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"Die Meisterprüfung ist tabu"

CETA, TTIP, Gewerbeordnung: Es sind brisante Fragen, die Wirtschaftspolitiker lösen müssen. Seit kurzem ist Kurt Katstaller neuer Direktor des Wirtschaftsbundes Salzburg - und bezieht Stellung.

"Die Meisterprüfung ist tabu" SN/bri
Dir. Kurt Katstaller

Kurt Katstaller war 28 Jahre bei der Wirtschaftskammer St. Johann und drei Jahre Geschäftsführer des technischen Ausbildungszentrums Mitterberghütten. Zuletzt war er politischer Referent und stv. Direktor des Wirtschaftsbundes.

Welche Themen haben für Sie als neuen Direktor besondere Priorität?
Katstaller: Alle Maßnahmen, welche den Wirtschaftsstandort Salzburg stärken. Wichtig ist mir beispielsweise ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem stationären Handel und dem Online-Handel. Der Slogan "Fahr nicht fort, kauf im Ort" ist aktueller denn je. Wenn der Handel im Ort stirbt, löst dies eine Abwärtsspirale aus. In den meisten Salzburger Gemeinden sind die Strukturen noch gut. Initiativen zur Kaufkraftbindung wie im Pongau etwa "Ein Gastein" sind der richtige Weg. Wichtig wird das neue Raumordnungsgesetz, welches durch restriktive Handhabung bei neuen Handelsgroßbetrieben ebenfalls zur Stärkung der Ortskerne beitragen wird. Hinsichtlich des Online-Handels gibt es kaum politische oder rechtliche Einflussmöglichkeiten, umso wichtiger ist die Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung.

Wirtschaftsthemen werden heftig diskutiert. Die Darstellung ist oft negativ, Stichwort CETA und TTIP. Gelingt es Ihnen, mit Argumenten zu punkten?
Bleiben wir bei CETA. Es gibt weite Teile der Bevölkerung, die CETA gegenüber negativ eingestellt sind. Gleichzeitig geben aber auch viele an, dass sie sich nur schlecht informiert fühlen. Wir bieten unseren Mitgliedern umfassende Information zu diesem Handelsabkommen. Wir beurteilen CETA positiv, weil es Zölle und Handelshemmnisse abbaut und den österreichischen Exportbetrieben mehr Rechtssicherheit bietet. Handelsabkommen sind daher gerade für KMU wichtig. Kleine Unternehmen, die keine eigene Rechtsabteilung oder Niederlassungen in den betreffenden Ländern haben, tun sich ohne Handelsabkommen schwerer beim Exportieren.

Der Wirtschaftsbund wird oft mit der Wirtschaftskammer gleichgesetzt. Dazu kommt, dass der Wirtschaftsbund eine Teilorganisation der ÖVP ist. Birgt das die Gefahr unscharfer Positionierung?
Hier ist mir Transparenz sehr wichtig - die Wirtschaftskammer ist die gesetzliche Interessenvertretung aller Unternehmerinnen und Unternehmer, der Wirtschaftsbund aber ist ein Verein mit freiwilliger Mitgliedschaft und stellt als stärkste wahlwerbende Gruppe in der Wirtschaftskammer Salzburg mit Konrad Steindl den Präsidenten. Viele unserer Mitglieder vertreten als Funktionäre und Mandatare die Interessen der Wirtschaft in den Fachgruppen der Wirtschaftskammer, den Gemeindevertretungen, im Landtag und im Nationalrat. Das ist wichtig - denn Forderungen der Wirtschaft können nur auf der politischen Ebene umgesetzt werden.

Was konnten Sie in jüngster Zeit politisch durchsetzen?
Sehr positiv ausgewirkt hat sich die Salzburger Investitionszuwachsprämie, die Investitionen in Millionenhöhe ausgelöst hat. LH Haslauer setzt mit einem umfangreichen Deregulierungspaket eine langjährige Forderung des Wirtschaftsbundes um. Das schafft auch gute Stimmung, und die ist in der Wirtschaft entscheidend. Auch die Wohnbauförderung neu hat massive Investitionen ausgelöst. Die Arbeitslosigkeit in der Bauwirtschaft ist um zehn Prozent gesunken. No-Gos sind für uns die 35-Stunden-Woche, die sechste Urlaubswoche oder die Wertschöpfungsabgabe.

Es gibt Bestrebungen, im Zuge einer Reform der Gewerbeordnung die Meisterprüfung abzuschaffen. Wie stehen Sie dazu?
Die Meisterprüfung ist für uns tabu. Es wird ja von verschiedenen politischen Gruppierungen argumentiert, Handwerksbetriebe bräuchten anstelle der Meisterprüfung nur eine gute Haftpflichtversicherung, falls es zu unsachgemäßer Ausführung der Arbeiten kommt. Nein, ich hätte trotz Haftpflichtversicherung keine Freude, wenn wegen unsachgemäßer Ausführung der Putz von der Decke kommt und ich die ganzen Scherereien hätte. Außerdem: Wer soll denn die Lehrlinge bzw. Fachkräfte von morgen ausbilden, wenn nicht unsere Handwerksmeister?

Aufgerufen am 20.09.2018 um 08:59 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/die-meisterpruefung-ist-tabu-961048

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