Salzburger Festspiele

Ferdinand von Schirach hält Rede bei den Salzburger Festspielen 2017

Der deutsche Erfolgsautor hat mit seinem "Terror"-Drama weltweit Schlagzeilen gemacht. Die Festspielleitung hält Ferdinand von Schirach für einen "idealen Festspielredner".

Ferdinand von Schirach wird in diesem Jahr die Festrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele halten. Zentrales Leitmotiv des Kulturfestivals sei das Thema "Macht", teilten die Festspiele am Montag mit.

Mit Von Schirach holt die Festspielleitung einen bekannten Autor als Festredner nach Salzburg, der zuletzt mit seinem Werk "Terror" weltweit Schlagzeilen gemacht hat. Er wurde 1964 in München geboren, lebt in Berlin. Er arbeitete 20 Jahre als Strafverteidiger. Mit 45 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch. Seine Erzählbände "Verbrechen" und "Schuld" sowie die Romane "Der Fall Collini" und "Tabu" wurden millionenfach verkauft. Sie erschienen bisher in mehr als vierzig Ländern. Ferdinand von Schirach wurde vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet.

Zum ersten Mal verantwortet Intendant Markus Hinterhäuser in diesem Jahr das Festspielprogramm. Viele Stücke widmen sich den Themen Macht und Ohnmacht. Von Schirach werde bei seiner Rede existenzielle Fragen aufwerfen und zum Denken anregen, erklärten Hinterhäuser und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler.

"Mit der Denkschärfe eines Strafverteidigers, mit der Argumentationsstärke eines großen Erzählers. Seine klare demokratische und rechtsstaatliche Haltung gibt Orientierung, seine überzeugend formulierten Gedanken machen ihn zum idealen Festspielredner 2017."

Schirach selbst plädiert für den anstrengenden und langwierigen "Ausgleich von Interessen", den nur demokratische Abläufe garantieren könnten. Der Macht müsse das Recht entgegengesetzt werden, sagt er. Die Prozessordnungen der Rechtsstaaten sind seines Erachtens eine der bedeutendsten Errungenschaften der Aufklärung.

Die Salzburger Festspiele finden von 21. Juli bis 30. August statt. Von Schirach wird seine Rede am 27. Juli in der Felsenreitschule halten.



Festredner zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 1964 - 2016

Jahr Redner Titel der Rede
2016 Konrad Paul Liessmann "Und mehr bedarfs nicht"
2015 Rüdiger Safranski "Macht der Zeit. Macht über die Zeit"
2014 Christopher Clark "Die Katastrophe des Jahres 1914"
2013 José Antonio Abreu "El Sistema"
2012 Peter von Matt "Kunst, Verschwendung und Gerechtigkeit"
2011 Joachim Gauck "Auf die Mutigen wartete das Gefängnis"
2010 Daniel Barenboim "Nicht warten, sondern auf den anderen zugehen"
2009 Daniel Kehlmann "Die Lichtprobe"
2008 Elke Heidenreich "Denn stärker als die Liebe ist der Tod"
2007 Jürgen Flimm "Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern der Müden nicht erbleichen…"
2006 - keine Festrede
2005 - keine Festrede
2004 István Szabó -
2003 Andrei Plesu -
2002 Peter Ruzicka -
2001 Peter Sloterdijk "Tau von den Bermudas"
2000 Jakob Kellenberger "Friede ist das Ergebnis harter Arbeit"
1999 Barbara Frischmuth "Das Heimliche und das Unheimliche"
1998 Kardinal Franz König "Europa braucht ein neues geistiges Antlitz"
1997 Christoph Ransmayr "Die dritte Luft oder Eine Bühne am Meer"
1996 Claudio Magris "Utopie und Entzauberung"
1995 Nikolaus Harnoncourt "Was ist Wahrheit? Oder Zeitgeist und Mode"
1994 George Steiner "Der Europa-Mythos"
1993 Árpád Göncz -
1992 Der 14. Dalai Lama "Menschliches Mitgefühl und universelle Verantwortung: Eine Grundlage des Glücks und des Friedens"
1991 Wolfgang Rihm "Was "sagt" Musik?"
1990 Václav Havel "Die Poesie ist zu Ende"
1989 Maurice Schumann "1789-1791. Vom aufsteigenden Licht einer Revolution zum Erlöschen eines Genies"
1988 Péter Hanák "Schöpferische Kraft und Pluralität in der mitteleuropäischen Kunst"
1987 Kurt Hübner "Festspiele als mythisches Ereignis
1986 Clemens August Andreae Kunstwerke zwischen Ästhetik und Ökonomik
1985 Jeanne Hersch Der Widerspruch in der Musik"
1984 Gerd Bacher "Die Beifallsgesellschaft und ihre Medien"
1983 Leo Gabriel "Sprache und Gespräch - Schöpferische Weltgestaltung"
1982 Hermann Josef Abs "Mäzenatentum als Verpflichtung und Beglückung"
1981 Hans-Georg Gadamer "Das Alte und das Neue"
1980 Wolfgang Hildesheimer "Was sagt Musik aus?"
1979 Sir Karl Popper "Schöpferische Selbstkritik in Wissenschaft und Kunst"
1978 Josef Klaus "Salzburger Weltoffenheit"
1977 Leopold Sedar Senghor "Österreich als Ausdruck der Weltkultur"
1976 Heinz Politzer "Musikerlöste Dämonie"
1975 Carl Friedrich von Weizsäcker "Die geheimnisvolle Wirklichkeit des Schönen"
1974 Oscar Fritz Schuh -
1973 Giorgio Strehler: "Max Reinhardt und heute"
1972 Eugène Ionesco "Die bedrohte Kultur"
1971 Helmuth Plessner "Das Geheimnis des Schauspielers"
1970 Carl Zuckmayer "Über die musische Bestimmung des Menschen"
1969 Pietro Quaroni "Festspiele und Massenmedien"
1968 Wystan H. Auden "Worte und Noten"
1967 Bernhard Paumgartner "Die Aufgabe Salzburgs"
1966 Clemens Holzmeister "Das Bauwerk der Salzburger Festspiele"
1965 Gabriel Marcel "Die Musik als Heimat der Seele"
1964 Salvador de Madariaga "Lob Salzburgs"


Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 20.11.2018 um 05:21 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/ferdinand-von-schirach-haelt-rede-bei-den-salzburger-festspielen-2017-1177498

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