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Salzburger Festspiele

Die Reden zur Festspieleröffnung im Wortlaut

Am Sonntag wurden die Salzburger Festspiele 2021 offiziell eröffnet. Lesen Sie hier die Reden von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Vizekanzler Werner Kogler, Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und dem Festredner, Philosoph Julian Nida-Rümelin, im Originalwortlaut.

Bundespräsident Alexander van der Bellen bei der Eröffnungsrede SN/Franz Neumayr
Bundespräsident Alexander van der Bellen bei der Eröffnungsrede

Alexander Van der Bellen: "So kann es nicht weitergehen"

Sehr geehrte Frau Präsidentin Zuzana Čaputová,
werte Ehren- und Festgäste, meine Damen und Herren!
Schön, Sie wieder alle zu sehen. Schön, dass wir gemeinsam die Eröffnung der Salzburger Festspiele 2021 begehen können. Ich möchte gleich zu Beginn den Verantwortlichen und Mitwirkenden der Festspiele danken. Sie leisten Großartiges, Sie verleihen unserem Land einen kulturellen Glanz, der seinesgleichen sucht. Danke!

Meine Damen und Herren!
Die Oper "Don Giovanni", die morgen Premiere hat, endet auf den ersten Blick ein wenig trivial. Wolfgang Amadeus in Hollywood, könnte man karikierend sagen. Auf den zweiten Blick - und vor allem aus heutiger, aus aktueller Sicht - ist das Opernende keineswegs trivial. Also: nach der Höllenfahrt der lasterhaften Hauptfigur (Don G.) unterhalten sich die verbliebenen Geschädigten darüber, was sie denn nun machen werden. Leporello etwa, Don Giovannis Diener, der schon früh in der Oper gesagt hat, nicht länger dienen zu wollen, meint am Ende, dass er jetzt einmal einen neuen Herrn suchen gehe. Und auch die anderen Figuren, alle sind heilfroh, dass der Schrecken vorüber ist, und sie nun zur Normalität zurückkehren können - als wäre nichts geschehen …
Das kennen wir doch irgendwie? Das kommt uns doch bekannt vor? Ja, wir können uns zurecht freuen, dass Vieles von dem, was zu unserem Alltag und unserem Leben gehört hat und was wir anderthalb Jahre vermisst haben, nunmehr nahezu zurück ist. Wir genießen es, einander wieder begegnen zu können, wir freuen uns darauf, unser engstes Umfeld wieder verlassen und Neues entdecken zu können. Wir sind glücklich, wieder aus einem reichen und faszinierenden Kunst- und Kulturangebot auswählen zu können. Auch wenn wir immer noch große Vorsicht walten lassen müssen. Aber gleichzeitig spüren wir doch, was die Rückkehr zum Status quo antebedeuten würde: Die Rückkehr zu einem Leben, das in mehr und mehr Bereichen alles andere als "normal" gewesen ist.

Ökologie, Wirtschaft und soziale Verantwortung gegeneinander auszuspielen oder Maßnahmen gegen
die Klimakrise weiterhin nur zögerlich in Angriff zu nehmen, ist nicht normal, es ist fahrlässig. Das Zeitalter des Menschen, ist drauf und dran, die kürzeste Epoche der Erdgeschichte zu werden,wenn wir weiter mit aller Kraft daran arbeiten, unsere eigenen Lebensgrundlagen zu vernichten.
Tagtäglich sind wir mittlerweile mit den Auswirkungen unseres Handelns konfrontiert.
- Wir sehen sie,
- wir erleben sie,
- und wir spüren sie: Die heftigen und manchmal auch tödlichen Unwetter, die brütende Hitze in Kanada. Die Überflutungen in keineswegs tropischen Gebieten, und anderenorts den Wassermangel, mit ausgetrockneten Böden. Und das alles hier und jetzt bei uns.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Wenn wir ganz ehrlich mit uns selber sind, wissen wir, dass es so einfach nicht weitergehen kann. Und wir wissen, dass wir handeln müssen.
Meine Damen und Herren, Sie fragen sich vielleicht, ob ich nun plötzlich zum Klimaforscher geworden bin. Überhaupt nicht. Aber in meinem früheren Leben war ich Ökonom (Volkswirt), zuletzt an der Uni Wien. Und Anfang der 80er Jahre wurde ich aufmerksam, dass es interessante neue Forschungsgebiete gibt: Environmental Economics, und als Spezialgebiet davon Economics of Climate Change. Nordhaus gewann etwa 2018 den Nobelpreis "for integrating Climate Change into longrun macroeconomic analysis".Und Nicholas Stern meinte schon 2006: "Die Klimakrise ist das größte Marktversagen aller Zeiten." 15 Jahre später könnte man pessimistisch sagen, ein "Staatsversagen" erster Ordnung hat sich herausgestellt, in Form von Untätigkeit.
Warum bin ich trotzdem optimistisch, dass es nicht zu einem multiplen Organversagen kommen
wird? Vor allem aus drei Gründen:
1. Die jungen Leute sind aufgewacht. Es geht um ihre Zukunft.
2. Die Wirtschaft selbst ist aufgewacht.
3. Die Europäische Kommission, last but not least unterstützt durch die EZB, treibt den Kampf gegen
die Emission von Treibhausgasen voran.


Meine Damen und Herren, und noch etwas dürfen wir nicht ignorieren:
An vielen Frauen hat die Pandemie wahnsinnig gezehrt. Wie schnell sich scheinbar bestehende Gleichberechtigung als Schönwettereinstellung entpuppt hat. Erst als die Schulen und Kindergärten zu waren, kristallisierte sich heraus, an wem die Betreuungsarbeit im Notfall immer noch hängenbleibt:an den Frauen. Auch in "normalen" Zeiten werden fehlende Angebote an Kinderbetreuung als "Probleme der Frauen" gesehen. Und dementsprechend wird in dieser Richtung viel zu wenig getan.

Meine Damen und Herren!
Es mag unbequem sein: Aber wir alle werden unsere Lebensweise ändern, wir werden uns anpassen, Nachhaltigkeit, Regionalität und Klimabewusstsein werden unser Verhalten leiten. Die Jobs von morgen werden andere sein als die heutigen, und wir werden auch das schaffen. Und: ja, klarerweise finden sich für jeden Vorschlag, wie eine bessere Zukunft aussehen könnte, mindestens fünf Gründe, warum das nicht funktionieren kann. Der menschliche Einfallsreichtum im Verhindern scheint ja oft unbegrenzt. Mein Vorschlag ist, unseren Einfallsreichtum, unsere Kreativität, die in jeder und jedem von uns steckt, dem Ermöglichen zu widmen. Dass wir uns gegenseitig unterstützen in einem Prozess des Umdenkens, des Neudenkens. Was in der Kunst selbstverständlich ist, brauchen wir jetzt ganz dringend in allen Lebensbereichen: das gegenseitige Befördern unser aller Kreativität.

