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Die Wand ist der neue Boden

Weiße Wände als Nonplusultra der Innenraumgestaltung sind passé. Sie werden vermehrt als Gestaltungsflächen entdeckt, die sowohl optisch als auch funktional überzeugen.

Orangenscheiben auf Dill, Pfefferminze auf Kakao oder Sanddornäste auf Beeren − was klingt wie ein exotisches Rezept ist auch eines − nur eben keines für den Teller, sondern für die Wand. Das Tiroler Unternehmen Organoid stellt aus Samen, Früchten und Blüten ökologische, nachhaltige Dekorbeschichtungen für Wände her und bringt dadurch die Natur direkt in den Wohnraum. "Diese Paneele wurden auf der heurigen internationalen Einrichtungsmesse in Köln, der imm, vorgestellt. Mit einem organischen Kleber werden sie an der Wand angebracht", erzählt Christian Wimmer, Geschäftsführer der Wohnunion, und ergänzt: "Schon beim Betreten des Raums steigt einem der Duft von Heu und Kräutern in die Nase." Die Firma Wand Werk bietet unter anderem einen Innenputz aus rein mineralischen Zuschlagstoffen und pflanzlichen Bindemitteln an. Diese Aromalinie gibt es mit Heu-, Stroh-, Kaffee- und Kräuterteenoten. Der Experte rät beispielsweise, das Betthaupt mit solchen Paneelen auszustatten. Besonders umweltfreundlich und nachhaltig sind auch Wandpaneele, die aus Bambusfasern oder Zuckerrohr gefertigt werden.

Design und Funktionalität
"Ob Heu, Rinde, Holz, Salz oder Rost − immer mehr Menschen beziehen auch die Wände in ihr gestalterisches Raumkonzept mit ein", sagt Wimmer. Neben der Optik rücke die Funktionalität der Wandgestaltung immer mehr in den Vordergrund. "Das oberösterreichische Unternehmen Baumit hat mit Ionit eine Wandbeschichtung in verschiedenen Farben entwickelt, die dazu beiträgt, die Luftionen zu vervielfachen und so die Raumluft zu verbessern", sagt Wimmer. Auch "lebende Wände" tragen zu einer Verbesserung der Raumluft bei. Bei diesem vertikalen Begrünen wird vor allem Moos, aber bei Wunsch auch andere Pflanzen, eingesetzt. Neben der Verbesserung der Luft wirken diese Paneele beruhigend und entspannend. Auch Salzwände wirken sich positiv auf das Raumklima aus. Mit Stoff bespannte Kunststoff- oder Holzrahmen haben neben dem optischen Effekt noch eine weitere Wirkung: Sie sind schalldämpfend. Solche Paneele eignen sich besonders dort, wo ein erhöhter Lärmpegel herrscht, etwa in Großraumbüros oder Restaurants. Diese Schallschutzsysteme können sich auch unter einem Bild "verstecken". "Durch Akkustikmessung wird je nach Kubatur und Größe des Raums der jeweils notwendige Schallschutz ermittelt", sagt Wimmer.

Der Kreativität sind bei der Gestaltung keine Grenzen gesetzt. "Mit Holz verkleidete Wänden verleihen einem Raum Wärme und Gemütlichkeit", sagt Wimmer. Die unterschiedlichsten Holzarten können zum Einsatz kommen. Altholz kommt oft aus alten Bauernhäusern, Mühlen und ausgedienten Gasthäusern. In Handarbeit wird es verarbeitet und aufbereitet und erzählt seine ganz eigene Geschichte. Regalsysteme können direkt in die Holzwand integriert werden. Auch Leder ist an Wänden einsetzbar. Steine finden vom Außenbereich gern ihren Weg ins Innere des Hauses, entweder als gemauerte Wand oder in Form von Steinpaneelen in Kunststoff oder Naturstein. "Kleine Flächen mit solchen Paneelen haben oft eine immense Wirkung", erzählt der Experte.

Aluminiumpaneele und Fassadenplatten aus recyceltem Aluminium verleihen dem Raum ein industrielles Flair. Eine Alternative für Liebhaber dieses Stils ist ein Rostanstrich. Metallpartikel in der Farbe rosten mithilfe eines Oxidationsbeschleunigers bis zum gewünschten Verrostungsgrad. Das Ergebnis wird anschließend konserviert, um den Effekt zu wahren und vor Abrieb und Abfärben zu schützen. Besondere Aufmerksamkeit erregen 3D-Paneele.

Altes neu interpretiert
Auch altbekannte Gestaltungsmittel erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. "Die Tapete ist noch immer ein Renner, allerdings wird sie mittlerweile nicht mehr flächendeckend, sondern oft nur noch an Teilen einer Wand angebracht", weiß Wimmer. So können individuelle Akzente gesetzt werden. Eine Tapete aus Kunststofffasern mit integrierten LED-Streifen erzeugt besondere Lichteffekte im Raum. Eine Betontapete imitiert täuschend echt Sichtbetonflächen. Starke Akzente können ausdrucksstarke Designtapeten in Metalloptik setzen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.11.2018 um 04:55 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/die-wand-ist-der-neue-boden-1095970

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