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Gastronomie ist auf der Suche nach motiviertem Nachwuchs

Neue Berufsfelder bieten Möglichkeiten für einen Gastro-Job. Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Dennoch gibt es vielerorts Fachkräftemangel. Die LN waren in zwei Betrieben zu Besuch.

"Der Fachkräftemangel ist in der Gastronomie allgegenwärtig. In den letzten Jahren hat sich viel getan. Momentan geht die Schere auseinander. Das Potenzial der Arbeitskräfte sinkt, der Bedarf steigt", sagt Andreas Hinterndorfer, AMS-Leiter in Tamsweg. So gebe es neben guten Unterkünften und Sozialleistungen auch Entlohnungen über dem Kollektivvertrag. Aber auch neue Berufsbilder sind entstanden: "Vor allem im Bereich des Wellness- und Gesundheitstourismus, im Bereich IT und Social Media oder im Veranstaltungsmanagement."

Ein guter Start für eine berufliche Karriere im Tourismus sei der neue Lehrberuf Hotelkauffrau/ mann. Dort werde man im Büro- und Werbungsbereich und in den kaufmännisch-administrativen Tätigkeiten einer Rezeption ausgebildet. "Diese Ausbildung kann die Basis für eine zukünftige Selbstständigkeit im Tourismus in der Region sein", sagt Hinterndorfer. Für ihn wird die Aus- und Weiterbildung im Tourismus immer wichtiger.

"Es werden auch die Bedürfnisse und Wünsche der Gäste anspruchsvoller. Am Arbeitsmarkt sind die ,Soft Skills' wie Empathie, Einsatzbereitschaft, Flexibilität, Belastbarkeit, Motivation, aber auch das fachliche Know-how und abgeschlossene Ausbildungen gefragt. Die Zukunftsperspektiven sind sehr vielfältig. Fachkräfte in Service, Küche oder Rezeption werden im Lungau fast immer gesucht." Zur Saisonspitze gibt es bis zu 1400 Beschäftigte in der Tourismusbranche. Um Engpässe zu überbrücken, werden gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Akzente wie bei der Berufs-Info-Börse, heuer am 21. Oktober in Tamsweg, gesetzt. Über ein europaweites Vermittlungsprojekt (EURES) werden Arbeitskräfte aus dem EU-Raum rekrutiert. "Mit der Ersatzkraft aus dem Ausland kann der Hilfskräftemangel abgedeckt werden. Nicht jedoch Fachkräfte in den Bereichen Küche, Wellness oder Rezeption ersetzt werden", sagt Hinterndorfer.

Ähnlich sieht Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Franz Lüftenegger die Lage: "Die Tourismusbranche ist chancenreicher geworden. Diese Branche ist der absolut wichtigste Zweig im Lungau. Es geht immer mehr um Qualität. Betriebe sind auf der Suche nach topmotivierten jungen Leuten." Das Modell Lehre mit Matura werde im Lungau auch von vielen Lehrlingen aus der Gastronomie angenommen. Rund 70 Auszubildende nutzen dieses Zusatzangebot.

Christian Gfrerer aus Zederhaus ist im zweiten Lehrjahr. Im Hapimag Resort in St. Michael lernt er seinen Wunschberuf Gastronomiefachmann mit Praxis in Service und Küche. "Ich habe schon zu Hause mit meiner Oma viel gekocht. In der Schule hat mir das Fach ebenfalls sehr gut gefallen. Im Service gefallen mir die Betreuung der Gäste und die Geselligkeit." Mit der Arbeitszeit im Tourismus hat er keine Probleme. "Am Anfang ist es eine Umstellung. Man gewöhnt sich aber schnell daran. Jedes zweite Wochenende habe ich frei. Unter der Woche kann man auch etwas unternehmen und es ist sogar weniger los", sagt der Lehrling.

Im Hapimag St. Michael werden aktuell fünf Lehrlinge ausgebildet. Christina Jesner aus Lessach absolviert eine zusätzliche Lehre als Fußpflegerin. Den Lehrberuf Masseurin hat sie bereits abgeschlossen. "Junge Leute sollen ständig dazulernen und Neues ausprobieren. Dazu gehört im Tourismus natürlich auch die Auslandserfahrung", sagt ResortLeiter Peter Steinwidder. Rund

35 Angestellte, vorwiegend aus dem Lungau, sind bei Hapimag beschäftigt. "Wir kommen über unsere Mitarbeiter, im Speziellen unsere Lehrlinge, zu neuen Kontakten." Weiters präsentiert sich der Gastronomiebetrieb bei der Berufs-Info-Börse, die jedes Jahr im Oktober in Tamsweg stattfindet, mit einem Messestand. Lehrlinge haben eine Fünf-Tage-Woche mit 40 Stunden. "Bei uns ist der Vorteil, dass wir eine regelmäßige Frequenz über die Wochentage verteilt haben. Alle

14 Tage haben die Lehrlinge entweder Samstag/Sonntag oder Sonntag/Montag frei", sagt Steinwidder. Workshops und Schulungen würden den Beruf interessanter machen. "Fortbildungen fördern den Betrieb und motivieren die Mitarbeiter. Lehrlinge sind wissbegierig und wollen Verantwortung übernehmen."

Im Hotel- und Gastronomiebetrieb Gambswirt in Tamsweg ist die ganze Familie in den laufenden Betrieb involviert. So müssen auch überraschende Personalausfälle kompensiert und überbrückt werden. Chefin Christine Antretter ist aktiv in Schulen auf Personalsuche unterwegs. Die Schüler kommen in weiterer Folge zu Betriebsbesichtigungen. "Es gibt ein Imageproblem aus früheren Zeiten. Der Samstag ist mittlerweile in vielen Branchen zum normalen Arbeitstag geworden. Wir spüren die Auswirkungen der Geburtenrückgänge bereits jetzt. Uns gehen die Fachkräfte verloren. Es braucht wieder mehr Eigenverantwortung und mehr Begeisterung für den Beruf." Beim Gambswirt wird versucht, dass zumindest jedes zweite Wochenende für Lehrlinge frei ist. Früher wurden bis zu vier Lehrlinge ausgebildet, momentan ist es einer. Sean Robert Schuh aus Tamsweg hat am Montag seine Lehre zum Hotel- und Gastronomieassistenten begonnen. "Ich habe bereits im Oktober hier geschnuppert und wollte immer in der Gastronomie arbeiten. Die Arbeit im Service macht mir Spaß. Es sind sehr viele nette Menschen. Nach der Lehre möchte ich mich in den USA weiterbilden. Mein Vater hatte ein Restaurant auf Hawaii", sagt der 15-Jährige. Die vielseitigen Karrierechancen sind auch für Christine Antretter positive Argumente für die Gastronomie. "Unsere Branche bietet sichere Jobs, man kann zusätzlich Sprachen lernen und international tätig sein. Dazu gibt es gute Verdienstmöglichkeiten mit zusätzlichem Trinkgeld." Kost ist beim Gambswirt während der Dienstzeit frei.

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