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Eine Krise als Chance nutzen

Wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern und bisherige Erfolgsrezepte nicht mehr greifen, haben Unternehmen ein Problem. Damit sie weiterhin auf dem Markt bestehen können, bedarf es einer Restrukturierung, hinter der die Führungsebene und die Mitarbeiter stehen.

Eine Krise als Chance nutzen SN/empl
Petra Spreitzhofer informierte Unternehmensvertreter anhand von Praxisbeispielen, wie ein Betrieb aus einer Krise gestärkt hervorgehen kann.

Die Zeichen der Zeit wurden zu langsam erkannt", berichtet Petra Spreitzhofer, Leitung Human Resources & Recht bei der MACO-Gruppe. Die Wirtschaftskrise seit 2008, die politische Krise in Russland und der Ukraine und der allgemeine Preisverfall in der Beschlagsbranche setzten dem Salzburger Unternehmen zu. Finanziell war die Firma, die Beschläge für die Fenster- und Türenbranche herstellt, so gut aufgestellt, dass die Probleme einige Zeit ignoriert wurden. Doch dann verloren im Jahr 2015 110 Mitarbeiter ihren Job. Über diese Krise und die sich daraus ergebenden Chancen referierte Petra Spreitzhofer beim "HR Round Table Frühstück", zum dem die "Salzburger Nachrichten" und Brunel Austria Unternehmensvertreter eingeladen hatten.

Mitten in der Krise fand auch der Eigentümerfamilie ein Generationenwechsel statt. Für das Unternehmen sind jetzt drei operative Geschäftsführer und die Eigentümer verantwortlich. "Wir sind dabei, die Strukturen schlanker aufzustellen, um die Organisation zu erleichtern", schilderte Spreitzhofer. Flache Hierarchien, die bewusste Steuerung der Vernetzung der Standorte und Führungskräfte sowie Kostenersparnis sollen ein gesundes und profitables Wachstum von MACO ermöglichen.

Neben den Strukturen wurde auch an der Unternehmenskultur gefeilt. Aufgrund der guten finanziellen Ausstattung der Firma gab es für die gekündigten Mitarbeiter einen laut Spreitzhofer großzügigen Sozialplan. Darüber hinaus kamen die Werte und Führungsleitlinien des Betriebs auf den Prüfstand. Gutes wurde bewahrt, nicht mehr Passendes über Bord geworfen. Führungskräfte und Mitarbeiter müssen den Werten folgen. Dafür müssen sie um die Werte wissen. "Man muss den Leuten sagen, was damit gemeint ist", betont Spreitzhofer. Der Reinigungskraft ist zum Beispiel zu erklären, was sich hinter dem Begriff Nachhaltigkeit verbirgt, damit sie ihr Tun danach ausrichten kann. Das Ignorieren der Werte hat Konsequenzen. "Wer nicht mitzieht, passt nicht mehr in die Organisation", sagt die Personalchefin.

Zur neuen Unternehmenskultur gehört auch, dass die Geschäftsführung nah an den Mitarbeitern dran ist, sei es durch Besuche im Werk oder durch Gespräche mit Mitarbeitern und dem Betriebsrat. Wurden der Belegschaft früher die Unternehmenszahlen wenig kommuniziert, gibt es nun regelmäßig Informationen über die Vision, die Unternehmensstrategie und die finanzielle Situation. Jeder Mitarbeiter soll wissen, was sein konkreter Beitrag zur Unternehmenswertsteigerung ist und woran er im Unternehmen ist. Letztgenanntes erfordert einen wertschätzenden Umgang miteinander und eine ehrliche Gesprächskultur.

Im besten Fall will MACO seine Mitarbeiter ein Leben lang begleiten, deshalb gibt es für sie individuelle Arbeitszeitmodelle. Wer zum Beispiel seine kranke Frau pflegen will, muss deshalb nicht kündigen. Er kann dem Unternehmen einen Vorschlag unterbreiten, wie viele Stunden er künftig arbeiten kann. Wichtig ist nur, dass er dem Betrieb erhalten bleibt. Gleiches gilt für qualifizierte Mitarbeiter, die zum Beispiel in der Freizeit Sanitätsdienst verrichten. Spreitzhofer berichtete von einem Kollegen, der internationale Kriseneinsätze absolviert, dafür aber innerhalb von zwei Tagen aufbrechen muss und dann mehrere Wochen dem Betrieb fehlt. Ebenfalls nicht verlieren will der Betrieb Mütter, die in Karenz gehen. Früher mussten sie Firmenhandy und -laptop abgeben. Für Spreitzhofer vermittelte dies das Gefühl, die Frauen sollten nicht mehr zurückkommen. Heute soll die Karenz Mitarbeiter nicht ins Abseits stellen. Stattdessen sollen sie geringfügig arbeiten, sofern sie das wollen, damit sie am Unternehmensgeschehen dranbleiben.

Neben neuen Strukturen und der Unternehmenskultur legt MACO nun auch mehr Wert auf die Qualifizierung der Mitarbeiter. Wer will, kann sich fortbilden lassen. Neue Trends auf dem Markt erfordern neues Wissen im Unternehmen. Für MACO werden die Themen Smart Home, Sicherheit und Design immer wichtiger. Da im elektronischen Bereich Kompetenzen erst aufgebaut werden müssen, wird mit entsprechenden Unternehmen kooperiert und es werden Bewerber eingestellt, die über das benötigte Know-how verfügen.

Den 110 gekündigten Mitarbeitern stehen inzwischen 210 neue Beschäftigte gegenüber, die MACO seit Jahresbeginn österreichweit eingestellt hat. Grund dafür sind die gestiegene Auftragslage sowie Innovationen im Bereich der automatischen Schlösser und der Hochsicherheitsschlösser.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 11:43 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/eine-krise-als-chance-nutzen-1037440

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