Salzburger Festspiele

Caroline Peters ist die neue Buhlschaft im Jedermann 2020 der Salzburger Festspiele

Eine der derzeit besten Schauspielerinnen wird die Buhlschaft der Salzburger Festspiele 2020: Caroline Peters. Donnerstagmittag wurde Peters in Wien als "Jahrhundert"-Buhlschaft der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dass die Salzburger Festspiele 2020 eine eigenwillige, einfallsreiche und charakterstarke Buhlschaft bekommen, zeigt sich allein an der Frage nach dem Kleid. Wenn sie wählen dürfte: Welche Farbe sollte es haben? Auch wenn kaum jemand sie schätze, "ich liebe die Farbe Gelb", sagte Caroline Peters. Da diese so "viele verschiedene Symbolanhängsel" habe, sei es eine Farbe, "die mich äußerst vergnügt". Und: Es sei "keine seriöse Farbe". Allerdings: Was sich für ihr Kleid auf dem Domplatz finden werde, liege freilich auch in den Händen der Kostümbildner Renate Martin und Andreas Donhauser.

Wer ihr derzeit im Kasino des Burgtheaters aufgeführtes "Theblondproject" besucht, das sie mit Gesine Danckwart gestaltet hat, wird sich nicht wundern, dass sie Blond als die prädestinierte Haarfarbe für ihre Buhlschaft erachtet.

Obgleich Caroline Peters gegen Ende der Pressekonferenz am Donnerstag in Wien gestand, dass sie den "Jedermann" in Salzburg noch nie auf dem Domplatz gesehen habe und die einzige von ihr besuchte Vorstellung wegen Regens im Großen Festspielhaus gewesen sei, gab sie viele durchdachte und witzige Antworten zu Stück und Rolle. Etwa: Welche ihrer Buhlschafts-Ahninnen mag sie? "Ich bin ein großer Bewunderer von Senta Berger." Sie möge die "damenhafte, erwachsene, weibliche Schönheit" dieser fantastischen Schauspielerin. Und "toll" finde sie die zwei Kolleginnen, mit denen sie selbst am meisten gespielt habe, Sophie Rois und Birgit Minichmayr. Beide hätten "ungewöhnliche Frauentypen", die keine Frauen-Klischees erfüllten, auf die "Jedermann"-Bühne gebracht.

Eine ihrer Stärken als Schauspielerin ist das komödiantische Talent. Was fängt sie mit dem auf der "Jedermann"-Bühne an? Ja, die Frage nach Humor in diesem Stück habe sie sich auch gestellt, erwidert Caroline Peters. "Ha! Dann tritt man auf und es lachen alle? Das wird wohl nicht passen!" Zufällig habe sie am Vorabend eine Fernsehserie angeschaut, "in der nur Komödianten extrem ernste Rollen spielen". Plötzlich seien diese "ausgeprägt komischen Schauspieler" erstaunlich kraftvoll erschienen, "da war unglaublich viel los in jeder Szene". Offenbar sei also das komische Talent auch in anderer Richtung nutzbar. Komik bedeute vielleicht "eine bestimmte Kraft, einen Willen zur Übertreibung". Und dies könne auf dem Domplatz nicht schaden.

Das Spielen im Freien und auf dem Domplatz sei für sie die größte Herausforderung, sagte Caroline Peters. "Ich kann mir noch nicht vorstellen, wie das ist - stimmlich, sprachlich, dass man den Himmel über sich sieht und dass Geräusche von Stadt und Natur mit in die Inszenierung hineinspielen."

Warum wird die Buhlschaft so oft neu besetzt? Binnen fünf Jahren ist Caroline Peters die vierte. In der 100-jährigen Geschichte des Salzburger "Jedermann" hätten Buhlschaften eine kürzere Lebensdauer als Jedermänner, erläuterte Schauspielchefin Bettina Hering. Viele hätten nur ein Jahr "ihr Amt ausgeführt". Warum hört Valery Tscheplanowa, Buhlschaft von 2019, nach einem Sommer auf? "Das ist eine interne Angelegenheit", erwiderte Bettina Hering. Und Caroline Peters stellte klar: "Ich bin nur für dieses Jahr gefragt worden." Über die Dauer könne sie noch nichts sagen.

