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"Große Kluft zwischen Angebot und Nachfrage"

Der Langzeitarbeitslosigkeit den Kampf ansagen will die neue AMS-Geschäftsstellenleiterin für die Stadt Salzburg und den Flachgau, die 46-jährige Oberösterreicherin Manuela Seidl.

Die neue AMS-Leiterin für die Stadt Salzburg und den Flachgau, Manuela Seidl, hat die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit als ihr Hauptziel auserkoren. SN/strübler
Die neue AMS-Leiterin für die Stadt Salzburg und den Flachgau, Manuela Seidl, hat die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit als ihr Hauptziel auserkoren.

Rund 125.000 potenzielle Kunden hat Manuela Seidl als AMS-Regionalleiterin - so viele unselbstständig Erwerbstätige leben in der Stadt Salzburg und im Flachgau. Im Gegensatz zu vielen Unternehmern, die ein solches Kundenpotenzial Freudentänze vollführen ließe, ist die 46-Jährige naturgemäß froh über jeden Salzburger, der nicht den Weg zu ihr findet.

Für das Land Salzburg sei derzeit allerdings ohnehin weniger die Arbeitslosenrate von 6,9 Prozent ein Problem - "wir sind hier Bestperformer" - als die oft nicht mit dem Angebot zusammenpassende Nachfrage am Arbeitsmarkt, so Seidl. "Dass die Nachfrage der Betriebe oft nicht gedeckt werden kann, ist zwar nicht neu. Die Kluft wird aber immer größer."

Die Folge seien steigende Zahlen bei der Langzeitarbeitslosigkeit. Als langzeitarbeitslos gilt, wer länger als zwölf Monate nicht vermittelt werden kann. "Hier gab es von 2015 auf 2016 einen Anstieg um ein Drittel auf 886 Personen", sagt Seidl. Werde nicht rasch interveniert, werde die Zeitspanne bis zu einer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt immer länger und der Neustart immer schwieriger.

Für ihre Zeit als Geschäftsstellenleiterin für die Stadt Salzburg und den Flachgau hat sich die gebürtige Eggelsbergerin deshalb die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit als oberstes Ziel auf die Fahnen geheftet. Schaffen will sie das unter anderem durch eine Qualifizierungsoffensive. "Wir müssen besonders Menschen, deren Qualifikation nicht mehr der aktuellen Arbeitswelt entspricht, die Möglichkeit einer arbeitsplatznahen Ausbildung geben. Da müssen wir auch kreativer werden", sagt Seidl und nennt als Beispiel den Beruf der Schneiderin bzw. der "Damenbekleidungsfertigerin", wie der Lehrberuf nun offiziell heißt. "Die Salzburger Betriebe, die diese Tätigkeit noch nicht ausgelagert haben, muss man erst einmal finden. Warum soll sich so jemand nicht ein Nischenprodukt suchen und sich selbstständig machen?"

Als besondere Herausforderung der kommenden Jahre speziell für die Stadt Salzburg sieht Seidl das Thema Asyl. "Bisher waren es immer zwischen 500 und 600 Asylberechtigte, die wir in der Stadt betreut haben. Das wird sich ab heuer, wenn ein großer Teil der Asylbescheide ausgestellt wird, massiv ändern", sagt Seidl. Vorab wurde deshalb bereits ein umfangreiches Paket für Flüchtlinge geschnürt - von der Kompetenzerhebung über die Perspektivenerhebung bis hin zu Erstausbildungen, etwa im Küchenbereich. "Für uns gilt der Grundsatz: Qualifizierung vor Vermittlung", so Seidl.

Generell sei eine fundierte Ausbildung die Grundlage für den Erfolg am Arbeitsmarkt. Darauf zielt auch die heuer startende Ausbildungsgarantie für alle bis 25 ab. "Es geht uns darum, alle Menschen bis 25, die beim AMS vorgemerkt sind, zu einer Qualifizierung zu motivieren - sei es der Lehrabschluss oder eine sonstige Qualifizierung, die am Arbeitsmarkt nachgefragt ist." Abwandernde Betriebe, etwa ins benachbarte Oberösterreich, seien derzeit kein vordringliches Problem für den Salzburger Arbeitsmarkt. "Wenn große Betriebe abwandern, spüren wir das natürlich. Das war in letzter Zeit aber nicht der Fall", sagt Seidl. Oft würden sich Mitarbeiter außerdem dazu entscheiden, mit dem Betrieb abzuwandern. "Die melden sich auch nicht beim Arbeitsmarktservice. Das spüren wir gar nicht."

"Bestätigen kann ich aber einen Beschäftigungszuwachs im Flachgau", sagt Seidl. Im Fünfjahresvergleich von Juli 2011 bis Juli 2016 gab es im Flachgau um 5,3 Prozent mehr Beschäftigte, 4,3 Prozent mehr sind es in der Stadt. "Das sind keine enormen Zahlen, aber wenn die Entwicklung anhält, lässt sich schon ein Trend in Richtung Flachgau ableiten."

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