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Die Kleinen schaffen die Jobs

Es sind vor allem Jungunternehmen, die mehr Jobs als "alte" Firmen schaffen. Allerdings sind die Arbeitsplätze in diesen Firmen wackelig und auch schnell wieder weg.

 SN/sn / bilderbox167921

Seit Jahren steigt in Österreich die Arbeitslosenquote konti nuierlich an, die Wirtschaft wächst zu schwach, sodass die Zahl der neu geschaffenen Stellen nicht mit dem wachsenden Arbeitskräfteangebot mithalten kann. WU-Professor Harald Oberhofer, gleichzeitig auch Wissenschafter am Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO), und seine Kollegen Peter Huber vom WIFO und Michael Pfaffermayr (Universität Innsbruck, WIFO) untersuchten in ihrer aktuellen Studie, welche Unternehmen in Österreich die meisten Arbeitsplätze schaffen und wie viele Arbeitsplätze im Vergleich dazu durch Marktaustritte anderer Unternehmen zerstört werden. Als Untersuchungsbasis dienten Daten über alle österreichischen Unternehmen zwischen 1993 und 2013, nur Unternehmensgründungen blieben in ihrem ersten Tätigkeitsjahr unbeachtet.

Um eine Unterscheidung zwischen der gesamten Untersuchungsperiode und den Arbeitsplatzeffekten der Großen Rezession machen zu können, wurde anschließend der Datensatz auf die Jahre von 2008 bis 2010 eingeschränkt.

Die Studienergebnisse machen deutlich, dass insbesondere österreichische Unternehmen, die erst seit einem Jahr auf dem Markt sind, die meisten Arbeitsplätze schaffen. Relativ zu den ältesten Unternehmen, die es in Österreich gibt, schaffen diese pro Jahr um zirka sieben Prozent mehr neue Arbeitsplätze. Dieses Ergebnis ergibt sich aus zwei gegenläufigen Entwicklungen: Einjährige Unternehmen zerstören durch Marktaustritte um sieben Prozent mehr Arbeitsplätze, als dies alte Unternehmen durch Marktaustritt tun. Gleichzeitig schaffen jene jungen Unternehmen, die auf dem Markt verbleiben können, allerdings um
14 Prozent mehr neue Arbeitsplätze als die ältesten überlebenden Firmen.

In den kleinsten Unternehmen mit ein bis zwei Beschäftigten gehen im Vergleich zu den größten um zirka 30 Prozent mehr Arbeitsplätze verloren. Die auf dem Markt verbleibenden Mikrounternehmen schaffen insgesamt auch weniger neue Arbeitsplätze als die größten österreichischen Unternehmen. "In Österreich sind die kleinsten und jüngsten Unternehmen mit einem besonders hohen Marktaustrittsrisiko konfrontiert. Dies führt dazu, dass in diesen Unternehmen sehr viele Arbeitsplätze nur kurzfristig durch neue Markteintritte geschaffen werden, dann aber wieder verloren gehen", erklärt Oberhofer. "Dieses Bild für Österreich unterscheidet sich kaum von dem der USA, was doch etwas überraschend ist: Österreich ist doch deutlich stärker reguliert und eine Philosophie von ,trial and error' ist bei uns auch deutlich weniger ausgeprägt."

Von der Wirtschaftskrise nach 2008 waren insbesondere die jungen Unternehmen betroffen. Bei ihnen wurden in diesem Zeitraum relativ mehr Arbeitsplätze durch Marktaustritt zerstört als bei anderen Unternehmen. Die neue Arbeitsplatzschaffung durch überlebende kleine Unternehmen ging zudem auch um vier Prozentpunkte relativ zu den ältesten Unternehmen zurück. Bei kleinen Unternehmen zeigt sich der Beschäftigungsbeitrag durch Marktaustritte ähnlich negativ wie in der Gesamtuntersuchungsperiode, allerdings haben von 2008 bis 2010 die kleinsten überlebenden Unternehmen mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als die größten.

"Die ganz jungen Unternehmen wurden von der Wirtschaftskrise offenbar stärker getroffen. Das kann damit zusammenhängen, dass man eine gewisse Markterfahrung braucht, um in Krisenzeiten erfolgreich überleben zu können", erklärt Oberhofer, "auch Finanzierungsprobleme ausgelöst durch die Bankenkrise könnten hier eine relativ wichtige Rolle gespielt haben, dies lässt sich allerdings aus den verfügbaren Daten nicht direkt ablesen."

Quelle: SN

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