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"Freunde tun etwas für uns"

Networking ist derzeit in aller Munde. Reicht es, Kontakte zu pflegen, oder braucht es auch echte Freunde?

"Freunde tun etwas für uns" SN/scheddin
Monika Scheddin ist Autorin von „Erfolgsstrategie Networking“ .

Seit mehr als 20 Jahren hält Monika Scheddin Vorträge zu den Themen Erfolg und Ziele, Networking, Veränderungen meistern sowie Markanz und Wirkung. In dem Buch "Erfolgsstrategie Networking" zeigt sie, wie man Freunde gewinnt und Netzwerke aufbaut.

Wie definieren Sie den Begriff "Freund"?
Monika Scheddin: Freunde schätzen die Person, nicht die Position oder das Geld. Freunde sind Menschen, die wir mögen und denen wir vertrauen. Mit denen wir Interessen teilen und absichtslos im Gleichklang gehen.

Woran erkenne ich eigentlich einen echten Freund? Wenn's drauf ankommt, sind die meisten ja weg!
Wahre Freundschaften entstehen überhaupt erst nach dem ersten Konflikt oder nach einer Krise. Freunde tun etwas für uns. Sie helfen beim Umzug oder bringen Hühnersuppe vorbei, wenn wir krank sind. Freunde sind nicht fehlerlos, aber sie können sich entschuldigen und verzeihen. Oder die Dinge unausgesprochen großzügig stehen lassen.

Bis wohin reicht der Arbeitskollege und wann fängt Freundschaft an?
Mit Kollegen teilt man in der Regel Geschäftliches und gelegentlich Persönliches, nicht jedoch allzu Privates. Das heißt nicht, dass Kollegen nicht auch zu Freunden werden können. Unter "persönlich" verstehe ich zum Beispiel die Aussage: Ich liebe Steak mit Salat. Privat wäre es zu erzählen: "Wir versuchen gerade ein Kind zu bekommen. Klappt aber aktuell nicht."

Sind Freunde im Beruf überhaupt sinnvoll oder braucht man nicht schon auch Distanz?
Das kommt auf die Position an und auf die Fähigkeit des Freundes, abgrenzen zu können. Wird ein privater Freund mein Mitarbeiter, braucht es beidseitig große Stärke und Vertrauen. Man muss wissen, wann bin ich "Mitarbeiter" und wann "Freund". Tendenziell ist freundliche Distanz von Vorteil, sie lässt uns einen klareren Blick behalten.

Networking ist ein beliebter Begriff, aber wann wird Protektion oder "Freunderlwirtschaft" daraus?
Wenn ich Menschen aus Prinzip bevorzuge, ohne auf Kompetenz und Budget zu achten, spricht man von Freunderl- oder Vetternwirtschaft. Das ist dann ein Vergehen, wenn ich öffentliche Interessen betreue. Die Währung beim Netzwerken ist Vertrauen. Dass ich dann gern mit jemandem zusammenarbeite - Kompetenz vorausgesetzt -, von dem ich weiß, dass er beim Kartenspielen nicht schummelt, die Kellner mit Respekt behandelt und Trinkgeld gibt, auch einmal ein Bier ausgibt und Vertrauensvolles für sich behält, ist nachvollziehbar.

"Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt." Ist das eine Erfolgsformel für die Karriere?
Wer in einen neuen Job ein gutes Netzwerk einbringt, bietet einen Mehrwert. Es kann ein Einstellungskriterium sein. Meine Topkontakte stelle ich nur guten Kontakten zur Verfügung. Kommt eine Empfehlung von einem guten Kontakt, kann ich davon ausgehen, dass diese gut ist. Das gilt auch umgekehrt. Egal wie viele Xing-, Facebook- oder LinkedIn-Kontakte man hat, es sagt nichts darüber aus, wie tragfähig die Kontakte sind. Aus Kontakten werden erst Beziehungen, wenn man sich persönlich getroffen hat, wertschätzt und gemeinsame Aktionen durchführt.

Sollte nicht Leistung mehr zählen als ein persönliches Netzwerk?
Sollte. Das wäre mir sehr recht. Es entspricht aber nicht der Realität. Denn Leistung und Kompetenz sind beim ersten Kennenlernen nicht sichtbar, zählen also wenig, maximal zehn Prozent. Selbst-PR, Auftreten spielen eine viel größere Rolle. Und eben Kontakte, die mir zum Beispiel ein Vorstellungsgespräch erst ermöglichen, bei dem ich ohne Argwohn empfangen werden. Ein guter Netzwerkpartner kann mir Chancen verschaffen. Mehr in der Regel nicht. Aber: Leistung lässt dich deinen Job behalten!

Wie baut man sich rasch ein tragfähiges Netzwerk auf?
Rasch: gar nicht. Es braucht durchschnittlich zwei Jahre und sieben Begegnungen, bis eine Beziehung "erntereif" wäre. Deshalb: Kontakte auf Vorrat aufbauen, bevor man sie braucht. Starten kann man mit Freunden und Studienkollegen. Hilfreich ist die Frage: Wer passt zu meinem Ziel? Dann die Adressen in eine persönliche Datenbank oder in ein soziales Netzwerk einpflegen. Ich persönlich nutze nur eines: Xing. Und dann kann man gezielt Menschen kennenlernen nach dem Motto: "Wer interessiert mich?"

Tragfähig wird ein Netzwerk:
- Wenn ich etwas Persönliches von mir preisgebe. Menschen vernetzen sich mit Menschen, nicht mit Firmen.
- Wenn ich es pflege. Geburtstagsgrüße, Fragen, Bitten, "liken", Empfehlungen, ein Mal pro Jahr oder öfter bei Geschäftsfreunden einkaufen, zum Sommerfest einladen etc. Nicht alles für jeden, sondern situativ: Was passt zu mir? Was ist angemessen?
- Wenn ich es nutze. Denn ein Netzwerk, das nie beansprucht wird, ist wie ein Muskel, der nie benutzt wird.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 09:09 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/freunde-tun-etwas-fuer-uns-1164940

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