Präsidentin Helga Rabl-Stadler entschuldigte für die Pressekonferenz den erkrankten Tobias Moretti, der 2020 zum dritten Mal die Titelrolle spielen wird. Die Wiederaufnahme der Inszenierung Michael Sturmingers wird allein deshalb interessant, weil Tobias Moretti von dieser pfundigen Schauspielerin gehörig gefordert werden wird.

Sie stammt aus Mainz und Köln und ist seit 2004 Ensemblemitglied am Burgtheater in Wien. Bei den Salzburger Festspielen ist ihr im Vorjahr das Bravourstück gelungen, als glänzende Ensemblespielerin das eigentlich mittelmäßige Stück "Die Empörten" von Theresia Walser in einen köstlichen Theaterabend zu verwandeln. Ihre populärste Fernsehrolle ist die Hauptkommissarin der bis 2014 gesendeten ARD-Serie "Mord mit Aussicht".

Jedermann/Premiere: 18. Juli 2020

Name Funktion/Rolle
Michael Sturminger Regie
Renate Martin, Andreas Donhauser Bühne und Kostüme
Wolfgang Mitterer Komposition und Musikalische Leitung
Stefan Ebelsberger, Hubert Schwaiger Licht
Andreas Heise Choreografie
Angela Obst Dramaturgie
Peter Lohmeyer Stimme des Herrn / Tod / Der Spielansager
Tobias Moretti Jedermann
Edith Clever Jedermanns Mutter
Gregor Bloéb Jedermanns guter Gesell / Teufel
Markus Kofler Der Koch
Helmut Mooshammer Ein armer Nachbar
Michael Masula Ein Schuldknecht
Martina Stilp Des Schuldknechts Weib
Caroline Peters Buhlschaft
Björn Meyer Dicker Vetter
Tino Hillebrand Dünner Vetter
Christoph Franken Mammon
Mavie Hörbiger Werke
Falk Rockstroh Glaube

Weitere Vorstellungen: 19., 21., 26., 27., 30. Juli, 1., 7., 8., 11., 17., 18., 22., 26. August 2020 (Domplatz, bei Schlechtwetter im Großen Festspielhaus)

"Unsere Jahrhundert-Buhlschaft"

Dass sie von Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler als "unsere Jahrhundert-Buhlschaft" vorgestellt wurde, brachte Caroline Peters zum Schmunzeln: "Eine Jahrhundert-Buhlschaft kann es eben nur alle 100 Jahre geben. Mal sehen, wer es im Jahr 2120 sein wird." Über die Dauer ihres Domplatz-Engagements könne sie "noch gar nichts sagen - erst muss es einmal stattfinden".

Dass Valery Tscheplanowa die Buhlschaft nicht als Rolle, sondern als Auftritt charakterisiert habe, könne sie gut nachvollziehen. "Es sind zwei Aufgaben, die man hat. Auftreten, abtreten und dazwischen was gespielt zu haben, ist die eine. Die zweite ist das Amt, das man übernimmt, und dass man sich dabei in eine Reihe stellt." Mit dem katholischen Gehalt des Hofmannsthal-Stücks habe sie sich noch nicht sehr auseinandergesetzt. Sie sei protestantisch erzogen worden und habe daher etwa in Köln, wo sie aufgewachsen sei, den Karneval "immer mit ein bisschen Neid betrachtet": Dort dürfe man über die Stränge schlagen, "und danach gibt's die Absolution". Ähnliches finde sie im "Jedermann".

Die Sturminger-Inszenierung hat Caroline Peters "als Aufzeichnung gesehen. Sie gefällt mir sehr gut." Dies wäre auch ein Kriterium vor ihrer Zusage gewesen. Und die Frage, ob sie ihr viel gerühmtes komödiantisches Talent vielleicht auch am Domplatz einbringen werde können, "habe ich mir auch schon gestellt". Als ein Vorbild, "komisches Talent vielleicht auch in anderer Richtung nutzbar zu machen", nannte sie eine Serie auf Apple-TV, "in der lauter Komödianten unfassbar ernste Rollen gespielt haben". Außerdem gelte wohl: "Wille zu Expressivität und Übertreibung kann ja am Domplatz nicht schaden."

