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SN-Kulturgespräch

Kulturgespräch: Wozu brauchen wir noch Opern?

Der Opernintendant Serge Dorny rückt in die Nähe von Salzburg: Ab Herbst leitet der Belgier die Bayerische Staatsoper in München. Bei seinem Besuch bei den Salzburger Festspielen spricht er mit Kulturchefin Hedwig Kainberger über Erfahrungen in Lyon, Pläne für München und Eindrücke aus Salzburg.


Der neue Intendant der Münchner Oper wird die nächste Spielzeit mit einem ungewöhnlichen Eröffnungsfest beginnen: mit einem "Oper für alle"-Konzert des Staatsorchesters und Jonas Kaufmann in Ansbach und dann einem zweitägigen "Septemberfest" in München mit tagsüber mehreren, rund einstündigen Präsentationen aus Oper und Ballett zu Eintritten von bis zu 25 Euro. Mit solchen kurzen Formaten und günstigen Preisen solle neues Publikum angelockt werden, sagte Serge Dorny am Montag in der SN-Reihe "Live & Direkt".

Digitale Formen und digitale Medien könnten einen Besuch im Opernhaus nicht ersetzen. "Theater und Oper brauchen physische Anwesenheit des Publikums", sagte Serge Dorny, der in München ab 1. September auf Nikolaus Bachler folgt. Dieser wird Intendant der Osterfestspiele Salzburg.

Ein präsentes, konzentriertes Publikum sei "ein wichtiger Darsteller" in einer Opernaufführung, sagte Serge Dorny. Denn es fließe Energie zwischen Publikum und Künstlern auf der Bühne. Zudem seien Oper und Theater Orte für gesellschaftliches Zusammenkommen - als Gegengewicht zu immer länger allein verbrachter Zeit, etwa vor Computerbildschirmen.

Während man auf digitalen Geräten zappe, ein paar Sekunden schaue und dann weiterklicke, setze eine Opernaufführung auf Zuhören und Betrachten, sagte Serge Dorny. "Sind wir noch in der Lage, anderen konzentriert zuzuhören, oder gehen wir auf etwas Populistisches zu?"

Zudem solle Oper nicht einfache Antworten geben, sondern Elemente anbieten, um mit- und nachzudenken. Auch insofern gelte: "Oper kann nicht demagogisch sein."

Serge Dorny ist einer der Initiatoren des Gerard-Mortier-Preises, der heute, Dienstag, in Salzburg verliehen wird. Mit dieser Auszeichnung für Opernregie ergibt sich in Salzburg zum Programm für junge Sänger, zum Wettbewerb junger Dirigenten eine dritte Nachwuchsförderung. Serge Dorny versichert: Es sei stets Anliegen Gerard Mortiers gewesen, junge Künstler und Erneuerung zu fördern.

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