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Akuter Reformbedarf betrifft auch die Lungauer Wirtschaft

Wirtschaftskammerobmann wünscht sich 2000 zusätzliche Gästebetten im Bezirk.

Akuter Reformbedarf betrifft auch die Lungauer Wirtschaft SN/bernhard schreglmann
Die Lage am Arbeitsmarkt schätzen Lungauer Wirtschaftsexperten positiv ein, erkennen aber auch Potenzial für mehr gemeinsames Streben.

1200 Betriebe sind in der Wirtschaftskammer des Bezirkes zusammengefasst. Wolfgang Pfeifenberger ist seit 28 Jahren selbstständiger Buchhändler in Tamsweg und steht seit zehn Jahren an der Spitze der Wirtschaftskammer Lungau. Als Verleger begann er 1988 - mit dem Werk über den "Bischof vom Lungau, Valentin Pfeifenberger".

Dass man im Lungau etwas bewegen kann, davon ist er überzeugt. Zum einen sieht er seinen Betrieb, der sich ausschließlich auf den Buchhandel konzentriert und eine Marktlücke abdeckt, als Paradebeispiel.

Das Engagement von Entscheidungsträgern der Kammer sieht er durch jüngste Erfolge im Zuge der Ausschreibungsmöglichkeiten für den Krankenhausausbau bestätigt: "Da haben wir durchgesetzt, dass heimische Betriebe mit anbieten können, auch wenn sie über keine bürokratisch vorgeschriebene Erfahrung im Krankenhausbau verfügen - woher auch?"

Mit der Wirtschaftskammer möchte er sich verstärkt dem Thema Biosphärenpark widmen. Aber nicht nur aus Umweltgründen oder zur Stärkung der Tourismuswirtschaft, wie er im "LN"-Gespräch betonte: "Biosphärenpark ist ein Thema, das alle Institutionen, Gemeinden, Unternehmen, Schulen, Vereine - im Grunde alle Lungauer betrifft. Er würde die Chance mit sich bringen, dass wir uns gemeinsam in eine Richtung entwickeln - unter dieser Dachmarke. Zweifelsfrei - das funktioniert derzeit noch nicht reibungslos."

Auf die wirtschaftliche Entwicklung im Lungau angesprochen, äußert sich Pfeifenberger optimistisch: "Die Auslastung im Handel oder am Bau ist gut. Die Lage stabilisiert sich, die Nachfrage nach Arbeitskräften wird stärker. Wir sind touristisch gut unterwegs. Wir verkaufen uns bei der Auftragsvergabe da und dort leider unter Wert. Unsere Firmen, ihre Mitarbeiter, haben über die Gaugrenzen hinaus besten Ruf. Wir können lagebedingt ohnehin nur mit Qualität bestehen."

Kritik, dass sehr gute Schulen junge Lungauer für den heimischen Markt überqualifizieren, lässt der Wirtschaftsbundchef nicht gelten: "Lungauer führen allerorts hervorragende Unternehmen. Lungauer sind beispielsweise als Juristen in Salzburg erfolgreich tätig. Die Schulen bieten letztlich auch akademische Arbeitsplätze. Was Betriebsansiedlungen betrifft, da ist die Politik gefordert. Darin sehe ich aber kein Allheilmittel."

Ansiedlung von Großbetrieben, was ohnehin nicht im Raum steht, würde einen Personalbedarf verursachen, den der Lungau gar nicht abdecken kann.

Investitionsbedarf ortet Pfeifenberger da eher im touristischen Bereich: "Wir brauchen 1000 Qualitätsbetten und weitere 1000, die ich zum Teil auf den Bauernhöfen sehe. Da könnten wir unsere Region, sprich unsere Biosphäre, unterstreichen und Bauern im Lungau ein zusätzliches Einkommen ermöglichen. Bausubstanz für "Urlaub am Bauernhof" wäre genug vorhanden."

Im "LN"-Gespräch sparte der Buchhändler nicht mit Kritik an "seiner" Organisation. "Natürlich spüren wir auch Reformbedarf. Die Blockierer in den eigenen Reihen verhindern Entwicklungen. Es will keiner seine eigenen Pfründe abgeben. Letztlich müssen wir im Lungau alle darauf achten, dass wir unsere Entwicklung selbst in die Hand nehmen, ehe sie uns von außen auferlegt wird. Beispiele dafür gibt es in unserer Nachbarschaft genug."

Der Wirtschaftskammerchef sitzt auch im Entscheidungsgremium über EU-Projekte. Die Kritik, dass dort Fördergeld "verbrannt" werde, teilt er (erwartungsgemäß) nicht. Er räumt aber ein, dass da und dort bei mehr Gemeinschaftswillen größere und effektivere Schritte durchaus möglich wären.

Aufgerufen am 13.11.2018 um 02:23 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/akuter-reformbedarf-betrifft-auch-die-lungauer-wirtschaft-1112038

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