ihr Team sich letztlich drübergetraut hatten, unter schwierigen Vorzeichen Festspiele abzuhalten, zollte ihr Wirt Hannes Bachmann Respekt. "Helga Rabl-Stadler steht für mich auf dem gleichen Level wie Max Reinhardt", sagte er.

Wenige Stunden davor hatte das Wetter bei der letzten "Jedermann"-Vorstellung noch einmal richtig mitgespielt. Tobias Moretti starb ein letztes Mal auf der Bühne vor dem Salzburger Dom. Das war heuer sechs Mal der Fall - bei der siebten Freiluftaufführung wurde dem Jedermann das Sterben erspart. Wetterbedingt musste die Vorstellung abgebrochen werden. Alle weiteren der insgesamt 14 Vorstellungen fanden im Großen Festspielhaus statt.

Nächstes Jahr wird es neuen Jedermann geben

Nach vier Saisonen in der Titelrolle von Hugo von Hofmannsthals Spiel vom Sterben des reichen Mannes ist Schluss - zumindest für Jedermann Tobias Moretti. Kommendes Jahr wird es einen neuen Jedermann geben. Insgesamt 94 Mal stand Tobias Moretti im "Jedermann" der Salzburger Festspiele auf der Bühne - 43 Mal in der Doppelrolle als Jedermanns guter Gesell und Teufel, 51 Mal als Jedermann. Sein Festspieldebüt feierte der Schauspieler, der Ende der 1980er-Jahre mit der "Piefke-Saga" und später in "Kommissar Rex" einem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde, 2001 in "Kein Tirolerabend".

Am Mittwoch überraschte ihn das Festspieldirektorium nach der Vorstellung noch auf der Bühne: Er wurde mit der Festspielnadel mit Rubin geehrt. "Mit Tobias Moretti hatten wir das Glück, einen Jedermann zu erleben, der sich bis in die letzte Faser seiner Rolle verschreiben hat", betonte Schauspielleiterin Bettina Hering. "Tobias Moretti erfüllt jede Rolle mit der ihm eigenen Urkraft. Ob König Ottokoar oder Jedermann, die Intensität seiner Darstellung lässt niemanden kalt", sagte Rabl-Stadler.

Von seinen Fans verabschiedete sich Tobias Moretti am Mittwochabend im Festspielbezirk - zusammen mit Buhlschaft Caroline Peters, Teufel Gregor Bloéb und Tod Peter Lohmeyer. Während am Domplatz bereits die Abbauarbeiten der "Jedermann"-Bühne begann, nahm sich Moretti vor dem Festspielhaus Zeit für Autogrammwünsche. An seiner Seite: Ehefrau Julia - sie bekam einen Kuss, den Fans winkte der Schauspieler zum Abschied noch einmal zu.


Aufgerufen am 29.10.2020 um 08:46 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/das-letzte-mal-jedermann-fuer-tobias-moretti-zum-abschied-einen-kuss-92027167

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