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Fluktuation hoch, aber Karenzen kein Problem

Der heimische Arbeitsmarkt ist von einer hohen Dynamik geprägt, zeigen Zahlen der Statistik Austria. Dennoch ist die Angst vieler Firmen, dass sich junge Frauen gleich nach Jobantritt in die Babypause verabschieden, unbegründet.

 SN/inueng - Fotolia

Insgesamt wurden 78 Prozent der im Jahr 2010 aufgenommenen Dienstverhältnisse binnen zwei Jahren beendet. In der Gastro und am Bau ist die Fluktuation besonders hoch. Aber nur ganz wenige Frauen gehen in den ersten zwei Jahren in Karenz.

Für die neue Erhebung hat sich die Statistik Austria jene Menschen angesehen, die im Jahr 2010 einen neuen Job begonnen haben. Geringfügig Beschäftigte, Lehrlinge, Beamte und Praktikanten wurden nicht berücksichtigt, ebenso wenig die 600.000 Saisonarbeiter, die wieder beim selben Dienstgeber begonnen haben. Von den 2,2 Millionen Menschen, die eine unselbstständige Beschäftigung aufgenommen haben, blieb dann nur mehr eine Grundgesamtheit von rund einer Million.

Ein für viele vielleicht überraschendes Ergebnis: Frauen bleiben über alle Altersgruppen hinweg länger im selben Job - auch im sogenannten Hauptfertilitätsalter, wie es die Statistiker nennen. So sind 28 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen nach zwei Jahren noch beim selben Arbeitgeber, bei den Männern sind es nur 22 Prozent. Frauen in dieser Altersgruppe anzustellen, ist für Dienstgeber gar kein so großes Risiko: Lediglich neun Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen gehen in den ersten Jahren in Elternkarenz. Bei den 35- bis 44-jährigen Frauen sind es überhaupt nur drei Prozent. Die Elternkarenzwahrscheinlichkeit bei Männern ist verschwindend gering.

Jugend als "Job hopper"

Generell sind junge Leute "job hopper" und auch immer wieder einmal ohne Arbeit. Ganze 24 Prozent der Männer und Frauen, die kürzer als zwei Jahre an ein und demselben Arbeitsplatz waren, wurden arbeitslos, 22 Prozent haben ihren Dienstgeber gewechselt. Sechs Prozent zogen ins Ausland, 16 Prozent wurden als "Nicht-Erwerbspersonen" ausgewiesen, suchten also nicht offiziell nach einer Arbeit. Meist handelt es sich dabei um ganz kurze Übergangsphasen, so die Statistik Austria. Ältere Menschen bleiben statistisch gesehen länger im Job. Sieht man genauer hin, gibt es sowohl zwischen den Geschlechtern als auch nach Brachen und Bildungsstatus Unterschiede. So ist bei den 25- bis 34-Jährigen mit Hochschulabschluss die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beschäftigungsverhältnis nach zwei Jahren noch besteht, am höchsten. Jedoch ist hier der Anteil bei Männern (43 Prozent) höher als bei Frauen (37 Prozent).

Junge Menschen, die maximal einen Pflichtschulabschluss haben, bleiben viel kürzer in einem Job (13 Prozent sind nach zwei Jahren noch da). Der Frauenanteil ist hier aber deutlich höher (17 Prozent) als der Männeranteil (elf Prozent). Auch bei den 25- bis 34-Jährigen mit Lehre oder Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule (BMS) sind die Frauen länger im Job. Bei Personen mit Matura gibt es kaum einen Geschlechterunterschied.

Heißt dies, dass Frauen länger in "miesen Jobs" bleiben als Männer? In den vergangenen Jahren sei die Beschäftigung von Frauen angestiegen. Aber rund 47 Prozent der Frauen arbeiten Teilzeit und nur zehn Prozent der Männer. Das sei gut und schlecht gleichzeitig, sagt die Statistik Austria: Einerseits seien Frauen jetzt überhaupt am Arbeitsmarkt und fänden nach der Babypause rasch in den Job zurück. Andererseits könnten sie auch, etwa im Fall einer Trennung, schnell in die Armutsfalle tappen und bekämen nur eine geringe Pension. Dennoch sei die "erzwungene Teilzeit eher ein Minderheitenproblem". Nur zwölf Prozent jener, die Teilzeit arbeiten, hätten lieber ein volles Beschäftigungsverhältnis.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 01:26 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/fluktuation-hoch-aber-karenzen-kein-problem-596464

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