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Erfolgsgeschichte Coaching

Wirtschafts-Coaches erzielen zahlreichen nationalen und internationalen Studien zufolge durchwegs gute Ergebnisse in der Praxis - doch es fehlt ihnen sehr oft am professionellen Marketing.

Erfolgsgeschichte Coaching SN/pixelio julien christ
Viele Coaches mögen großartige Management-Lehrmeister sein. In Sachen Eigenmarketing brauchen sie aber häufig noch Nachhilfe.

Fast neunzig Prozent von Coachings im Geschäftsleben führen zum gewünschten Erfolg. Das sagen zumindest diejenigen, die eine solche externe Hilfestellung durch einen externen Berater erfahren haben. Dieses Ergebnis gilt nicht nur für Österreich, sondern international. Die australische James Cook University hat kürzlich zusammen mit dem britischen Institute for Employment Studies (IES) über 600 Coaching-Klienten aus 34 Ländern dazu befragt, ob Business-Coaching sinnvoll sei.
Kommunikationsexperten gefragtDoch neben dem sehr positiven Grundtenor der Studienergebnisse zeigt sich auch, wo die häufigsten Schwachstellen des Coaching liegen. Denn Hindernisse gibt es während des Prozesses fast immer - 84 Prozent der Befragten geben an, dass nicht immer alles reibungslos verlaufen sei. Eine IES-Sprecherin sagt, dass vor allem Probleme mit dem Coach selbst ein von den Kunden häufig genannter Kritikpunkt sei.

Das liegt in der Natur der Sache - denn nur, wenn der Coach bzw. Trainer Probleme tatsächlich schnell erkennen, analysieren und auch kommunizieren kann, ist ein Coaching sinnvoll.
Schwarze SchafeDas ist nicht immer einfach. Und noch gibt es in der Branche einige schwarze Schafe, die zwar mit markigen Werbesprüchen, aber nur geringfügiger oder falscher Ausbildung am Markt agieren. Möglich ist das, weil der Begriff "Coach" nicht geschützt ist. Daher gilt es, sich deutlich gegen mögliche Scharlatane abzugrenzen.

"Der österreichische Coaching-Markt boomt", sagt Sabine Pöhacker, Geschäftsführerin der Wiener Kommunikationsagentur comm:unnications. Dabei komme dem Image und der Public Relation eines Coaches ein hoher Stellenwert zu.

Zertifizierungen gewünscht Denn es gilt, sich aus der Masse herauszuheben. Derzeit gibt es einer Untersuchung Pöhackers (aus 2013) zufolge in Österreich zwischen 4000 und 5000 Wirtschafts-Coaches. Die meisten davon coachen nebenberuflich, nur rund 2000 sind Expertenmeinungen zufolge hauptberuflich tätig. Und gerade einmal 50 genießen laut Pöhacker einen guten Ruf. Den zu erwerben ist harte Arbeit. Mundpropaganda ist sicherlich ein guter Weg. Der kann allerdings nur eingeschlagen werden, wenn es bereits zahlreiche zufriedene Kunden gibt, die ein Coaching absolviert haben und darüber im Kollegenkreis oder in Internetforen berichten.

Es braucht mehr. "Gerade in der Unternehmensberatungsbranche ist es wichtig, klare Qualitätsmerkmale und Abgrenzungen zu anderen Bereichen zu schaffen und Qualifizierungsmerkmale festzulegen", sagt denn auch Alfred Harl, Obmann des WKÖ-Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT). Seit einigen Jahren gibt es daher Bestrebungen, Wirtschafts-Coaches zu zertifizieren, um ihre Qualifikationen durch einen Abschluss und Titel auch nach außen hin deutlich sichtbar zu machen.

Außenwirkung pflegenNeben der Qualifizierung spielen aber natürlich auch Faktoren wie Imagepflege und Marketing eine große Rolle dabei. Hier gibt es sowohl der comm:unnications-Geschäftsführerin Pöhacker wie auch einer Studie des Universitätsinstituts ARGE Bildungsmanagement zufolge noch sehr große Defizite bei den Wirtschafts-Coaches.
Deutliche DiskrepanzenDas liegt zum Teil auch daran, dass hier im Bereich Selbstdarstellung die Ansprüche auseinanderklaffen. Denn während die Coaches selbst häufig davon ausgehen, dass geschicktes Networking und gezielte Publikationen ausreichend seien, würden die Kunden eher "eine aussagekräftige Website und Social-Media-Präsenz" erwarten.
Erfolgsfaktor guter Ruf"Ein Großteil der von uns befragten Wirtschafts-Coaches verfügt über eine fundierte Ausbildung und hat Führungserfahrung", so ein Autor der ARGE-Bildungsmanagement-Studie. "Allerdings setzt der Großteil der Wirtschafts-Coaches zu wenig auf innovatives Marketing." Auch Expertin Pöhacker sagt: "In Zukunft werden der professionelle Außenauftritt sowie der gute Ruf noch mehr an Bedeutung gewinnen."

Profil schärfenInsgesamt ist es für die professionellen Coaches weiterhin dringend notwendig, ihr Profil zu schärfen, um sich von den unseriösen Anbietern abzugrenzen. Pöhacker: "Ziel ist es, sich eindeutig am Markt zu positionieren, klar über die eigenen Dienstleistungen und die Unique Selling Proposition zu informieren und letztendlich auch, sich über den engsten Kreis hinaus bekannter zu machen."

Zahlen & Fakten
Wissenswertes über einen spannenden Boom-Markt. Wie viele Coaches gibt es, warum werden sie gebucht? Zehn Dinge, die man über Wirtschaftscoaches wissen sollte.
1. Global vertreten:
Weltweit arbeiten etwa 47.500 Personen als professionelle Coaches. Die meisten davon in Nordamerika und Westeuropa. Asien zieht allerdings bereits nach.
2. Vor allem nebenberuflich tätig:
In Österreich gibt es zwischen 4000 und 5000 Wirtschafts-Coaches. Davon arbeiten nur 2000 hauptberuflich in dem Umfeld.
3. Wachstumsmarkt:
Über die letzten fünf Jahre verzeichnete der Markt ein durchschnittliches Wachstum von jährlich über zehn Prozent.
4. Guter Ruf:
Das Image von Coaches ist sowohl im Inland als auch im deutschsprachigen Ausland derzeit sehr positiv besetzt.
5. Selbstreflexion:
Der häufigste Grund für Coaching-Maßnahmen: die Reflexion der Manager über das eigene Führungsverhalten.
6. Personalmanagement:
Die Konzeption von Coaching-Maßnahmen und die Auswahl von Coaches zählen inzwischen zu den wichtigsten Aufgaben von Personalmanagern.
7. Lücken im Markt:
Am wenigsten wird derzeit noch in klassischen Industriebetrieben sowie bei KMU gecoacht. Insbesondere im Mittelstand soll sich das baldmöglichst ändern.
8. Bezahlung:
Der Stundenlohn eines Coaches liegt im Schnitt derzeit zwischen 150 und 180 Euro.
9. Frauen:
Weibliche Wirtschafts-Coaches verlangen deutlich weniger Stundenlohn als ihre männlichen Kollegen.
10. Steuerbegünstigt:
Die Coaching-Ausbildung ist unter anderem auch für Lehrer steuerlich absetzbar (Entscheidung des österreichischen Verwaltungsgerichtshofs im Juni 2014).

Aufgerufen am 12.11.2018 um 11:27 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/erfolgsgeschichte-coaching-3090400

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