Meine Damen und Herren!
Ich habe zu Beginn meiner Rede die Schlussszene des "Don Giovanni" erwähnt. Dabei habe ich, vielleicht wurde es von Einigen bemerkt, nicht die ganze Wahrheit gesagt. Leporello will sich nämlich
nicht nur einen neuen Herrn suchen, er will einen besseren Herrn finden.
Und in diesem Sinne ist die Schlussszene nicht trivial. Den handelnden Personen ist sehr wohl klar,
dass etwas passiert ist. Und dass es anders, dass es besser weitergehen muss.
Arbeiten wir gemeinsam daran, dass es weitergeht.
Dass es besser weitergeht. Arbeiten wir an besseren Lösungen für unser aller Morgen! Die Salzburger Festspiele 2021 sind eröffnet.

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne): "Politik muss der Kunst ihre Freiheit sichern"

Vizekanzler Werner Kogler. SN/Franz Neumayr
Vizekanzler Werner Kogler.

Kunst und Demokratie sind Schwestern im Geiste: Kunst hat eine widerständige und befreiende Kraft in Systemen der Unterdrückung. War Ausgangs- und Kulminationspunkt von friedlichen Revolutionen. Aber ohne Demokratie kann Kunst sich nicht richtig frei entfalten und ist letztlich in ihrer Existenz gefährdet.
Ohne lebendige Kunst stirbt die Demokratie, weil sie für ihre Lebendigkeit die ständige Herausforderungbraucht, um nicht Gefahr zu laufen, zur bloß formalen Hülle zu verkommen. Ohne Kunst fehlt uns Menschen Inspiration, Reflexionsraum für unser Sein, Ausbrechen aus dem Alltag. Zuletzt waren wir viele Monate lang immer wieder gehindert, Kunst gemeinsam zu erleben. Die Pandemie hatte sie - mehr noch als viele andere gesellschaftliche Bereiche - fest im Würgegriff.
Künstlerinnen und Künstler wehrten sich mit allen kreativen Kräften. Mit ihrem Einfallsreichtum fanden sie neue Wege in unsere Wohnzimmer.
Trotzdem war es still. Fast unerträglich still.


Es fehlte die gemeinsame Begeisterung, die gemeinsame Erschütterung. Das Gespräch und die Auseinandersetzungdarüber, was uns gerade bewegt, berührt, verstört hat. Wir haben gerade auch in der Kunst schmerzlich erfahren, dass vieles, was wir für selbstverständlich halten - das wir manchmal, ohne Blick für das Besondere, zum Inventar unseres Daseins gemacht haben - brüchig ist. Dass das scheinbar Selbstverständliche besonders und brüchig ist. Das gilt für unser Leben.
Das gilt für die Kunst. Das gilt für unsere lebendige, liberale Demokratie.
Vielleicht können wir gemeinsam aus diesen schwierigen letzten Monaten zwei Dinge mitnehmen: Demut und Respekt. Es ist nicht selbstverständlich, was unser Leben ausmacht. Demut und Respekt voreinander und vor dem, was unser menschliches Zusammenleben ausmacht.


In nahezu allen Regionen der Welt finden wir Herrschende, die diese Demut verloren haben. Sollen die Demokratien nicht zu deren Opfer werden, müssen die Mächtigen hinterfragt und die Fundamente unseres Zusammenlebens immer wieder neu begründet werden. Auch wo der Anschein der Politik allzu glatt ist, braucht es die Kunst, um gegen den Strich zu bürsten, aufzurauen, ja manchmal auch schmerzhaft aufzurauen. Es braucht die Neugierde der Künstlerinnen und Künstler, immer wieder jene Risse in der Hermetik der Oberfläche zu erkunden, durch die das Licht hereindringt in das Innere, das Wesentliche, die Substanz. Wir politisch Verantwortliche schöpfen aus dieser Substanz, um unser Miteinander und unsere gemeinsame Zukunft gestalten zu können.
Die Pandemie hat die Räume des Miteinander verkleinert, oft auch zu einer Vereinzelung geführt. Persönliche und nationale Egoismen waren im Widerstreit mit dem Aufeinander Schauen. Kunst ist grenzüberschreitend. Würden wir unser Heil ausschließlich in unserem kleinen Land suchen und nicht ganz selbstverständlich den internationalen Austausch suchen und pflegen, wäre das Mozarteum-Orchester, das uns heute musikalisch inspiriert, nicht einmal halb besetzt. Maestro Metzmacher wäre auch nicht hier. Und viele von Ihnen auch nicht. Auch in der realen Grenzüberschreitung liegt die Kraft, die wir brauchen. Wo Nationalismus sein Haupt erhebt, brauchen wir gerade auch die Kunst als Brücke zu anderen Ländern und Kulturen. Künstlerinnen und Künstler arbeiten mit Selbstverständlichkeit an einem gemeinsamen Europa und überwinden nationalstaatliche Grenzen - wir alle sollten es ihnen gleichtun. Wir in der Politik sind immer in Gefahr, in einem Geflecht von Umfrageergebnissen, äußeren Umständen und Sachzwängen unseren Blick zu verengen. Künstlerinnen und Künstler lassen sich nicht in einem Sach-Zwinger einsperren.

Wir alle sollten immer wieder aufs Neue den Blick auf die Herausforderungen unserer Zukunft richten. Freie Kunst und lebendige Demokratie sind Geschwister:
Moderne Gesellschaften, stabile Demokratien finden wir dort, wo die Kultur stark ist, wo ihr kritischer Input als Bereicherung und Herausforderung verstanden wird.
Und es braucht die Kunst für die große, unverstellte Perspektive.
Das gilt für den politischen Zustand der Welt.
Das gilt für den Respekt vor der Diversität unserer Gesellschaften.
Das gilt für den Schutz der Menschenrechte.
Das gilt für den sozialen Zusammenhalt.
Das gilt für die ökologische Krise unseres Planeten.
Das gilt für die globale Verantwortung.
Damit Künstlerinnen und Künstler uns dabei herausfordern und unterstützen können, brauchteine Politik, die der Kunst diese, ihre Freiheit sichert. Eine bedingungslose Freiheit. Dann kann Kunst ihre unbändige Gestaltungskraft entfalten.


Damit bin ich bei den Salzburger Festspielen und ihrer Präsidentin, die sie durch so viele Jahre geprägt hat. Frau Rabl-Stadler, wir alle sind Ihnen zu großem Dank für ihre großartige Arbeit - voller positiver Energie und Schaffenskraft - verpflichtet. Auch im letzten Jahr Ihrer Präsidentschaft haben Sie uns mit Ihrem Optimismus angesteckt.Dafür danke ich ihnen voller Respekt, dafür danken wir alle Ihnen. So begehen wir den 100. Geburtstag der Salzburger Festspiele also schon ein ganzes Jahr lang. Und es ist ja nicht das Schlechteste, dass so ein besonderes Fest angemessen ausführlich gefeiert wird. Ich gratuliere Markus Hinterhäuser und allen - auf den und rund um die Bühnen - Mitwirkenden zu ihrer großartigen Arbeit!
Und ich wünsche den Salzburger Festspielen eine gute und zukunftsweisende Entwicklung! Unser Land, unser Europa braucht auch in den kommenden 101 Jahren kritische, widerständige und im besten Sinne verbindende Kunst.

