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"Einen Lehrling zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto"

Jugendliche möchten sich im Beruf nicht mehr die Finger schmutzig machen. Welche Branchen gerade hoch im Kurs stehen, zeigte die Lehrlingsmesse der Plusregion in Straßwalchen.

"Einen Lehrling zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto" SN/mamo
Thomas ist sich sicher, dass er Maler lernen will. Trotzdem informierte er sich auch bei Diana Greimeister über die Lehre zum Dachdecker.

"Ich bin mir schon ziemlich sicher, was ich nach der Schule lernen will. Maler ist mein Traumberuf", sagt Thomas Enzinger. So sicher wie der Schüler waren sich bei der großen Lehrlingsmesse in der NMS Straßwalchen längst nicht alle Besucher. 20 Firmen aus Straßwalchen, Köstendorf und Neumarkt stellten sich den Fragen von über 200 wissbegierigen Jugendlichen.

Auch Diana Greimeister, Buchhalterin und Personalbetreuerin bei der Firma Josef Mayer, nahm am Informationsabend teil. Das Spengler- und Dachdeckerunternehmen in Straßwalchen hat bereits seit längerer Zeit Probleme, Lehrlinge zu finden. "Wir versuchen wirklich alles, um die Jugend von einer Ausbildung in unserem Betrieb zu überzeugen. Die Lehre als Spengler und Dachdecker ist zurzeit nicht sehr beliebt. Einen Lehrling zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto", so Greimeister. Auch andere heimische Handwerksbetriebe erleiden ein ähnliches Schicksal. Es scheint, als würden die "klassischen Arbeiterberufe" immer unbeliebter. Die Anmeldungen am Informationsabend sprachen dabei Bände. Vertreter der anwesenden Bank und Apotheke konnten sich vor interessierten Anfragen kaum retten. Im Vergleich dazu mussten die Kfz-, Maler- und eben auch Dachdeckerbetriebe schwer um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen kämpfen.

Werner Fuchs ist Lehrstellenberater der Wirtschaftskammer Salzburg. Er weiß, dass generell ein Trend weg vom Handwerksberuf in Salzburg und im Flachgau spürbar ist. "Lehrlinge für die Baubranche oder das Handwerk zu finden, ist schwierig. Jede Arbeit, die draußen im Freien, bei Kälte und Hitze, zu erledigen ist, ist natürlich unbequem", sagt der Experte. "In dieser Zeit sind alle Berufe, die etwas mit EDV und Technik zu tun haben, sehr beliebt. Auch der Klassiker des Bürokaufmannes ist unverändert begehrt. Solche Informationsabende sind besonders für ,unbeliebte' Branchen wichtig. Nur durch Präsenz und Eigenengagement kann man die Lehrlinge für sich gewinnen", so Fuchs weiter.

Großes Engagement zeigten auch die Damen vom Fach von der Apotheke "Zum heiligen Martin". Katharina Bürgl-Rößlhuber und ihre Kollegin Anita Schwab gaben den Jugendlichen einen Einblick in den Alltag eines pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten. Ausschließlich Mädchen lauschten den Ausführungen der Expertinnen gespannt. Unter ihnen auch die Schwestern Anna und Lisa. "Ich bin mir noch nicht sicher, was ich später werden möchte. Darum sehe ich mir heute verschiedene Firmen an und hoffe, mich danach besser entscheiden zu können. Eine Lehrstelle in der Apotheke klingt sehr spannend", so Anna. Mehr als 50 potenzielle Lehrlinge erkundigten sich über den Arbeitsalltag in einer Apotheke. Nächstes Jahr gibt es dort aber nur einen einzigen Lehrplatz zu besetzen. Da heißt es dann, schnell zugreifen. Im Gegensatz dazu bemüht sich die Dachdeckerbranche, den einen gewillten und geeigneten Lehrling für den Betrieb zu finden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 14.11.2018 um 07:50 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/einen-lehrling-zu-finden-ist-wie-ein-sechser-im-lotto-934591

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