Salzburger Festspiele

Festspiele: Schauspielproben mit Zollstock gestartet

Mit drei Schauspielproduktionen können die Salzburger Festspiele trotz Corona-Einschränkungen heuer aufwarten. Die Leiterin Bettina Hering erzählt vom ungewöhnlichen Probenbeginn - und wie das Jubiläum des "Jedermann" dieses Jahr gefeiert wird.

Schauspielchefin der Salzburger Festspiele Bettina Hering. SN/APA/BARBARA GINDL
Schauspielchefin der Salzburger Festspiele Bettina Hering.

Seit Montag wird für das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele geprobt. Zum Probenauftakt für "Zdenek Adamec" war Autor Peter Handke persönlich erschienen. Im Gespräch mit der APA sagte Schauspielchefin Bettina Hering, dass sie diese Art der Leseprobe noch nicht erlebt hätte: "Maß für Maß! Der Zollstock spielte bei der Aufstellung der Tische und Stühle eine entscheidende Rolle, unser aller Aufregung war groß."

Handkes Text wird vorab veröffentlicht

Hering sei es ein großes Anliegen gewesen, Handkes Stück noch dieses Jahr zur Uraufführung zu bringen. Der Text des Stücks ist noch unter Verschluss, die Schauspielchefin kündigte aber an, dass der Suhrkamp-Verlag diesen am 20. Juli - also noch vor der Premiere am 2. August - veröffentlichen werde. In "Zdenek Adamec" entstehe fast schwebend durch eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Menschen die Selbstverbrennung des jungen Zdenek, sagte Hering. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich auf dem Wenzelsplatz in Prag im Jahr 2003 im historischen Kontext von Jan Palach umgebracht hatte. "Es ist ein Spiel vom Fragen danach, was Realität ist und vom sprachlichen Wandern", schildert Hering.

Caroline Peters feiert ihr Debut als Buhlschaft

Der "Jedermann" hätte als "zentraler Teil der DNA der Salzburger Festspiele" ohnehin als "gesetzt" gegolten. Hering sagt zudem, dass sie glaube, dass die Rezeption des Stücks durch die Erfahrung aller im Umgang mit der Pandemie dieses Jahr anders sein wird. "Der Tod ist anders präsent in unserem Leben, so auch die Fragen an das Leben." Tobias Moretti wird erneut die Hauptrolle spielen, ihr Debut feiert die deutsche Schauspielerin Caroline Peters als Buhlschaft. "Caroline ist eine so fantastische Schauspielerin, dass ich keine Erwartung zu haben brauche, sondern mich nur darauf freue zu sehen, welches Geschenk sie wieder für uns alle auspackt", sagt Hering.

Als "wehen Punkt" bezeichnet die Schauspielchefin die abgespeckten Feierlichkeiten anlässlich des 100. Jahrestages der "Jedermann"-Premiere. Eigentlich wären alle Darstellerinnen und Darsteller, die jemals im Stück mitgespielt hatten, eingeladen gewesen, in einer szenischen Lesung in der Felsenreitschule teilzunehmen. 107 wären gekommen - dies musste jedoch abgesagt werden. "Ich bin aber sehr froh, dass wir am Morgen mit einer literarischen Rede im Rahmen der 'Reden zum Jahrhundert', gelesen von Elisabeth Orth, und Lesungen der ehemaligen Jedermänner Klaus Maria Brandauer, Peter Simonischek, Cornelius Obonya, Tobias Moretti und des Einspringers Philipp Hochmair in Gasthäusern der Stadt, mit den "Jedermann"-Verfilmungen auf dem Kapitelplatz doch noch feiern können."

"Everywoman" als Ergänzung zum "Jedermann"

Auch das Stück "Everywoman" von Milo Rau und Ursina Lardi steht heuer am Programm. Die Premiere wird am 19. August in der Szene Salzburg stattfinden. Bettina Hering spezifiziert: "Everywoman" beschäftige sich mit den existenziellen Fragen, die der "Jedermann" auch stelle: "Was bleibt am Ende des Lebens? Milo Rau und Ursina Lardi analysieren genau, wie wir die Grundlagen des Lebens täglich weiter zerstören und gleichzeitig in einem Kraftakt den Tod verdrängen. Aber auch die daraus resultierende Frage: Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Kann es noch Erlösung geben?"

Auf nächstes Jahr verschoben werden musste Friedrichs Schillers "Maria Stuart", das Martin Kušej inszeniert hätte, "Das Bergwerk zu Falun" in der Regie von Jossi Wieler sowie Shakespeares "Richard III"in der Inszenierung von Karin Henkel.

Zur Person: Bettina Hering, geboren 1960 in Zürich, studierte Germanistik, Philosophie und anthropologische Psychologie. Zunächst arbeitete sie als Regieassistentin in Hamburg und Frankfurt, danach als Regisseurin und Dramaturgin. Seit 1991 lebt sie in Wien. 2012 bis 2016 war sie Künstlerische Leiterin des Landestheaters Niederösterreich, seit der Saison 2017 leitet sie das Schauspiel bei den Salzburger Festspielen.

Quelle: SN/Apa

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