Helga Rabl-Stadler: "Kunst ist kein Luxusmittel der Reichen"

Festspielpräsdientin Helga Rabl-Stadler. SN/Franz Neumayr
Festspielpräsdientin Helga Rabl-Stadler.

Herzlich Willkommen im schönsten Theatersaal der Welt, der Felsenreitschule in Salzburg. "Ein erstes Friedensprojekt" eine "Weltkunstzentrale auf österreichischem Boden" und gar "eineTriumphpforte österreichischer Kunst mit Mozart als Krönung" - das träumten sich die Gründer der Salzburger Festspiele herbei. Und obwohl die Inflation das für den Bau des Festspielhauses angesparte Geld verschlungen hatte, schlug am 22. August 1920 mit der ersten Aufführung des Jedermann auf dem Domplatz die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele. Festspiele als Symbol, nicht bloß als eine weitere Theatergründung und schon gar nicht als die lokale Angelegenheit einer Provinzstadt. Festspiele, so Hugo von Hofmannsthal, "als Angelegenheit der europäischen Kultur. Und von eminenter politischer, wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung". Von Salzburg aus könnten "die zerrissenen Fäden der europäischen Kulturgemeinschaft wieder angeknüpft werden", davon war Max Reinhardt überzeugt. Diesem Glauben an die Kraft der Kunst verdanken die Salzburger Festspiele ihre Existenz. Auch nach dem 2. Weltkrieg erfüllten die Festspiele eine eminent politische Funktion, waren Leuchtturmprojekt.


Obwohl die Stadt in Schutt und Asche lag, holte US-General Mark Clark, den von den Nazis abgesetzten Festspielpräsidenten Heinrich Puthon zurück und bestand geradezu auf Festspielen im August. Clark wählte dann auch für seinen ersten öffentlichen Auftritt in Österreich am 12. August 1945 absichtsvoll die Eröffnung der Festspiele. Er sah in diesen den Beweis dafür, dass die Wiederherstellung eines freien, unabhängigen Österreichs bald glücken werde.


Sie werden jetzt wahrscheinlich noch besser verstehen, warum wir vergangenes Jahr Corona nicht die Regie überlassen konnten. Wir hätten uns bei einer Absage ob unseres Kleinmuts geschämt, vor unseren Gründervätern von 1920 und auch vor jenen, die 1945 die Festspiele wieder zum Leben erweckten. So waren wir 2020 zum dritten Mal in unserer 100jährigen Geschichte Leuchtturmprojekt. Die Salzburger Festspiele wollten, konnten, ja mussten ihren Gründungsauftrag erfüllen.
Es lag ein Zauber über diesem letzten Sommer. Für uns, das Publikum. Wir waren wieder live dabei. Was war das für ein freudiger Schrecken, als der Klang der Wiener Philharmoniker bei "Elektra" aufbrandete. Was war das für ein Glücksgefühl für die Künstlerinnen und Künstler, als ihnen tausendfach aus dem Publikum Zuneigung, Hingabe, ja geradezu Verzückung entgegenströmte.


Heute erfüllt uns die Hoffnung, die Zuversicht, dass sich das Wunder Festspiele auch dieses Jahr, im 2. Teil unseres Jubiläums, ereignen wird. Denn vieles von dem, was eigentlich für das 100. Jahr geplant war, dann aber der Verkürzung zum Opfer fiel, verspricht in den nächsten Wochen prächtig zu erblühen.
Wichtig, dass dieses Jahr wieder der Eröffnungsfestakt stattfinden kann. Er ist das Bekenntnis des politischen Österreichs zu den Salzburger Festspielen. Wir sehen in ihrer Anwesenheit aber auch ein Zeichen für den Stellenwert von Kunst und Kultur insgesamt in unserem Land. Wir sind systemrelevant. Oder von hier aus doch lieber Max Reinhardt: "Die Kunst ist kein Luxusmittel für die Reichen und Saturierten, sie ist Lebensmittel".

Ich komme nun zum eigentlichen Grund meiner Rede, der Begrüßung.
Ich begrüße Sie sehr herzlich im Namen des Direktoriums, des Intendanten Markus Hinterhäuser, des kaufmännischen Direktors Lukas Crepaz und in meinem eigenen, sowie im Namen der Leiterin des Schauspiels Bettina Hering und des Konzertchefs Florian Wiegand, im Namen des Kuratoriums sowie im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und im Namen unserer Künstlerinnen und Künstler zu 168 Aufführungen an 46 Tagen auf 17 Spielstätten.

Ein herzliches Willkommen unserem Bundespräsidenten Alexander van der Bellen und seiner Frau Doris Schmidauer sowie seinen Gästen, der slowakischen Staatspräsidentin Zuzana Čaputová und ihrem Begleiter Juraj Rizman. Danke, dass Sie sich mit so viel sichtbarer Freude auf die Festspiele einlassen. Ein besonderer Gruß gilt Ihnen, geschätzte Ursula von der Leyen. Dass Sie als Präsidentin der Europäischen Kommission im Jubiläumsjahr zu uns kommen, ist aber eigentlich sinnfällig. Sind wir doch eine europäische Angelegenheit. Ich möchte noch einige Ehrengäste namentlich nennen, die Sie dann bitte alle gemeinsam mit einem großen Schlussapplaus willkommen heißen: Grüß Gott den Vertretern der Kirchen und der Religionsgemeinschaften, allen voran Erzbischof Franz Lackner und Nuntius Pedro López Quintana. Es freut uns sehr, dass nach und wohl auch mitten in einem für uns alle so schwierigen Jahr so viele Bundesministerinnen und Minister bei dieser Eröffnung anwesend sind. Daher ein herzlich Willkommen Karoline Edtstadler, Leonore Gewessler, Martin Kocher, Elisabeth Köstinger, Wolfgang Mückstein und Alexander Schallenberg.


Eine Extrabegrüßung gilt den für das Ressort Kultur Zuständigen, Ihnen Herr Vizekanzler Werner Kogler, und Dir, Frau Staatssekretärin Andrea Mayer. Ein Willkommen allen Mitgliedern von Nationalrat und Bundesrat sowie allen In- und Ausländischen Vertreterinnen und Vertretern der Parlamente. Ein besonderer Gruß gilt Heinz Fischer und seiner Frau Margit, der Du die offizielle Rolle als Bundespräsident mit der eines ewigen Freundes der Festspiele getauscht hast. Ein herzliches Grüß Gott unserem Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Er ist nicht nur laut Gesetz, sondern, was sich immer wieder zeigt, mit Herz und Hirn der ständige Vertreter des Salzburger Festspielfonds. Grüß Gott auch allen anderen Mitgliedern der Landesregierung. Willkommen Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf und dem Salzburger Landtag. Sind Sie herzlich begrüßt Herr Bürgermeister Harald Preuner und alle Mitglieder der Stadtregierung und des Gemeinderats. Besonders schätzen wir den regen Besuch von Mitgliedern des Diplomatischen und Konsularischen Corps, wurden die Festspiele doch in durchaus politischer Absicht gegründet.
Ein dankbares Willkommen allen Vertretern unserer Hauptsponsoren - Audi, Siemens, Kühne-Stiftung, BWT und Rolex - sowie den Mäzenen. Dank dem Ehepaar Kühne, dass Sie uns erstmals bei diesem Festakt die Ehre geben. Unser besonderer Dank gilt Heinrich Spängler. Du hast als Präsident den Verein der Freunde zu einem ideell und finanziell unverzichtbaren Teil der Festspiele weiterentwickelt. Herzliche Gratulation auch zum 60 Jahr Jubiläum des Vereins!


