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Hallein zwischen Aufbruch und Siechtum

Ist Hallein attraktiv genug, um teurer zu werden? Die einen glauben an Aufschwung, die anderen befürchten ein Aussterben des Zentrums.

Hallein zwischen Aufbruch und Siechtum SN/hilz
Sie wird ansehnlicher, die Halleiner Altstadt. Aber reicht das, um die Preise in die Höhe zu treiben?

Halleins Altstadt putzt sich heraus: neues Pflaster, andere Bäume, Design-Fahrradständer, helle, weite Flächen.

Andreas Pilz, Immobilienmakler in Hallein, sieht die Attraktivität der Stadt steigen - und damit auch die Immobilienpreise. Er sagt: "Das ist tatsächlich sehr stark zu merken. Die Stadterneuerung trägt dahingehend Früchte, dass Eigentumspreise steigen. Die Mietpreise sind aber stabil."

Laut Pilz entdecken die Stadt-Salzburger jetzt Hallein und sehen die neue Liebenswürdigkeit der Salinenstadt. Der Immobilienmakler hat eine verstärkte Nachfrage nach der Halleiner Altstadt auf dem Radar. Durch die Platzgestaltung und neue Betriebsansiedlungen gewinne die Stadt an Attraktivität. Pilz abschließend: "Die Leute wollen mittlerweile wieder in die Halleiner Altstadt ziehen." Als Beispiel dient der Verkauf aller neuen Wohnungen in dem von Pilz renovierten Haus am Kornsteinplatz 2 binnen weniger Monate. Dort war der Quadratmeterpreis zwischen 3300 und 3700 Euro.

Der Salzburger Immobilienexperte Alexander Kurz hat wenig Erfahrung mit Hallein. Seine Meinung unterstreicht aber die Aussage von Pilz. Er sagt: "Wenn ein Mehr an Wohnwert geschaffen wird, steigt natürlich der Preis. Dieses Mehr können etwa eine gute Verkehrsanbindung, gute Parkmöglichkeiten oder eine ruhige Lage sein." Für Kurz spielt aber auch die Gestaltung eine Rolle: "Zweifellos ist Gestaltung, wenn ich etwa einen schönen Hof habe, eine positive Sache." Stimmen also diverse Parameter, so sollten die Preise zu steigen. Stadt-Experte Jakob Adlhart, seit 1972 in Hallein tätiger Architekt, betrachtet zwar die Neugestaltung als Verbesserung, sieht aber keine steigenden Immobilienpreise. "Ich kann mir das nicht vorstellen. Es ist so schon sehr schwierig, in Hallein Geschäftslokale zu betreiben."

Eine weitere Expertenmeinung liefert Markus Springer, seit 40 Jahren Makler in Hallein. "Das Pflaster ist für die Bewertung der Altstadt wurscht. Über die Art und Weise, wie es verlegt wurde, kann man diskutieren, aus architektonischer Sicht ist es meiner Meinung nach kein Volltreffer." Dem Immobilienmakler zufolge werden die Preise für Eigentum nicht steigen, denn "man kann keine Stadt wirtschaftlich animieren und dazu die Preise für Miete und Eigentum steigern, ohne die Kaufkraft wesentlich zu vermehren. Und das scheint mir derzeit in Hallein nicht der Fall zu sein."

Auch für Hannes Wimmer, seit 27 Jahren als Immobilienmakler und Liegenschaftsbewerter selbstständig, ist das Pflaster kein Grund für steigende Preise: "Immobilienpreise steigen nicht wegen des Bodenbelages. Die Menschen brauchen einen Anreiz, nach Hallein zu ziehen. Es braucht eine bessere Infrastruktur. Die Gemeinde muss schauen, dass das Zentrum belebt wird. Als ich ein Bub war, da hat sich noch was gerührt. Aber jetzt? Das Zentrum stirbt aus."

Ein Rückschlag in puncto Nahversorgung für die Stadt-Halleiner ist bereits gewiss: Laut Wimmer sperrt der Billa in der Thunstraße noch vor dem Weihnachtsgeschäft 2016 zu - Wimmer verwaltet dieses Objekt.

Ein weiteres Thema ist die künftige Parkraumbewirtschaftung. Markus Springer sagt: "Wo stellen jene Herrschaften, die in Hallein arbeiten, dann ihr Auto hin. Die bekommen am Ende des Monats nicht ihr übliches Gehalt, sondern abzüglich der Parkkosten." Hallein wird also schöner, aber nicht zwingend attraktiver. Viele leer stehende Büros und Geschäftslokale beweisen das.

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