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Einmal unerreichbar sein

Für den Notfall immer das Smartphone dabei. 60 Prozent der Berufstätigen bleiben auch im Urlaub für den Arbeitgeber oder Kunden erreichbar.

Einmal unerreichbar sein SN/www.BilderBox.com
Immer erreichbar. Muss das wirklich sein?

Der Sommer ist so gut wie vorbei, Zeit für ein Fazit. Mehr als die Hälfte der Österreicher empfindet die Sommermonate im Job als stressiger und anstrengender als den Rest des Jahres. Das klingt nicht wirklich nach Work-Life-Balance und entspannter Urlaubszeit.

Tatsächlich ist es so, dass hier die Zahlen und Bewertungen zwischen den einzelnen Branchen stark auseinanderklaffen. "Bei Selbstständigen und Freiberuflern sinkt der Stress im Sommer, bei Arbeitern nimmt der Stresspegel zu", erklärt Christian Hintermayer, "Ursachen dafür sind u. a. saisonal bedingt, denn in Branchen wie der Bauwirtschaft oder dem Tourismus ist gerade in den Sommermonaten sehr viel zu tun."

Der Studienleiter bei meinungsraum.at hat eine Umfrage initiiert, die das Urlaubsverhalten und auch die Erreichbarkeit von 500 erwerbstätigen Österreichern genau unter die Lupe nahm. Herausgekommen sind einige sehr überraschende Ergebnisse.

So zeigen sich rund drei Viertel der Erwerbstätigen mit der Urlaubseinteilung in ihrem Unternehmen zufrieden. "Zudem geben 80 Prozent von ihnen an, dass sie im Normalfall ihren jährlichen Urlaub auch tatsächlich aufbrauchen können", sagt Hintermayer.

Viele Selbstständige ohne Urlaub
Vor allem Arbeiter und Angestellte nehmen im Sommer zwei Wochen Urlaub, während Selbstständige und Freiberufler hier bei der Länge der Freizeit weitaus flexibler sind. So gaben immerhin noch 30 Prozent der Studienteilnehmer an, dass sie sich drei Wochen Sommerurlaub gönnen oder sogar mehr. Viele Selbstständige scheinen die warme Jahreszeit dagegen nicht so recht genießen zu können: 23 Prozent von ihnen mussten einräumen, dass sie sich gar keinen Urlaub leisten.

Eines der erstaunlichsten Ergebnisse ist die Erreichbarkeitsrate der Erwerbstätigen und ihre Toleranz und Bereitschaft, das auch zu akzeptieren. Nur 39 Prozent der Befragten sind an ihren freien Tagen "unter keinen Umständen für Arbeitgeber oder Kunden erreichbar". Der Rest - also 61 Prozent - zeigt sich offener. 39 Prozent von ihnen sind "im Notfall" kontaktierbar, 21 Prozent sprachen von "eingeschränkter Erreichbarkeit" - beispielsweise zu festgelegten Zeiten am Tag oder in der Woche - und fünf Prozent gaben an, "rund um die Uhr" erreichbar zu sein. "Von den Erreichbaren halten sich übrigens knapp 60 Prozent für unersetzlich", sagt Hintermayer. Ein Viertel will dagegen eigentlich nur auf dem Laufenden bleiben. Bedenklich ist die mit 30 Prozent hohe Zahl derer, bei denen Erreichbarkeit vom Arbeitgeber und von Kunden erwartet werden.

Das Smartphone immer griffbereit
So halten 80 Prozent der "Erreichbaren" also brav das Smartphone auch am Urlaubsort immer in Griffbereitschaft. Fast die Hälfte der engagierten Beschäftigten schaut auch regelmäßig nach E-Mails von Vorgesetzten oder Kunden und 41 Prozent checken regelmäßig Nachrichtendienste wie SMS oder WhatsApp. "Die - subjektiv empfundene - fehlende Vertretung, also das Gefühl der Unersetzbarkeit, trifft speziell auf Personen in Führungspositionen (74 Prozent) und Personen mit höherer Bildung (69 Prozent) zu", sagt der Studienleiter.

Die meisten sehen es entspannt
Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) befürwortet eine Erreichbarkeit im Urlaub bzw. stört sich nicht daran. Nur 41 Prozent empfinden die Nabelschnur ins Unternehmen während des Urlaubs als unangenehm bzw. sehr unangenehm.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 12:47 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/einmal-unerreichbar-sein-1058821

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