Selbstverständlich gilt unser Gruß auch allen Vertreterinnen und Vertretern der Medien, insbesondere dem ORF mit Alexander Wrabetz und Kathi Zechner an der Spitze sowie Servus TV und unseremwunderbaren exklusiven Medienpartner Jan Mojto von Unitel. Für alle Genannten bitte ich Sie jetzt um einen herzlichen Willkommensapplaus. Diese Veranstaltung wird seit Jahrzehnten durch einen Festspielredner intellektuell geadelt. Begrüßen Sie mit mir Julian Nida-Rümelin und seine Frau Nathalie Weidenfeld. Sie wollen uns für Ihre humanistische Utopie gewinnen, einen pragmatischen Humanismus als Alternative zu Utopismus und der überall dominierenden Dystopie. Als Philosoph, Autor, aber auch als ehemaliger Politiker machen Sie Mut in den mutraubenden Zeiten der Pandemie.
Und jetzt noch ein Grüß Gott und ein Dankeschön an die Künstlerinnen und Künstler, die diesen Festakt gestalten. Dem Mozarteumorchester, dessen herrliche Mozart Matineen ein Herzstück unsers Programms sind. Ingo Metzmacher, der Du seit fast 30 Jahren ein Festspieler bist und 2021 "Intolleranza 1960" von
Luigi Nono dirigieren wirst - wie unser Intendant immer sagt, das "Stück zur Stunde". Julia Hagen, eine junge Cellistin, der die Festspielbühne zur Startrampe für ein erfülltes Künstlerinnenleben werden möge. Und gemeinsam freuen wir uns über die Künstler im Publikum: Verena Altenberger, Lars Eidinger und Edith Clever vom so erfolgreichen Jedermann-Team.


Die Regisseure Robert Carsen und Jossi Wieler. Letzterer mit zwei seiner herrlichen Schauspieler aus "Das Bergwerk zu Falun", Hildegard Schmahl und André Jung. Mit einem Zitat von Stefan Zweig, der bis zu seiner Flucht vor den Nazis ein wahrhaft europäisches Haus hier in Salzburg am Kapuzinerberg führte, möchte ich zum Jubiläum schließen: "Die Entwicklung jeder Idee geht nicht Schritt für Schritt in regelmäßigem Anstieg - auf starke Fortschritte folgen heftige Rückschläge, aber so heftig sie sein mögen, wir dürfen sie nicht für dauerhaft halten. Denn immer setzen die entscheidenden Genesungen knapp an den gefährlichsten Krisen ein, nie reißt der Faden völlig ab, nie wird die geistige Arbeit und Emporarbeit der Menschheit
gänzlich unterbrochen - immer sind andere Länder, wenn ein Land versagt, immer eine andere Sphäre, die sich erlichtet, wenn die eine verdunkelt." Möge es uns gemeinsam gelingen, die Salzburger Festspiele zur erlichteten Sphäre zu machen, obwohl oder gerade weil anderes im Dunkel liegt.


Julian Nida-Rümelin: "Wir schauen auf bewegte Jahrzehnte"

Philosoph Julian Nida-Rümelin.  SN/Franz Neumayr
Philosoph Julian Nida-Rümelin.

Nach diesen wunderbaren Begrüßungsreden, glaube ich, kann ich die Anrede sehr kurz halten. Verehrte Festversammlung, ich möchte Sie in den folgenden zwanzig Minuten auf einen "Gedankenausflug" mitnehmen. Die Intendanz hat einen Philosophen eingeladen, und das sind dann die Folgen. Meine Hoffnung ist, dass Sie auf diesem Gedankenausflug ein paar Ausblicke auf eine philosophisch-politische Landschaft gewinnen. Da wird manches nur kurz gestreift, weil wir die Zeit nicht haben, ins Detail zu gehen, aber meine Hoffnung ist durchaus, dass Sie die These, zu der wir dann am Ende geführt werden, dann Ihrerseits in Ihren Gedanken bewegen können.
Ich beginne mit einer Beobachtung; ich weiß nicht, ob ich da ganz alleine stehe. Es hat sich in den letzten Jahren - vielleicht sogar schon Jahrzehnten, wenn man genau hinschaut - schleichend etwas verändert. Etwas, was dann im Rückblick vielleicht in einigen Jahrzehnten als tiefe kulturelle und politische Veränderung wahrgenommen werden wird, und wir, die wir mittendrin stecken, das bislang noch nicht so richtig zur Kenntnis genommen haben.


Wir schauen zurück auf bewegte Jahrzehnte. Und wenn man etwas weiter zurückgeht - Anlass ja hier auch einhundert Jahre Festspiele - dann ist ein Teil dieser Zeitspanne einer der Tiefpunkte der Menschheitsgeschichte. Und diese Tiefpunkte der Menschheitsgeschichte haben auch mit Utopien zu tun, mit Utopismus, mit "politischen Religionen", wie sie der Wiener Politik-Theoretiker Eric Voegelin genannt hat, die religiöse Erlösungshoffnungen ins Diesseits verlagert haben. Das gilt für Faschismus und Kommunismus, so gegensätzlich diese Ideologien sind. Die Welt hat sich dann nach dieser Katastrophe herausgearbeitet, mühsam genug, und hat Utopien, wenn man so will, zurückgewonnen, utopische Potenziale.
Europa - die Kommissionspräsidentin ist hier, was mich sehr freut - Europa ist eine dieser großen, mächtigen Utopien seit den 1950er Jahren. Es kommt es zu den vertraglichen Vereinbarungen, den Römischen Verträgen, und das wird sehr detailliert und sehr ökonomisch und sehr technokratisch - ist lang her, Sie sind nicht schuld! Aber die Grundidee und die Reden, die diese Ideen zum Ausdruck gebracht haben - de Gasperi, de Gaulle, Adenauer, Jean Monnet! - die haben eine motivierende Wirkung gehabt. Die verschiedenen Begegnungen, die deutsch-französischen zum Beispiel, wären so nicht möglich gewesen ohne diesen Hintergrund. Ohne diese Vision einer europäischen Integration, die nicht einfach ein neues institutionelles Gebilde ist, sondern eine andere Zukunft, eine bessere Zukunft, sichert.


