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Gerüstet für das Management der Zukunft

Ausbildungen fürs Management im Wandel der Zeit: Was wird heute und in Zukunft an Rüstzeug gebraucht? Drei Geschäftsführer renommierter Anbieter erzählen im Interview, welche Trends sie erkennen, wer sich bei ihnen aus- und weiterbildet und wie sich das Management verändert hat.

Gerüstet für das Management der Zukunft SN/fotomek - Fotolia
„Soft Skills haben an Bedeutung gewonnen.„ (Wolfgang Reiger, IfM)

Wie haben sich die Anforderungen an gutes Management - und damit auch an die Inhalte guter Managementausbildungen - in den vergangenen Jahren verändert?
Gerhard Leitner: Während früher ein großer Schwerpunkt auf die fachliche Weiterbildung und die Erweiterung der Managementkompetenzen gelegt wurde, stehen heute zusätzlich die Leadership-Kompetenzen immer mehr im Vordergrund. Deshalb bieten wir auch maßgeschneiderte Führungskräfteentwicklung direkt im Unternehmen an. Dadurch sind wir immer sehr nah an der Wirtschaft dran und wissen, was gerade benötigt wird. In den letzten Jahren zeigt sich auch dort eine verstärkte Nachfrage nach Führungsthemen (70 Prozent) im Vergleich zu Managementthemen (30 Prozent).

Wolfgang Reiger: Ergänzend zum fachlichen Wissen haben Soft Skills für Manager an Bedeutung stark gewonnen. Um anhaltenden Erfolg zu haben, bedarf es der ständigen Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Gerhard Aumayr: Der zunehmende ökonomische Druck auf Unternehmen führt zur Suche nach effizienteren Prozessen, Strukturen und Organisationsformen. Eine moderne Managementausbildung sollte das Rüstzeug für diese Herausforderungen vermitteln. Immer härterer Kosten- und Erfolgsdruck geht aber auch verstärkt mit der Forderung nach moralisch-ethisch korrektem Handeln einher. Dieser Spagat ist nicht immer leicht zu schaffen und fordert unsere spezielle Aufmerksamkeit. Führungskräfte sind zunehmend mit immer komplexeren Anforderungen konfrontiert. Eine gute Managementausbildung bietet ein Instrumentarium an Handwerkzeug für Leadership, um diesen Aufgaben erfolgreich zu begegnen. Instrumente sind wichtig, sie müssen heute aber immer stärker ergänzt werden durch verantwortungsvolle Charakter- und Persönlichkeitsbildung von Führungskräften. Führungskräfte müssen auch die zunehmend wichtige Forderung nach "sinnvollem" und "überzeugtem" Engagement vonseiten der talentiertesten und wichtigsten Mitarbeiter erfüllen können. Die Schlüsselkräfte von morgen lassen sich nicht mehr nur mit Geld und Karriere allein anlocken und halten. Ein "gutes Management" ist heute ein "gut vernetztes Management": nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch außerhalb - national wie international. Die nationale und internationale Vernetzung bietet neue Kooperations- und Geschäftsmöglichkeiten.

Was sollte anno 2016 fixer inhaltlicher Bestandteil jedes MBA-Programms sein?
Reiger: Personal Skills und Selbstreflexion und das Angebot zum Coaching.

Aumayr: General-Management-Inhalte ergänzt um Leadership-Themen, Unternehmensethik und moderne Kommunikationstechnologien.

Leitner: Neben dem General-Management-Know-how ist die Weiterentwicklung der Leadership-Kompetenzen ein wesentlicher Baustein. Im dritten Semester haben die Teilnehmer bei uns dann die Möglichkeit, sich in ein Spezialgebiet wie Innovationsmanagement, Wirtschaftsrecht oder Vertriebsmanagement zu vertiefen.

Welche Trends stellen Sie darüber hinaus im Bereich MBA-/Management-ausbildung aktuell fest - und für wie nachhaltig halten Sie diese?
Aumayr: Der MBA wird kürzer und flexibler: Reduzierung von Präsenzzeiten zugunsten virtueller Lernformen. Der MBA muss parallel zu Job und Familie möglich sein. Flexibles Lernen als Bestandteil. Die Qualität zählt: Die Studierenden möchten den aktuellen Anforderungen der nationalen und internationalen Wirtschaftswelt gerecht werden - das heißt mehr Fokus auf Leadership-Kompetenzen, Spezialisierungen, gesellschaftliche Verantwortung sowie Projekt- und Prozessmanagementkompetenzen. Die aktuellen Trends unterstreichen die Bedeutung berufsbegleitender Ausbildungen.

