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Freilassing könnte Stadt beim Badbau überholen

2013 wurde ihr Bad von der Flut zerstört. Schon 2018/19 soll der Ersatzbau um 30 Millionen Euro in Betrieb gehen. Wie das geht, zeigen die Freilassinger.

Freilassing könnte Stadt beim Badbau überholen SN/robert ratzer

Die bayerischen Nachbarn haben in puncto Badbau die Nase vorn. Während das Paracelsusbad-Projekt in der Stadt Salzburg weiter in der Luft hängt, ist eines fix: Freilassing wird sein "Badylon" neu bauen und möglicherweise schneller fertig sein als Salzburg.

Ursache für den Freilassinger Neubau ist, dass das bestehende Schul- und Familienbad beim Hochwasser im Juni 2013 zerstört wurde. Nachdem Experten die Kosten für eine Sanierung auf 15 Millionen Euro geschätzt hatten, fiel im Jänner 2014 der Beschluss, lieber neu zu bauen. Kostenrahmen: 30 Millionen Euro.

Seit April läuft die Ausschreibung. Bgm. Josef Flatscher (CSU): "Die Frist endet im November." Bis Jänner 2015 soll die Entscheidung fallen, welche Architekten, Baufirmen und Ingenieurbüros zum Zug kommen.

Geplant wird ein Hallenbad mit einem sechsbahnigen 25-Meter-Becken. Dazu kommen noch Fünfmeterturm, Nichtschwimmerbecken, Kleinkindbereich und Liegeflächen sowie Solarium und Dampfbad. Ersetzt wird auch die zerstörte Dreifach-Turnhalle. Flatscher charakterisiert das Projekt so: "Es wird weiter ein Schul-, Vereins- und Familienbad sein und der Watzmann-, der Rupertustherme und dem Paracelsusbad keine Konkurrenz machen."

Aber wie ist so ein Projekt um nur 30 Millionen Euro möglich, während man in Salzburg inklusive Kurhaussanierung, Tiefgaragen und Büros von bis zu 72 Millionen Euro ausgeht? Flatscher: "Das wird kein Luxusbad. Aber wenn ich mir die beim Paracelsusbad geplante Fassade anschaue, wundern mich die Kosten nicht. Denn Architekten haben viele Ideen. Das muss man auf das Nötige beschränken und darf nicht Wunschvorstellungen nachgeben."

Freilich ist Flatscher so ehrlich zu betonen, dass der Freilassinger Standort nach dem Abriss des Altbaus einer grünen Wiese gleichkomme: "Bei uns gibt es von der Nachbarschaft her keine baulichen Einschränkungen. Die Architekten müssen sich nicht an der Umgebung orientieren."

Auch bei der Finanzierung hat Flatscher im Vergleich zu seinem Amtskollegen Heinz Schaden (SPÖ) ein Ass im Ärmel: Denn das "Badylon neu" gilt als katastrophenbedingter Ersatzbau. Im Idealfall gibt es hier bis zu 100 Prozent Förderung durch die Regierung Oberbayerns. Das Ziel ist ein Baubeginn noch Ende 2016. Dann könnte sich die Eröffnung im Idealfall noch 2018 ausgehen.

War eine Kooperation mit der Stadt Salzburg nie Thema für die Bayern? "Doch. Das Thema habe ich schon 2000/2001, als es um die Sanierung des ,Badylons‘ ging, angesprochen. Der damalige LH Franz Schausberger meinte, dass das keine schlechte Idee wäre." Auch die Bürgermeister der Salzburger Umlandgemeinden seien interessiert gewesen. Von der Stadt Salzburg habe es aber keine Resonanz gegeben, sagt Flatscher. "Meine Bürger warten darauf, dass etwas passiert. Ein interkommunales Projekt würde aber viel länger dauern." Also baue man lieber allein.