Wir hatten lange Zeit einen tiefen Konflikt zwischen unterschiedlichen Utopien. Vielleicht sollte man präziser sagen: Es gab die einen, die sehr dafür waren, dass man Politik an großen Ideen, großen Visionen orientiert, und die anderen, die da eher skeptisch waren. Das hat eine große Tradition: Edmund Burke, der sich gegen die Französische Revolution und deren Ideologie mit dem Argument gewandt hat, dass sich ja sowieso nichts wesentlich ändern lässt. Dass die Menschen so sind, wie sie sind, da gibt es ein Oben und ein Unten, verschiedene soziale Rollen, da gibt es Hierarchien, und die muss man eben anerkennen. Zu viel Rationalität tut der Politik nicht gut. Das ist das anti-aufklärerische Programm, gewissermaßen - was durchaus auch seine Faszination hat, weil dieses Programm nämlich auf das Gewachsene abhebt, und das Bewahren dieses Gewachsenen für unverzichtbar hält, um Humanität zu bewahren. Also in dieser Form des Kulturkonservatismus steckt auch ein Humanismus.
Aber die großen Kräfte der Veränderung waren geprägt von Visionen. Ich vermeide im Augenblick noch den Ausdruck Utopien, da kommen wir aber dann gleich darauf zu sprechen.


Irgendetwas muss passiert sein, Ende der 1980er Jahre, Anfang der 1990er Jahre. Da verschwindet die Bipolarität. Die bipolare Welt bricht zusammen, weil die Sowjetunion und das Machtgefüge, das sie mitten in Europa errichtet hatte nach dem Zweiten Weltkrieg, kollabiert. Und man könnte fast sagen, merkwürdigerweise verändert sich damit auch grundsätzlich etwas für die westliche Politik. Zwei typische Reaktionen: Eine Reaktion ist - ich sage es etwas unfreundlich - die große Ratlosigkeit. Vieles, was sich immer abgesetzt hat von dem, was man "real existierenden Sozialismus" nannte, war dann doch recht erschüttert, als dieses Gebilde so sang- und klanglos zusammenbrach. Und man kann sagen, ein Teil des linken politischen Spektrums hat sich von diesem Schock nicht mehr so recht erholt.
Dann gab es die anderen, die sagten: "Jetzt ist doch die Zeit für eine neue Vision. Und diese neue Vision besteht darin, dass nun das, was siegreich ist, zum Weltstandard wird." Die Lebensform des American way of life als das neue Modell weltweit. Das "Ende der Geschichte", hat ein Hegelianer, Francis Fukuyama, behauptet, stünde nun an. Das Ende der Geschichte sei eigentlich schon erreicht - so ähnlich wie Hegel meinte, mit dem preußischen Staat sei das Ende der Geschichte erreicht, weil doch so gut wie perfekt, Aufklärung und Absolutismus und Vernunft miteinander verbindend. So meinte das nun Fukuyama in sancta simplicitate - in großer Einfalt.


Aber irgendwie war das mit dem Ende der Geschichte eine Fehleinschätzung. Das, was vermeintlich alles verschwunden ist, was sich nun diesem einen Muster beugen sollte, wollte sich nicht beugen. Und die neuen Fundamentalismen - die religiösen Fundamentalismen, die Politisierung des Religiösen generell - kann man auch als ein Aufbegehren gegen diese Vorstellung interpretieren. Es ist ein Aufbegehren gegen dieses eine Muster kultureller, sozialer, politischer Praxis, das weltweit zum Vorbild werden sollte. Das war eine Illusion.
Es kommt eine weitere Utopie auf, die sich oft gar nicht als Utopie offenbart. Die es am liebsten hätte, man würde gar nicht merken, wie utopisch sie ist. Und sie weiß oft nicht einmal um ihre - anarchistischen - Wurzeln. Ich vermute, ich trete jetzt dem einen oder der anderen hier ein bisschen nahe, aber ich kann das jetzt nicht ändern und Sie können nicht einmal reagieren, weil Diskussionen nicht vorgesehen sind. Aber ich muss das denn doch sagen: ich meine die Utopie, die man irreführend als "Neoliberalismus" bezeichnet. Der Liberalismus bestimmt die normative Ordnung, auf der die moderne Demokratie aufruht. Ohne Liberalismus keine Demokratie - da werden wir gleich nachher nochmal drauf zu sprechen kommen. Also wäre Neo-Liberalismus etwas Gutes, nämlich die Erneuerung und Verstärkung des Liberalismus. Aber unter Neoliberalismus wird ja etwas ganz anderes verstanden, nämlich eine Variante des Ökonomismus. Die Vorstellung, die beste aller Welten sei getrieben allein, oder fast allein, von ökonomischen Interessen und funktionierenden Märkten. Konsumenten, Produzenten, Märkte. Wir überführen alles in Märkte. Auch öffentliche Verwaltungen, new public economics, ein wichtiges Projekt, ein Teil der beabsichtigten großen Transformation. Alles wird zum ökonomischen Markt. Und dann, sotto voce: "Naja, Staat - strenggenommen nicht nötig. Wir können das eigentlich, im Prinzip, auch ohne Staatlichkeit regeln. Na gut, jetzt gibt es die Staaten, da muss man sich irgendwie arrangieren, dann muss man sie entsprechend schwächen. Man muss Strategien des radikalen Staatsabbaus einschlagen" Das ist erfolgt.


Meine Zwischenthese ist jetzt die, dass möglicherweise das Versiegen utopischer Potenziale damit zusammenhängt, dass diese zwei großen ideologischen Cluster ihre Orientierungskraft eingebüßt haben: Die westliche Intelligentsja war über Jahrzehnte von der Utopie einer ganz anderen politischen Ordnung in unterschiedlichen Varianten fasziniert - Georg Lukács, Ernst Bloch, Jean-Paul Sartre und so weiter. Aber auch das andere Cluster verliert seine Faszination, das deutet sich in der new economy crisis um die Jahrhundertwende zuerst an, die Menschen sind verunsichert, vor allem die jüngere Generation. Und dann die große Weltfinanzkrise um 2009 und die nachfolgende Staatschuldenkrise. Die zweitgrößte Weltwirtschaftskrise nach 1929ff. Das war ein tiefer Einschnitt. Seitdem verschieben sich die Debatten, auch in der Wissenschaft, auch in der Ökonomie - sie verschieben sich sogar massiv. Unterdessen sind die Stimmen kaum mehr zu vernehmen, die sagen: "Allgemeiner Staatsabbau; wir regeln in Zukunft alles über ökonomische Märkte". Das gibt es nur noch sehr verhalten. Der Keynesianismus ist mit Macht zurück in der internationalen ökonomischen Theorie und Praxis. Wichtige ökonomische Akteure, auch die Unternehmen, der Internationale Währungsfonds, die EU-Kommission, fordern starke staatliche Investitionen, in Bildung und Forschung, in Infrastruktur, in die Verhinderung des Klimawandels und für den Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Das ist eine schleichende Entwicklung, aber sie ist sehr deutlich.
Und jetzt das, worauf ich eigentlich abheben möchte. Es scheint fast so, als hätte - bei allem Positiven, was ja hier gerade auch skizziert wurde, insbesondere das Verebben von dogmatischen Ideologien - als hätte das auch einen hohen Preis. Statt Utopien Dystopien. Drei starke Dystopien prägen gegenwärtig die öffentlichen Debatten: Das eine ist die drohende Apokalypse, jedenfalls die große Menschheitsgefahr des Klimawandels, des menschengemachten Klimawandels - zweifellos eine sehr ernstzunehmende Gefahr.


