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Floristen: Als Mann der "Hahn im Korb"

Warum immer nur Technik? Tobias Tiefenthaler hat sich für eine Lehre in einer Frauenbranche entschieden. Salzburgs einzigen Floristenlehrling mögen besonders die weiblichen Kunden gern.

Hat seinen Beruf gefunden: Tobias Tiefenthaler (20) aus St. Georgen, der einzige männliche Floristenlehrling im Bundesland.  SN/privat
Hat seinen Beruf gefunden: Tobias Tiefenthaler (20) aus St. Georgen, der einzige männliche Floristenlehrling im Bundesland.

Tobias Tiefenthaler (20) macht im Blumengeschäft "Duftrose" in Anthering eine Lehrausbildung. Der junge St. Georgener ist im dritten Lehrjahr und derzeit Salzburgs einziger männlicher Floristenlehrling. Die Stadt Nachrichten haben nachgefragt, wie man sich als "Exot" in seinem Beruf fühlt, und sind auf ganz klare Antworten gestoßen. In die weiblich dominierte Floristenbranche einzusteigen, hat der junge Mann noch keinen Tag bereut.

"Ich kann gut mit Frauen umgehen", meint der 20-Jährige verschmitzt. Das kleine Team aus den beiden Chefinnen Maria Thalmayr und Tochter Lisa-Maria Thalmayr und Lehrling Tobias bekam vorige Woche Zuwachs. Eingestellt wurde ein Mädchen, das ins erste Lehrjahr einsteigt. Im Geschäft und bei den Kundschaften ist der Lehrling beliebt. "Vor allem bei den alten Damen", fügt Tobias hinzu.

Das war natürlich nicht der Grund für ihn, Florist zu werden. Ausprobiert habe er nach der Hauptschule in Oberndorf zunächst die Handelsakademie (HAK) Oberndorf. Nach zwei Jahren habe er sich aber noch immer nicht für Rechnungswesen und Buchhaltung interessiert und die Schule verlassen. Es folgte ein Lehrjahr als Produktionstechniker, doch auch die Technik sei nicht das Richtige gewesen. "Als ich dann ein paar Blumengeschäfte besuchte, wusste ich gleich: Das ist es", erzählt Tobias Tiefenthaler.

Abwechslungsreich und wunderschön beschreibt er seinen Beruf. "Die Mischung aus Handwerk und Kundenkontakt macht mir Spaß", so Tobias. Vor allem Blumensträuße zu binden, sei eine schöne, kreative Aufgabe. Einen praktischen Nebeneffekt hat Tobias Berufswahl auch im Privatleben: Seine Freundin freue sich sehr, wenn sie immer wieder Blumen von ihm bekomme, sagt der junge Florist. Auch die Familie und Freunde kommen immer wieder in den Genuss, prächtige Blumen geschenkt zu bekommen. Tobias erspart das mühsames Geschenkesuchen: "Über Geschenke muss ich wirklich nicht lange nachdenken."

Im September wird Tobias Tiefenthaler seine Lehre beenden. Jugendlichen, die gerade die richtige Berufsausbildung für sich suchen, rät er: "Schaut euch ohne Vorurteile in allen Branchen um, die interessant sein könnten." Burschen und Mädchen sollten "Männerberufen" wie auch "Frauenberufen" gleichermaßen eine Chance geben.

Dass es sich durchaus auszahlt, als "Exot" in eine Berufsbranche einzusteigen, kann Maria Awender bestätigen. Die Inhaberin des Blumengeschäfts "Blumengalerie" in Wals-Siezenheim hat auch schon einen jungen Mann zum Floristen ausgebildet. "Er hat bestens Fuß gefasst und führt heute sein eigenes Geschäft in Seekirchen", so Awender. Optimistisch stimmt die Floristen-Innungsmeisterin der Salzburger Wirtschaftskammer der aktuelle Trend: "Nach einem Tief bei den Lehrlingen geht es jetzt wieder bergauf. Es steigen wieder mehr Jugendliche in die Floristenlehre ein."

Quelle: SN

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