Salzburger Festspiele

Helga Rabl-Stadler: "Jeder Anfang bringt einen Energieschub"

Einem Aufbruch folgen Gefahren, doch Helga Rabl-Stadler sieht das anders.

Helga Rabl-Stadler vor einem Tor von Josef Zenzmaier am Haus für Mozart. /LEO SN/www.neumayr.cc
Helga Rabl-Stadler vor einem Tor von Josef Zenzmaier am Haus für Mozart. /LEO

Seit 22 Jahren ist Helga Rabl-Stadler Festspiel-Präsidentin, doch auch für sie ist heuer einiges neu.

SN: Fangen Sie gern etwas an?
Helga Rabl-Stadler: Sehr gern! Es gilt nicht nur, was Hermann Hesse gedichtet hat: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." Für mich bringt jeder Anfang einen Energieschub. Auch aus diesem Grund ist es merkwürdig, dass ich schon so lang bei den Salzburger Festspielen bin.

Woher kommt dieser Energieschub?
Alles ist offen! Ich gehöre nicht zur Mehrzahl der Österreicher, die in jeder Änderung nur die Gefahr des Schlechteren sieht. Da ich positiv denke, sehe ich an jedem Anfang die Möglichkeit der Veränderung zum Besseren. Weil Sie vor Kurzem in Ihrer Zeitung über Henry David Thoreau berichtet haben - ich liebe seinen Satz: "Wenn wir uns von unseren Träumen leiten lassen, dann übertrifft der Erfolg alle Erwartungen."

Was ist an der Intendanz Markus Hinterhäusers anders als bisher?
Er ist eine wunderbare Mischung: Er ist ein Festspielprofi, hat während seiner ganzen Studentenzeit die Salzburger Festspiele mitbekommen. Er war - damals mit Tomas Zierhofer-Kin - als Erfinder von "Zeitfluss" (1993 bis 2001 Reihe zeitgenössischer Musik in der Kollegienkirche) hochgelobt. Er war ein hervorragender Konzertchef unter der Intendanz Jürgen Flimms.

Leider gibt es viele Intendanten, die das Publikum eher als Belästigung empfinden und eigentlich nur für ihresgleichen tätig sein wollen. Doch da ist Markus Hinterhäuser - auch wenn das altmodisch klingt - demütig. Es interessiert ihn die Meinung des Publikums. Das heißt nicht, dass er im vorauseilenden Gehorsam nur leichte Dinge aussucht. Er will die Leute verführen, er will sie fordern. Er hat viel Erfahrung sowie die Gabe, ein besonderer Intendant zu werden.

Er ist auch Künstler, spielt Konzerte, ist aber nicht prädestinierter Manager.
Dafür hat er andere, unter anderem mich. Zudem hat er - da möchte ich an Sven-Eric Bechtolf erinnern - das Glück, ein finanziell bestens aufgestelltes Unternehmen zu übernehmen. Er hat auch große Fähigkeit zur Motivation. Und dank seines dramaturgischen Geschicks, Werke und Künstler zusammenzubringen, entstehen Konstellationen, die sonst nirgends zu erleben sind. Daher ist es Glück, einen so begabten, tüchtigen Menschen an der Spitze zu haben.

Wie geht es Ihnen mit dem neuen Kaufmännischen Leiter, Lukas Crepaz?
Er und ich empfinden es als Glück, den jeweils anderen zu haben. Er weiß es zu schätzen, dass ich es ihm so leicht mache. Und mir ist schleierhaft, wie ich die letzten sieben Jahre beide Ämter (Präsident und Kaufmännische Leitung) allein bewältigt habe - noch dazu diese rege Bautätigkeit!

Welche Bautätigkeit?
Eigentlich wollten wir nur den Brandschutz im Großen Festspielhaus erneuern. Doch immer, wenn wir eine Sache aufgemacht haben, sind zehn andere Notwendigkeiten herausgekommen. So müssen wir de facto eine Generalsanierung machen. Andere Häuser, wie die Staatsoper in Berlin, werden dafür jahrelang geschlossen. Auch die Oper Frankfurt sperrt jetzt zu und bekommt 200 Millionen Euro. Aber wir machen das bis 2020 großteils bei laufendem Betrieb. Ich bin so froh, dass wir Lukas Crepaz haben!

Wie ist sein Arbeitsstil?
Er ist sehr organisiert, sehr prozessorientiert - dieses Wort gebraucht allerdings er, nicht ich. Beide wollen wir nicht Kosten sparen, um die Kunst zu erwürgen, sondern um sie zu ermöglichen.

Wie ist die neue Schauspielchefin?
Bettina Hering denkt sehr interessant in dramaturgischen Zusammenhängen. Sie hat unterschiedliche Spielstätten zu betreuen - Pernerinsel, Landestheater, Domplatz und Großes Festspielhaus (als Regen-Spielort für den "Jedermann", Anm.).

Sie ist also am meisten unterwegs.
Nein, Konzertchef Florian Wiegand ist am meisten unterwegs. Er und sein Team haben insgesamt acht Spielstätten zu betreuen. Und übrigens ist er mehr als nur Konzertchef: Er ist für den Intendanten und mich als kluger, auch finanziell bedachter Mitgestalter unverzichtbar, und er ist für mediale Verwertung zuständig - Festspieldokumente, Unitel-Verträge, Fernseh- und Rundfunkübertragungen.

Woran im Alltag des Festspielhauses erkennt man, dass drei Neue auf der Führungsebene tätig sind?
Harmonie hat sich breitgemacht. Auch in einem großen Betrieb bemerken offenbar die Mitarbeiter, ob an der Spitze gegen einander oder gemeinsam gearbeitet wird. Zudem ist Markus Hinterhäuser an Menschen interessiert. Er redet mit dem Tischler in unseren Werkstätten mindestens so gern wie mit einem Generaldirektor.

Für Sie selbst ist in diesem Sommer neu, dass Ihnen erstmals seit 2010 nicht mehr die Kaufmännische Leitung obliegt. Was bleibt Ihnen zu tun?
Oh, viel! Wie Sie sehen, komme ich jetzt um halb neun schon aus dem Festspielhaus. Ich hoffe, in diesem Sommer viele Kunstfreunde und -freundinnen dafür zu gewinnen, ihre Liebe zur Kunst durch finanzielle Beiträge zum Ausdruck zu bringen. Und Sponsoren zu halten ist mindestens so schwierig, wie neue zu gewinnen!

Da muss mir einiges gelingen, wenn wir das Programm so anspruchsvoll fortführen wollen, wozu wir fest entschlossen sind.


Aufgerufen am 21.01.2018 um 05:55 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/helga-rabl-stadler-jeder-anfang-bringt-einen-energieschub-15536047

Kerr, Pfister und Cooper - die SN-Buchtipps

SN-Redakteur Anton Thuswaldner hat für Sie die Büchertipps der Woche zusammengestellt. Alfred Kerr: Was ist der Mensch in Berlin? Briefe eines europäischen Flaneurs. Hg. von Deborah Vietor-Engländer. Mit …

Meistgelesen

    Video

    Karl Nehammer - Nationalratsabgeordneter ist neuer ÖVP-Generalsekretär
    Play

    Karl Nehammer - Nationalratsabgeordneter ist neuer ÖVP-Generalsekretär

    Am Universitätsball tanzen die Gäste wie zu Mozarts Zeiten
    Play

    Am Universitätsball tanzen die Gäste wie zu Mozarts Zeiten

    Schlagzeilen