Die zweite Dystopie ist - die Debatte darüber ist interessanterweise bislang überwiegend auf Fachzirkel beschränkt - ein möglicherweise drohender Atomkrieg in einer Welt, in der neue Supermächte sich gerade formieren. Eine neue Supermacht, das kann nicht mehr bezweifelt werden, ist China mit 1,3 Milliarden Einwohnern, einem gigantischen Wirtschaftswachstum, einer massiven Aufrüstung. Aber auch Indien geht seinen eigenen Weg. Und eine vermeintliche Mittelmacht von lediglich regionaler Bedeutung, wie Obama meinte oder hoffte, will sich nicht abdrängen lassen und geriert sich ebenfalls als Supermacht. Das macht die Dinge unübersichtlich, multipolar - und gefährlich. Und jedenfalls in Fachkreisen wird gesagt, noch nie war die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearkriegs so groß wie heute. Man mag es kaum glauben - ich glaube es nicht - aber Fachleute sagen das.
Und das Dritte? Wir haben ja eine faszinierende technologische Entwicklung gegenwärtig. Stichwort: digitale Transformation, Digitalisierung. Vieles wird möglich. Aber interessanterweise sind die Debatten um diese digitale Transformation wiederum doch sehr stark von einer Dystopie geprägt. Stichwort: Singularität. Kluge Leute, wie der verstorbene Physiker Stephen Hawking, meinen, wir haben im Grunde schon verloren, wir werden demnächst abhängig werden von digitalen Agenten, die langfristig die Macht übernehmen. Und wir können uns schon mal überlegen, wie wir dann damit umgehen. Wie wir dann dem Desaster entgehen können. Eine düstere, sehr düstere Vorstellung - aber auch die, die diese Entwicklung positiver sehen, sagen: "Die Zeit, in der Menschen das Heft in der Hand hatten, Verantwortung trugen und autonom handelten, ist vorbei. Demnächst handeln vor allem andere, künstliche, Akteure. Vielleicht ist das auch besser so, zum Beispiel in Gestalt autonomer Fahrzeuge oder Pflegeroboter. Die haben wir selber geschaffen. Und die schaffen sich selbst." Machine learning ist ja eine Art Selbstgenerierung von Agenten.


Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wo bleibt das Positive? Ich sehe das Positive im Humanismus. Humanismus, wohlverstanden im Sinne von: Es geht um menschliche Autorschaft. Um die Fähigkeit, Autorin oder Autor des eigenen Lebens - individuell, wie kollektiv - zu sein.
Humanismus ist nicht Utopismus. Humanismus ist das Remedium. Da muss ich einen kurzen Exkurs einschieben; vielleicht hilft uns das auch, Abstand zu gewinnen - fast zweieinhalb Jahrtausende. Nämlich zu Platon. Platon beschreibt in der Politeia den Verfall der Stadt, des Staates, der Gesellschaft - polis ist alles. Zweites Buch: wie aus einer Gemeinschaft, die auf Kooperation beruht und zur wechselseitigen Bedürfnisbefriedigung dient - das ist die Urform der Stadt - auf einmal eine Stadt des Immer-mehr wird. Eine, die dieses Immer-mehr-wollen bezahlt mit äußeren Kriegen und inneren Konflikten. Und die Antwort von Platon lautet: Statt auf bloße doxa, statt bloße Meinung und Vorurteil, muss die Stadt auf Wissen und Wissenschaft, auf Philosophie gegründet werden, und damit auf Tugenden. "Tugenden" klingt angestaubt, aber es ging ihm darum, deutlich zu machen, dass die Stadt nur dann gerecht, harmonisch, in sich stimmig sein kann, wenn die einzelnen Akteure in dieser Stadt ein klares Verständnis haben von ihrer Rolle - sophrosyne nennt er das - und das ganze angeleitet ist durch eine umfassende Wissenschaftsorientierung. Dann erst lässt sich das individuelle gute Leben, eudaimonia, in ihr realisieren. Kommt uns nicht ganz fremd vor, jetzt mitten in der Pandemiekrise.


Platon glaubte nicht an einen Automatismus des historischen Fortschritts. Im Mythos des Er, das ist das letzte Buch der Politeia - einer dieser rätselhaften Mythen, zu denen Platon immer dann greift, wenn man nicht klar sagen kann, was man philosophisch meint - geht es darum, dass die Seelen sich immer wieder neue Lebensformen suchen aus einer endlichen Anzahl von Lebensformen - Wiedergeburt, sie leben dann erneut. Und diese Passage endet rätselhaft, faszinierend: Schuld ist der Wählende. Gott, oder besser to theion, das Göttliche, ist schuldlos.
Das ist vielleicht der Beginn humanistischen Denkens. Es geht um die Verantwortung, die die einzelne Person hat. Wir wählen unsere Lebensformen, individuell und kollektiv. Wir haben die Aufgabe, diese zu gestalten. Und Menschenrechte - 10. Dezember 1948, General Declaration of Human Rights, das zweite normative Fundament der Staatengemeinschaft weltweit - sind doch etwas ganz Wunderbares: Da einigen sich Delegierte der Generalversammlung aus ganz unterschiedlichen Kulturen, aus ganz unterschiedlichen Traditionen, mit unterschiedlichen Religionen, auf eine Kodifizierung des Humanismus. Nämlich, dass Menschen von Natur Rechte haben, die primär Staaten verpflichten - nämlich diejenigen Staaten, die dann später sich vertraglich gebunden haben in verschiedenen Stufen, das können wir hier jetzt nicht ausführen. Aber richtig verstanden heißt das: Wir haben etwas erkannt: Es ist falsch, grundlegend falsch, Menschen als bloße Instrumente für politische oder ökonomische Zwecke zu verwenden. Immanuel Kant hat das in seiner praktischen Philosophie präzisiert, eine menschliche Person ist immer auch Zweck an sich. Es ist falsch, Menschen zu foltern, auch wenn vielleicht die Folterandrohung gute Folgen hätte. Das sind Einschränkungen dessen, was zulässig ist, weil Menschen Respekt verdienen, eine Würde haben, und dies wird geschützt durch ein Cordon von individuellen Rechten und Freiheiten.


