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Wolken, Regen, Gewitter - wo stirbt heute der "Jedermann"?

Bei keiner Festspielveranstaltung fällt dem Wetterbericht eine so hohe Bedeutung zu wie beim "Jedermann" (Premiere heute, Sonntag, 21 Uhr). Denn der reiche Mann stirbt nicht bei Regen, zumindest nicht auf dem Salzburger Domplatz.

Stefanie Reinsperger (r.) in der Rolle der "Buhlschaft" und Tobias Moretti als "Jedermann". SN/APA/BARBARA GINDL
Stefanie Reinsperger (r.) in der Rolle der "Buhlschaft" und Tobias Moretti als "Jedermann".

Weil Bühne und Zuschauertribüne nicht überdacht sind, findet das Stück bei Schlechtwetter im Großen Festspielhaus statt - oder muss bei einem plötzlichen Gewitter oder Schauer dorthin übersiedeln.

"In Salzburg sind besonders im Sommer punktgenaue Prognosen schwer möglich", erklärte Alexander Ohms von der Wetterdienststelle Salzburg. "Gewitter und Regenschauer kommen oft nicht als Front, sondern entstehen sehr rasch vor Ort, etwa über dem Gaisberg oder dem Untersberg."

Besonders die Spätnachmittage und Abende, an denen die Aufführungen beginnen, seien gewitteranfällig. "Da kann es schon einmal passieren, dass es auf sehr kleinem Raum fünf Minuten heftig regnet - obwohl es rund herum schön ist."

Die Frage sei, ob die Festspiele das Risiko in Kauf nehmen, am Domplatz zu spielen. Grundsätzlich werde versucht, möglichst viele Aufführungen im Freien zu spielen. Denn der "Jedermann" lebt auch vom Flair seiner Kulisse - dem Platz und der Fassade des Salzburger Doms. Zugleich ist eine Unterbrechung der Aufführung und der Umzug in das Große Festspielhaus mit viel Aufwand verbunden. "Das ist eine Variante, die man vermeiden will", sagte Ohms. Besonders die Premiere soll dabei draußen spielen. "Da wird oft sehr lange überlegt. Da kann es schon einmal sein, dass die Festspielpräsidentin selbst zum Telefon greift und uns anruft."

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) betreut das "Jedermann"-Team von der ersten Probe bis zur letzten Vorstellung. "Wir machen am Tag der Aufführung um die Mittagszeit eine Vorschau, je nach Eindeutigkeit der Wetterlage auch noch einmal bis zu zwei Stunden vor Beginn. Da muss aber die letzte Entscheidung fallen", erklärte Ohms.

Die Meteorologen arbeiten dabei mit Niederschlagswahrscheinlichkeiten. "Es gibt eindeutige Tage mit stabiler Wetterlage, da kommen die Modelle zu einem klaren Ergebnis. Aber an Tagen, wo sich im Sommer einzelne Schauer und Gewitter in der Region bilden und mit Pech auch den Domplatz treffen können, ist das manchmal schwer." Und zu voreilig sollte man den "Jedermann" nicht ins Festspielhaus verlegen. "Ein Fehlalarm ist fast noch schlimmer als ein Umzug", sagte Ohms. "Wenn die Zuschauer entgegen der Prognose bei schönem Wetter ins Festspielhaus gehen und bei schönem Wetter wieder herauskommen, ist die Enttäuschung vielleicht groß."

Die Premiere am Sonntag stehen wettermäßig übrigens unter keinem guten Stern. "Das Wochenende wird sehr instabil. Vor allem wird der Sonntag aus heutiger Sicht nass und schaueranfällig." Die Chance auf eine Premiere im Freien sieht Ohms bei lediglich 20 Prozent. Übrigens: Trifft der Regen vor der Szene mit dem Auftritt des "Mammons" ein, siedeln Schauspieler, Techniker und Publikum ins Festspielhaus, kommt das Schlechtwetter später, wird die Vorstellung beendet.

Aufgerufen am 04.12.2021 um 03:38 auf https://www.sn.at/salzburger-festspiele/wolken-regen-gewitter-wo-stirbt-heute-der-jedermann-36774241

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