Das sommerliche Festspieltreiben in Salzburg hat sie zuletzt im vergangenen Jahr (als Mitwirkende in "Die Empörten") miterlebt. Es sei ein "unglaublicher Zirkus", "eine eigene Welt", in der die "Jedermann-Welt" noch einmal etwas Eigenes sei. "Bisher habe ich sie nur aus der Ferne betrachtet."

Präsentation der neuen Buhlschaft in Wien: Präsidentin Helga Rabl-Stadler, Schauspielerin Caroline Peters, Schauspiel-Leiterin Bettina Hering. SN/APA/HANS PUNZ
Präsentation der neuen Buhlschaft in Wien: Präsidentin Helga Rabl-Stadler, Schauspielerin Caroline Peters, Schauspiel-Leiterin Bettina Hering.

Ein reifes Paar auf der Bühne

Peters (geboren: 7. September 1971) ist mit 48 Jahren die älteste Buhlschaft in der Geschichte der Festspiele. Elisabeth Trissenaar war 1978 bei ihrem Buhlschafts-Debüt 43 Jahre alt. Die Jüngste in der Reihe der nunmehr 35 Buhlschaften war Grete Zimmer mit 23 Jahren bei den Festspielen 1946.

Allerdings ist Caroline Peters deutlich jünger als ihr Geliebter, der Jedermann. Tobias Moretti feierte nämlich heuer am 11. Juli seinen 60. Geburtstag. Ein reifes Paar wird also im kommenden Jahr auf der Bühne stehen.

Jedermann bei den Festspielen

Saison/en Buhlschaft Jedermann
1920-1921 Johanna Terwin Alexander Moissi
1926-1937 Dagny Servaes Alexander Moissi, Paul Hartmann, Attila Hörbiger
1946 Grete Zimmer Ewald Balser
1947 Elfi Gerhart Attila Hörbiger
1948-49 Maria Becker Attila Hörbiger
1950-1951 Judith Holzmeister Attila Hörbiger
1952 Lola Müthel Will Quadflieg
1953-1955 Heidemarie Hatheyer Will Quadflieg
1956-1959 Martha Wallner Will Quadflieg
1960 Sigrid Marquardt Walter Reyer
1961-1962 Ellen Schwiers Walter Reyer
1963 Maria Emo Walter Reyer
1964 Anna Smolik Walter Reyer
1965-1966 Eva Kerbler Walter Reyer
1967-1968 Nadja Tiller Walter Reyer
1969-1972 Christiane Hörbiger Ernst Schröder
1973 Nicole Heesters Curd Jürgens
1974 Christiane Hörbiger (bis auf eine Vorstellung eingesprungen für Senta Berger) Curd Jürgens
1974-1978 Senta Berger Curd Jürgens, Maximilian Schell
1979 Christiane Buchegger Maximilian Schell
1980-1982 Senta Berger Maximilian Schell
1983-1986 Marthe Keller Klaus Maria Brandauer
1987-1989 Elisabeth Trissenaar Klaus Maria Brandauer
1990-1993 Sunnyi Melles Helmuth Lohner
1994-1997 Maddalena Crippa Helmut Lohner, Gert Voss
1998 Sophie Rois Gert Voss
1999-2001 Dörte Lyssewski Ulrich Tukur
2002-2004 Veronika Ferres Peter Simonischek
2005-2006 Nina Hoss Peter Simonischek
2007 Marie Bäumer Peter Simonischek
2008-2009 Sophie von Kessel Peter Simonischek
2010-2012 Birgit Minichmayr Nicholas Ofczarek
2013-2015 Brigitte Hobmeier Cornelius Obonya
2016 Miriam Fussenegger Cornelius Obonya
2017-2018 Stefanie Reinsperger Tobias Moretti
2019 Valery Tscheplanowa Tobias Moretti, Philipp Hochmair (für erkrankten Moretti)
2020 Caroline Peters Tobias Moretti
Quelle: SN-Hkk, Apa

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