Und die Demokratie ist strenggenommen nichts anderes als die Einsicht, dass Menschen frei und gleich sind, gleichermaßen frei sind, dass es von Natur keine Herrschaftsordnung gibt, und dass wir deswegen Individuen ihre jeweiligen Freiheitsrechte einräumen sollten, und das, was wir gemeinsam entscheiden, so gestalten sollten, dass es - ich sage das bewusst - jedenfalls von den Regeln, wie wir entscheiden, für alle akzeptabel ist. Demokratie heißt nicht Mehrheitsdiktatur. Demokratie ist nicht die Diktatur der Mehrheit, sondern Demokratie heißt, Würde und Respekt der Einzelnen anzuerkennen und auf der Grundlage der gleichen Würde, der gleichen Anerkennung, die politischen Angelegenheiten gemeinsam so zu gestalten, dass jedenfalls die Art und Weise, wie wir zu Entscheidungen kommen, für alle idealiter akzeptabel ist.
Die Demokratie ist in der Hinsicht charakterisierbar als diejenige Staats- und Gesellschaftsform - und ich füge hinzu, ich erkläre das gleich: und Lebensform - die den Menschen mit seinen Rechten, Freiheiten, seiner Würde, dem Respekt, den er oder sie verdient, in den Mittelpunkt rückt. Und dies ist nur möglich, wenn die Demokratie getragen ist von einer demokratischen Zivilkultur, von einer Zivilkultur des alltäglichen Umgangs miteinander.


Die These, die ich Ihnen nahebringen möchte, lautet folgendermaßen: Es gibt eine Utopie, die uns leiten sollte, eine humanistische Utopie. Und die hat einen Namen. Sie heißt Demokratie. Sie setzt voraus, dass wir alle, alle Bürgerinnen und Bürger über praktische Vernunft verfügen. Dass wir in der Lage sind, uns ein Bild zu machen von den Herausforderungen, vor denen wir stehen. Das ist ziemlich utopisch, wenn man so will. Aber das ist Demokratie.


Unter dem Schock von zwölf Jahren NS-Terror beginnt das deutsche Grundgesetz mit Artikel 1, Absatz 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Das ist eine konkrete Utopie. Natürlich ist die individuelle Würde des Menschen nicht unantastbar. Sie wird oft genug angestatet. Aber die darf nicht angetastet werden, und das ist Grundlage jeder demokratischen Ordnung. Und mir scheint, dass diese konkrete Utopie, auf der die Demokratie aufruht, wert ist, verteidigt zu werden in schwierigen Zeiten, und Grund gibt, dass wir die Herausforderung annehmen, die sich allein schon dadurch ergibt, dass es die Verbindung eines souveränen, sogenannten Nationalstaates mit der Demokratie so nicht mehr gibt. Viele Staaten sind nie Nationalstaaten gewesen. Großbritannien hat gleich vier Fußball-Nationalmannschaften, das kann ja kein Nationalstaat sein. Die Schweiz regelt auch ihre verschiedenen Sprachgemeinschaften sehr eigenwillig und sehr dezentral. Also sprechen wir besser von "Einzelstaaten" statt von Nationalstaaten. Aber diese Einzelstaaten gibt es nicht mehr als souveräne Akteure. Die gibt es nicht mehr - wer da zurück will, der möchte die Geschichte rückabwickeln. Das wird nicht gelingen. Es gibt keine souveränen Nationalstaaten mehr. Wir sind eingebettet in rechtliche, ökonomische, soziale Zusammenhänge. Und deswegen steht die Demokratie vor der großen Herausforderung, das so zu organisieren, dass ihre Substanz dabei nicht verloren geht, dass die Menschen wissen, wir sind diejenigen - das ist ja die Botschaft! - wir, Bürgerinnen und Bürger eines Staates, sind diejenigen, die in letzter Instanz über die Richtung, in der sich unser Gemeinwesen entwickelt, entscheiden. Nennen wir das die kosmopolitische Herausforderung der Demokratie.


Wir müssen, glaube ich, diese humanistische Utopie ernst nehmen: Die demokratische Zivilkultur stärken, oder, in manchen Bereichen wiederherstellen, wo sie nämlich gestört oder sogar schon zerstört worden ist. Ohne demokratische Zivilkultur gibt es keine Demokratie. Und wir müssen die kosmopolitische Herausforderung annehmen, nicht defensiv abwehren, sondern annehmen. Demokratie im Zusammenhang der Nationen, der Völker, der Staaten, so organisieren, dass wir Souveränität im Sinne von demokratischer Kontrolle und Entscheidung wahren und trotzdem den kooperativen Zusammenhalt der Menschheit - das ist Humanismus - aufrechterhalten. Und wenn ich es recht sehe, ist Europa in diesem Sinne ein kosmopolitisches Projekt, und wir können uns nur alle wünschen, dass es Erfolg hat.
Dankeschön.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP): "Wie viel Mut haben wir noch?"

Landeshauptmann Wilfried Haslauer SN/Franz Neumayr
Landeshauptmann Wilfried Haslauer

