Salzburger Festspiele

Salzburger "Ouverture Spirituelle" ringt mit der "Passion"

Die Salzburger Festspiele, glamouröse Sommerfrische der Edelklassik, beginnen auch in diesem Jahr mit Besinnung und Einkehr. Die Auftaktwoche vor der offiziellen Eröffnung und der ersten Opernpremiere - heuer "Die Zauberflöte" - setzt die schon zur Tradition gewordene Konzertreihe "Ouverture Spirituelle" fort. Heuer sucht man unter dem Generalthema "Passion" das Leiden als Quell der Kunst auf.

Hinterhäuser ist als Pianist bei "Zeit mit Ustwolskaja" dabei SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Hinterhäuser ist als Pianist bei "Zeit mit Ustwolskaja" dabei

Kent Nagano, Festspielstammkünstler, und sein Orchestre Symphonique de Montreal, Festspieldebütant, eröffnen mit einem Komponisten, der diesem Orchester eng verbunden ist: Krzysztof Penderecki. Seine gewaltige "Lukaspassion" für Soli, Sprecher, drei gemischte Chöre, Knabenchor und Orchester nimmt am 20. Juli in der Felsenreitschule Kurs auf die "Passion" in all ihren Facetten: Als klassisch-musikalisches Genre, das vom Leiden und Sterben Jesu Christi berichtet, als wörtlich ebenso mit "Leidenschaft" zu übersetzende künstlerische Voraussetzung und als Wegweiser gerade auch ins Zeitgenössische.

Die Konzertreihe, die in Summe 14 Konzerte umfasst, "versammelt diesmal Werke, die das Erduldete fühlbar machen, das Durchlebte, Durchlittene, das obsessiv Verhandelte", heißt es im Programmtext. Man werde auch das Publikum nicht mit "klingenden Kreuzwegen" verschonen. So verschränkt Violinistin Isabelle Faust Sonaten von Bach mit der Rosenkranzsonate von Heinrich Ignaz Franz Biber, Beethovens "Christus am Ölberge" wird ebenso geboten wie Liszts spätes "Via crucis - Les 14 Stations de la Croix" oder Renaissancemusik aus dem Officium der Karwoche mit Jordi Savall. In der Felsenreitschule zelebriert man Bachs h-moll Messe, zum Abschluss der Ouvertüre spielen die Philharmoniker unter Andris Nelsons Mahlers "Auferstehungs"-Symphonie im Großen Festspielhaus.

Einen großen Block innerhalb des Reigens nimmt der Schwerpunkt "Zeit mit Ustwolskaja" ein. Fünf Konzerte stehen im Zeichen der russischen Komponistin (1919-2006), deren "schmerzhafter, dissonanzreicher Stil" den Widerstreit von "Leid und Leidenschaft, unerschütterlichem Glauben und tiefer Verzweiflung" vereine wie wenig andere. Ihre oft nur als "Komposition" benannten Werke tragen Untertitel wie "Dona nobis pacem" oder "Dies irae", als Zentrum ihres Werks gelten sechs Klaviersonaten, die "zum Prüfstein für Interpreten und Publikum gleichermaßen" werden. Interpret bei diesem Konzert, das sich mit Startzeit 22 Uhr ein nächtliches Unterfangen vorgenommen hat, ist Festspielintendant und Pianist Markus Hinterhäuser.

Quelle: APA

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