Leitner: Wir erkennen drei große Trends am Markt und erachten diese Entwicklung auch als nachhaltig. Erstens, spezialisierte MBA-Programme, beispielsweise Sales Management Excellence, Business Law, Strategic Management and Entrepreneurship oder Quality, Project and Process Management. Zweitens, akademische Kurzformate mit neun bis 15 Anwesenheitstagen in fünf bis sechs Monaten, mit der Möglichkeit zur Anrechenbarkeit auf einen MBA. Wir bieten derzeit zehn Themen an, angefangen von Managementgrundlagen bis zu spezialisiertem Controlling-Wissen. Drittens, maßgeschneiderte Inhouse-Programme mit akademischem Abschluss. Diese sind zu 100 Prozent auf die Bedürfnisse und Anforderungen des einzelnen Unternehmens angepasst und gleichzeitig auf ein akademisches MBA-Programm anrechenbar.

Reiger: Ein Trend ist die Internationalisierung der Programme, wobei dies nicht unbedingt bedeuten muss, Seminare in verschiedenen Ländern zu besuchen. Wir bieten Internationalisierung auch in Salzburg an in Form von Referenten aus England und den USA. Wichtig ist auch die Möglichkeit, das MBA-Programm komplett in englischer Sprache absolvieren zu können. Bei uns kann deshalb der Mindestanteil von 20 Prozent individuell auf 100 Prozent ausgebaut werden.

MBA-Programme bzw. andere Managementausbildungen wurden ursprünglich für Menschen mit nicht-wirtschaftlichen Ausbildungen, die in Führungspositionen gelangen, entworfen. Wie sieht die typische Teilnehmergruppe eines MBA-Programms heute aus?
Reiger: An einem klassischen MBA-Programm nehmen Führungskräfte und Unternehmen aus verschiedenen Branchen und mit unterschiedlichem Grundwissen bzw. Erfahrungen teil. Die Gruppen sind viel bunter geworden.

Leitner: Die Teilnehmer in den MBA-Programmen sind im Durchschnitt 37 Jahre alt, wobei die Range von 25 bis 53 Jahren reicht. Knapp 70 Prozent sind Bereichs- oder Abteilungsleiter, aber auch Geschäftsführer finden sich in den Programmen. 25 Prozent waren 2015 weiblich. Die Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Branchen mit starkem Industrie- und Dienstleistungsfokus und bringen die verschiedensten beruflichen Disziplinen wie Technik, Controlling, Finanzen, Vertrieb und Marketing, Projektmanagement oder Personalmanagement in den MBA mit ein. Gerade in dieser Diversität liegt der große Vorteil, dass die Teilnehmer viele neue Perspektiven kennenlernen und sich dadurch gegenseitig bereichern können.

Aumayr: Sehr heterogen: unterschiedliche Branchen - Gesundheit, öffentliche Verwaltung, Profit- und Non-Profit-Organisationen. Die Studierenden wollen Managementkenntnisse erwerben und vertiefen bzw. auf den aktuellen Stand bringen und erfolgreich umsetzen. Die Studierenden bringen hohe Berufserfahrung mit: Zehn Jahre und mehr sind keine Seltenheit.

Es herrschte lange Zeit ein teils harter Wettbewerb unter den Anbietern von Managementaus- und -weiterbildungen. In den vergangenen Jahren sind einige Anbieter auch wieder vom Markt verschwunden, was Konsolidierung in der Landschaft signalisierte. Wie beurteilen Sie die Situation heute?
Leitner: Die Reputation der Business School, an der die Weiterbildung absolviert wird, wird immer wichtiger. Wir genießen mit unserer starken Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und der hohen Praxis- bzw. Umsetzungsorientierung, verbunden mit dem akademischen Abschluss, einen sehr guten Ruf. Wie in der Wirtschaft geht es auch bei einer Business School darum, sich durch die Attraktivität des Angebots vom Mitbewerber abzuheben.

Reiger: Natürlich ist der Markt auch heute kompetitiv und Qualität hat Bestand. Wir haben ein klares Profil und konzentrieren uns seit Jahren darauf.

Aumayr: Konsolidierung - ja, der Prozess ist aber noch nicht beendet. Die Kombination aus wissenschaftlichem Management-Know-how, Praxisnähe und internationaler Ausrichtung der Managementprogramme ist ein enormer Vorteil für uns.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 01:53 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/geruestet-fuer-das-management-der-zukunft-1108633

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