I. Erwachen
Die heutige feierliche Eröffnung der Salzburger Festspiele ist wie ein Erwachen aus einem Albtraum, der in einer Endlosschleife an Wiederholungen unentrinnbar wie zentnerschwere Last auf einem liegt, bis man erschöpft und zugleich befreit dem Morgen entgegenzugleiten hofft.
ERWACHEN! Was für ein Geschenk, die Künstlerinnen und Künstler wieder erleben zu dürfen, Sie, liebes Publikum, zu sehen und endlich Anderes zu vernehmen, als die Expertise der von uns an und für sich so geschätzten Virologen. Ich begrüße Sie alle sehr, sehr herzlich. Verliert sich das Trauma der überwunden geglaubten Pandemie schemenhaft wie der Traum eines schweren Schlafes oder bringt diese Erfahrung Erkenntnisgewinn? Was wird Mnemosyne, die Göttin der Erinnerung und Mutter der Musen, an den virtuellen Lagerfeuern, an denen die großen Mythen dereinst erzählt werden, von dieser viralen Zeit und ihren Folgen berichten? Lassen Sie mich dieser Frage unter Zuhilfenahme der Werke von vier Schriftstellern nachgehen.
II. Über das Glück
Hermann Hesse befasst sich 72-jährig in seiner Betrachtung "Über das Glück" mit einer Episode aus seiner Kindheit, nämlich dem Erwachen aus sanftem Schlaf mit dem Gefühl des Einsseins mit der Welt, der völligen Gegenwärtigkeit, der Freiheit von Zeit, Hoffnung und Furcht und eines Gefühles von Freude und Wohlsein, das aus Nichts als aus dem Zusammenspiel der Dinge um ihn herum bestand. Dieses nur wenige Augenblicke anhaltende Gefühl der Ewigkeit erfuhr seine Steigerung in der Musik einer vorbeimarschierenden Musikkapelle, als wäre alles Glück für ein Kinderherz in deren Töne zusammengeflossen. Doch die Überhöhung
des Eigentlichen, nämlich des zerbrechlich Schönen des Morgenzaubers, durch eben diese Musik hat die Einmaligkeit des Augenblicks zugleich gebrochen und hinter dem kleinen Wunder schlugen die Wellen der Zeit, der Welt und der Gewöhnlichkeit zusammen. Wird sich auch unser Glück bei den abendlichen Premieren verlaufen, wenn die letzten Töne der Alpensymphonie verklingen, der schurkenhafte König Richard III. heute Abend und dann noch weitere sechsmal sein verdientes Ende findet oder wenn in Mozarts Don Giovanni der steinerne Gast den sündigen Unhold erdrückt? Wird all das Herausragende der so heiß herbeiersehnten
Kunst sich wieder im Niemandsland unserer Konsumationsgeschwindigkeit verlieren?
III. Blindheit
Blindheit greift gleich einer Epidemie um sich, und zwar in José Saramagos Roman "Die Stadt der Blinden". Die Erblindeten werden in einer leerstehenden Nervenklinik interniert, wo sie sich selbst überlassen sind. Faszinierend wird der Überlebenswille, die Tragödie, die Grausamkeit, aber auch die menschliche Größe, die Not, die unfreiwillige Komik, das Sterben und der Wille zum Leben, zum Leben als Mensch mit Würde geschildert. Doch genauso plötzlich wie die Blindheit die Stadt geschlagen hat, kommt das Sehen zurück. "Ich sehe, ich kann sehen!", was für ein Aufschrei, was für eine Erlösung, was für ein unglaubliches Geschenk von etwas, das wir - solange wir es uneingeschränkt haben - als nicht der Rede wert empfinden.
"Ich glaube nicht, dass wir erblindet sind, ich glaube, wir sind blind, Blinde, die sehen, Blinde, die sehend nicht sehen.", meint der Arzt, der mit seiner Frau im Mittelpunkt des Romans steht. Sind wir in der Pandemie sehend geworden und erblinden dann wieder, sehen zwar, nehmen aber einander nicht mehr wahr und erfahren nach der Demaskierung die Gleichgültigkeit austauschbarer versteinerter Gesichter?
IV. Die Scham
Der Protagonist in Patrick Süskinds Erzählung "Das Parfum" kreiert ein Parfum mit einer so stark erotisierenden Wirkung, dass tausende Menschen in wilder Begierde übereinander herfallen, egal welchen Alters, ob bekannt oder fremd: in einer Massenextase wird die Lust, das Begehren, der Trieb ausgelebt, seinem Höhepunkt und seiner Ermattung zugeführt. Nach einer Weile stehen alle auf und gehen mit gesenktem Blick; sie können einander nicht mehr ins Auge sehen und das Gefühl an Scham wird nur noch vom Drang übertroffen, diese unfassbare tierische Entgleisung zu verdrängen und auch zu verleugnen. Wie verhält es sich mit Erwachen und Scham? Können wir nach allem einander noch ins Auge
blicken, verdrängen wir die Perfidie der Unterstellungen und auch die Kluft zwischen den vermeintlich Anständigen und den Rücksichtslosen, den tiefen Spalt in unserer Gesellschaft? Stehen wir also einfach auf und reden nicht mehr darüber, tun so, als ob nichts gewesen wäre?
V. Die Pest ist das Leben
Auf Albert Camus und sein Buch "Die Pest" kann heute nicht verzichtet werden. Wir begegnen vertrauten Charakteren:
- den beharrlichen Leugnern;
- den Zornigen;
aber auch:
- den Nachdenklichen,
- den Sehnsüchtigen,
- denen, die trotzdem "Ja" zum Leben sagen,
- vor allem aber den schmerzlich voneinander Getrennten.
Die Hauptfigur ist der Arzt Dr. Rieux, und er sagt Bemerkenswertes:
"Was heißt das schon, die Pest? Es ist das Leben, sonst nichts. Die Menschen vergessen und bleiben sich immer gleich. Aber das ist auch ihre Kraft und ihre Unschuld! Nur in den Heimsuchungen kann man lernen, dass es an den Menschen mehr zu bewundern als zu verachten gibt. Und dass es nicht darauf ankommt, ob die Dinge einen Sinn haben, sondern welche Antwort der Hoffnung den Menschen erteilt wird." Dr. Rieux macht inmitten des Wütens der Pest weiter, unbeirrbar, betreut Kranke, tröstet Verzweifelnde und Sterbende. "Bei all dem" sagt er "handelt es sich nicht um Heldentum. Es handelt sich um Anstand. Die einzige Art, gegen die Pest anzukämpfen ist der Anstand. In meinem Fall weiß ich, dass er darin besteht, meinen Beruf auszuüben." Also: Wieviel Kraft und Unschuld haben wir noch? Welche Hoffnung abseits gefüllter Schaufenster, geöffneter Restaurants und von Urlaubsreisen ist in uns? Ist das Maß an Bewunderung anderer größer als die Verachtung?
VI. Vor 101 Jahren
Übrigens: Vor 101 Jahren wurden die Salzburger Festspiele gegründet: ein bewegtes Jahrhundert mit allen Fortschritten, Verwerfungen, Errungenschaften und Niederlagen. Für mich ist das Faszinierende aber nicht das - etwas weihrauchlastige - Jubiläum, sondern es sind die Umstände, in denen die Festspiele gegründet wurden: Nach einem verlorenen Krieg mit unendlichem
Leid wütete in unserem ausgebluteten, armen Land, das entsetzlich an Hunger litt, zudem die Spanische Grippe und holte reichhaltig Opfer aus einer ausgemergelten Bevölkerung. Das Land war in politischen Auseinandersetzungen zerrissen, mit einer Republik, die so eigentlich niemand wollte. All dies war nicht wirklich der ideale Nährboden dafür, Festspiele zu gründen. Dennoch gelang es!
Wenn auch die Zeit heute sich nicht mit der von damals vergleichen lässt, so ist doch eine Frage legitim: Welche großen Entwürfe schreiben wir heute? Haben wir noch den gesellschaftlichen, politischen, künstlerischen, sozialen Mut über Alltagstreit und nächste Wahltermine hinaus weit zu denken?

VII. Anstand
Meine Damen und Herren! Ich habe viele Fragen gestellt und keine beantwortet. Es sind die Salzburger Festspiele, die uns bei der Suche nach den Antworten helfen. "Die ewige Aufgabe der Kunst ist es, die Vergangenheit in Mythen und die Zukunft in Visionen gegenwärtig zu machen", schreibt Patrik J. Deneen. Genau dies wird Jahr für Jahr bei den Salzburger Festspielen neu verhandelt.
Heute wollen wir uns der neu gewonnenen Freiheit erfreuen. Wir wollen dabei nicht vergessen und verdrängen, vielmehr unsere Hoffnungen leben, an unsere Kraft glauben und an unserer Unschuld arbeiten. Das Wissen darum, dass es an uns Menschen mehr zu bewundern als zu verachten gibt, lässt uns ertragen, dass wir dem Schicksalshaften oft unergründlich ausgesetzt sind.
Und wenn wir blind waren, so seien wir sehend, wenn wir saturiert waren, so seien wir bewusst, wenn wir einsam waren, so mögen wir wieder Gemeinschaft erfahren, und wenn wir Abstand gefordert haben, dann lassen Sie uns daraus Anstand machen.Darum bitte ich Sie gerade heute in besonderem Maße!
Wie heißt es doch bei Camus: "Es ist das Leben, sonst nichts."
Seien Sie alle herzlich willkommen zu den Salzburger Festspielen 2021!

Aufgerufen am 17.09.2021 um 05:22 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/die-reden-zur-festspieleroeffnung-im-wortlaut-107138350

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