Die Kooperationsidee mit Freilassing ist aber für den Eugendorfer Bgm. Hans Strasser (ÖVP) weiter aktuell: "Ich bin für ein gemeinsames Bad im Rahmen der Euregio mit der Stadt Salzburg, Freilassing und dem Berchtesgadener Land. Freilassing ist praktisch ja ein Stadtteil von Salzburg." Für dieses Europabad gäbe es auch EU-Fördermittel, betont Strasser. Und für Eugendorfer Familien etwa wäre Freilassing viel besser erreichbar als der Standort in der Stadt. Bgm. Schaden solle sich mit Flatscher zusammensetzen. "Oder die zwei gehören bei Wasser und Brot in ein Zimmer eingesperrt. Die müssen miteinander reden."

Der Wals-Siezenheimer Ortschef Joachim Maislinger (ÖVP) baut hingegen auf die Kooperation mit der Bad Reichenhaller Rupertustherme: "Dafür geben wir bis zu 50.000 Euro im Jahr aus." Allein heuer habe man schon rund 1300 Bad- und nochmals rund 1300 Thermen- und Saunakarten für die Rupertustherme zum Sondertarif gekauft und ohne Aufschlag an die Walser Bürger weitergegeben. Nachsatz: "An das Salzburger Bad glaube ich erst, wenn der Erste einen Köpfler hineinmacht."

Der Anifer Bgm. Hans Krüger (Liste Krüger) sagt, seine Gemeinde sei mit dem Bad in Golling zwar sehr zufrieden. Aber "wenn sich mehrere Gemeinden zusammentun", stünde er einer Kooperation positiv gegenüber. Grödigs Ortschef Richard Hemetsberger (parteifrei) findet es schade, dass die Stadtpolitik "nicht mehr an einem Strang zieht". Über ein Bad mehrerer Gemeinden, "müssen wir reden, wenn es einmal ein gescheites Projekt gibt". Das wäre aber standortabhängig, für Grödig käme der Norden der Stadt nicht infrage. Seine Gemeinde habe auch nicht "den absoluten Bedarf", weil die Watzmanntherme in Berchtesgaden nicht weit entfernt sei.

Was die Stadt mit 55 Mill. Euro sonst machen könnte
Rund 55 Millionen Euro hat die Stadt für den Neubau des Bades angespart. Viel Geld, zum Beispiel für ...
250 Wohnungen
Mit 55 Mill. Euro könnte die Stadt 250 geförderte Mietwohnungen mit je 65 Quadratmetern bauen, inklusive Grundkauf. Oder alle Mieter in den 2000 städtischen Wohnungen über 15 Jahre lang gratis wohnen lassen.

13 Kindergärten bauen
Vier Millionen Euro kostet etwa der Bau eines Kindergartens. Mit dem Geld für das Bad wären 13 Kindergärten drinnen. Bei 55 Millionen Euro Kosten könnte man aber auch 22 Jahre lang auf alle Gebühren in den städtischen Kindergärten verzichten. Etwas unter 15 Millionen Euro hat die Stadt damals für die Stadtbibliothek ausgegeben. Knapp vier Stadtbibliotheken wären es anstatt des Bades.

Gebühren erlassen
22 Millionen Euro zahlen die Stadt-Salzburger an Kanalgebühren pro Jahr. Daher könnte man zwei Jahre lang die Gebühren erlassen. Oder allen Salzburgern drei Jahre lang gratis den Müll entsorgen.

Die ganze Altstadt pflastern
Etwa 35 Millionen Euro bräuchte man, wenn man alle Plätze in der Innenstadt neu gestalten würde. 110.000 Quadratmeter Altstadt könnte man inklusive der Erneuerung aller darunter liegenden Leitungen mit 55 Millionen Euro pflastern. Oder aber mindestens zehn AYA-Hallenbäder bauen.

Tickets für alle
Mit 55 Millionen Euro könnte man allen Stadt-Salzburgern ein 366-Euro-Jahresticket für den Bus geben. Oder etwa 100 Kilometer Straße sanieren.

Gratis parken
Mit 55 Millionen Euro könnte man 30 Jahre lang in der Mönchsberggarage Gratisparken ermöglichen. Oder aber auch knapp 50 Jahre lang in der Kurzparkzone gratis parken.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.11.2018 um 11:23 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/freilassing-koennte-stadt-beim-badbau-ueberholen-3076732

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