Schlagzeilen

Die Trends für die Zukunft

Die Arbeitswelt von morgen wird ganz anders ausschauen. Digitalisierung und mehr Maschinen im Arbeitsprozess benötigen eine Neupositionierung des Mitarbeiters.

Die Digitalisierung bildet die Grundlage für alle Geschäftsbeziehungen.  SN/bilderbox.com
Die Digitalisierung bildet die Grundlage für alle Geschäftsbeziehungen.

Vieles wird über die Zukunft der Arbeit vorhergesagt. Was davon tatsächlich eintritt, weiß allerdings niemand. Trotzdem haben Experten versucht, die wichtigsten Trends für die nahe Zukunft zu definieren. Demnach schauen die aktuellen Entwicklungen so aus:

Cowork von Mensch und Maschine
Schon heute zeichnet sich ab, dass Roboter als Kollegen immer stärker das Arbeitsumfeld prägen werden. Für Frank Riemensperger, Bitkom-Vorstand und Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture betrifft dieser Trend nicht nur die Werkshallen, sondern ebenso die Bürotätigkeiten. Accenture hat gemeinsam mit dem World Economic Forum eine Studie durchgeführt, wonach künftig emotionale Intelligenz, geistige Flexibilität und kritisches Denken wichtiger werden, während die klassischen Prozess-Skills an Bedeutung verlieren. "Vor allem kognitive Nichtroutinetätigkeiten, wie sie ein Psychologe ausübt, oder manuelle Nichtroutinetätigkeiten wie in der Pflege haben Zukunft", sagt Riemensperger. Arbeiten 4.0 bedeutet heute meist, dass Prozesse halb automatisiert ablaufen: Entscheidungen werden von Maschinen vorbereitet und von Menschen getroffen.

Agil und anpassungsfähig werden
Sensoren, Business Analytics, Displays, Mensch-Maschine-Schnittstellen - Unternehmen müssen heute ständig hinterfragen und überlegen, inwiefern neue digitale Geschäftsmodelle ihre Existenz gefährden. "Wir müssen uns permanenter anpassen und das betrifft sowohl die Strategie als auch die Arbeit jedes einzelnen Mitarbeiters", meint Pero Mićić, Zukunftsmanager und CEO der FutureManagementGroup AG: "Deshalb erleben wir aktuell eine große Welle der Agilität. Unternehmen versuchen von Softwareentwicklern zu lernen, wie man sich jenseits der Hierarchiepyramide organisiert."

Digital Leadership
Vertrauen reduziert Komplexität. Die Erkenntnis des Soziologen Niklas Luhmann ist aktueller denn je: "Wir brauchen eine adäquate Menschenführung im digitalen Zeitalter. Da muss sich etwas ändern", fordert Thorsten Petry von der Hochschule RheinMain. Für Führungskräfte gelte es eine stärkere Partizipation jedes einzelnen Mitarbeiters zu unterstützen, als Vorbild und Coach. "Dazu sind Experimente wichtig. Man sollte Dinge erst ausprobieren, bevor man sie in die Breite trägt", rät Petry. In verschiedenen Bereichen von Wissensmanagement oder Produktion verändere sich Führung unterschiedlich, pflichtet Katharina Hochfeld vom Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) bei. Wer mobil arbeite, brauche mehr Vertrauen vonseiten der Führungskräfte, müsse aber auch ergebnisorientierter arbeiten und besser strukturiert sein.

Innovationen aus der Crowd
Arbeitnehmer fordern heute mehr Flexibilität. Diese Haltung befeuert unter anderem das sogenannte Crowdworking: Über Plattformen schreiben Unternehmen verschiedene Aufgaben aus, von anspruchslosen Mi cro-Tasks bis hin zu Forschungs-, Entwicklungs- oder Designaufgaben. "Es gibt heute etwa 100 Plattformen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven", sagt Christoph Sieciechowicz, Vorstandsmitglied des Deutschen Crowdsourcing Verbands e.V. Für Unternehmen biete Crowdworking deutliche Kostenersparnis, neue Impulse für Innovationen und flexible Einsatzmöglichkeiten der Arbeitnehmer. Als mögliche Risiken nennt Sieciechowicz rechtliche Unsicherheit und die Gefahr, dass Know-how aus den Unternehmen abwandert. Die Crowdworker wiederum profitieren von abwechslungsreichen Aufgaben und flexibler Zeiteinteilung, die eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht.

Weiterbildung muss sein
Personalexperten sind sich einig, dass künftig alle Berufsfelder eine digitale Komponente haben werden und Mitarbeiter dafür ihre Kompetenzen weiterentwickeln müssen. 80 Prozent der Beschäftigten teilen diese Auffassung laut der aktuellen Studie "Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg". "Arbeiten 4.0 bedeutet Emanzipation der Systeme dem Menschen gegenüber. Die Systeme werden aktiv und sagen dem Menschen, was er zu tun hat", analysiert Manfred Becker, Wissenschaftlicher Leiter der eo ipso Personal- und Organisationsberatung. In diesem Zusammenhang braucht es Mitarbeiter, die eine neue Arbeitswelt erfinden und Geschäftsmodelle modellieren (hervorbringende Kompetenz), Beschäftige, die diese Ideen auf die Straße bringen (implementierende Kompetenz), Arbeitnehmer, die dominierenden Systemen assistieren (dienende Kompetenz) und Menschen, die all dies zusammenbringen und Unternehmen zusammenhalten (vereinigende Kompetenz).

Zufriedene Mitarbeiter
"Die Arbeitswelt steht vor der Frage: Bleibt der Mensch Koch oder wird er zum Kellner der Digitalisierung und der cyberphysischen Systeme?", pointiert Becker von eo ipso eine Kernfrage: "Die Summe der Erlebnisse, die Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz machen, werden wichtiger." Zukunftsmanager Mićić hebt hervor, dass der Mensch im ganzen Digitalisierungschaos die Oberhand behalten sollte: "Es geht darum, die Maschinen an den Menschen anzupassen und nicht umgekehrt." Wenn der Leistungsdruck steige, brauche es technische Lösungen, die auch die Gesundheit der Menschen nicht außer Acht ließen.

(SN)

Aufgerufen am 11.12.2017 um 06:17 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/die-trends-fuer-die-zukunft-570052

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