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Heft als Keimzelle für Umbrüche

Relaunch: Magazin soll Wissbegierige nach St. Virgil locken. Das Bildungshaus steckt in einem Marketingprozess. Ergebnis: 72 Seiten - mit mehr als Erwachsenenbildung.Michaela Hessenberger

Johanna Wimmesberger hält ihr "Erstlingswerk" in der Hand: Vor 25 Jahren hat sie das erste Programmheft für St. Virgil gestaltet. Seither war sie dafür zuständig, dass Wissbegierige drei Mal im Jahr erfahren, was in dem Bildungshaus und Konferenzzentrum der Erzdiözese in Salzburg-Aigen alles angeboten wird.

Als Ort der Bildung ist es offen für Jüngere und Ältere, für Salzburger und Auswärtige, für Christen und Nichtchristen, jedenfalls für Menschen, die sich weiterentwickeln und Wissen oder neue Kompetenzen sammeln wollen. Kürzlich feierte die Institution ihren 40. Geburtstag. Im September kam mit Michael Max ein neuer Rektor, der Impulse setzt.

Der frische Wind hat auch vor dem hauseigenen Magazin nicht haltgemacht. Wenn Wimmesberger ihr Exemplar von 1991 neben die aktuelle Ausgabe legt, ist der Unterschied sofort sichtbar. Bunter ist das neue Heft, glänzender, aufgeräumter - aber nicht dicker. "Das war uns für unsere Leser wichtig", sagt die Mitarbeiterin. 26.000 Stück umfasst die druckfrische Auflage. 20.000 davon sind derzeit unterwegs zu jenen Frauen und Männern, die bereits ein Seminar, einen Kurs oder Workshop in St. Virgil besucht haben und regelmäßig zum erneuten Besuch eingeladen werden. Das Design für das Magazin stammt von der G.A.Service GmbH mit Sitz in Salzburg.

Die Texte kommen aus St. Virgil. Ein kleines Redaktionsteam führt Interviews, macht Bilder, sammelt Informationen, erzählt Geschichten. Zwei bis drei Monate Vorlaufzeit brauche es, bis das Heft in Druck gehen könne, sagt Redakteur Jakob Reichenberger. Er schreibt nicht nur selbst, sondern wählt auch Gastautoren aus. "Wir wollen Gastgeber sein und freien Platz anbieten, auf dem etwas entstehen kann", erklärt er. Immerhin: Kreativität brauche viel Raum, damit sie wachsen und sich entfalten könne.

Reichenbergers Kollegin Elisabeth Berthold übernimmt Planung und Administration. Unterstützung bekommen beide von Maria Schwarzmann, die für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Damit wir unsere Kunden ansprechen, haben wir vor dem Relaunch unseres Magazins ganz genau geschaut, wie wir sie am besten begeistern können. Immerhin produzieren wir Bildung, die mit Werten wie Nachhaltigkeit unterlegt ist", erklärt sie. In der großen Landschaft der Weiterbildungsangebote wolle man sich auch weiterhin klar positionieren. Schwarzmann: "Wir geben uns Mühe, die Dinge so zu transportieren, wie wir sie denken. Wie wir uns zum Beispiel gesellschaftlich einmischen." Nicht umsonst sei St. Virgil die Keimzelle für Bewegungen wie die Armutskonferenz, die regelmäßig stattfinde.

Peter Braun ist nicht nur Direktor von
St. Virgil, sondern auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Salzburger Erwachsenenbildung. Er beobachtet, was es heutzutage braucht, um die Begeisterung für Wissenserwerb zu schüren, wenn die Schul- oder Studienzeit vielleicht schon etwas länger zurückliegt. Für ihn gehört auch ein gut aufbereitetes Programmheft dazu.

"Anfang der 1990er-Jahre gab es die erste Welle an Marketinggedanken in der Weiterbildung. Nun schauen wir alle ganz genau hin, wer unsere Zielgruppen sind und welche Präsentation sie brauchen, um bei unseren Angeboten zuzugreifen", sagt Braun. Wie er das Angebot von St. Virgil beschreibt? "Wir laufen nicht dem Mainstream hinterher. Aber auch wir gehen in die menschlichen Existenzfragen, wenn es um Leben und Sterben geht. Dabei war uns die Theologie als Lebensbegleiterin immer wichtig." Damit spricht er etwa Ausbildungen rund um Geburt und Erziehung an, die in der Einrichtung ebenso ihren Ursprung genommen haben wie Netzwerke, die Alte, Kranke und deren Angehörige am Lebensende tragen. Ein Beispiel: der Universitätslehrgang Palliative Care.

"Erwachsenenbildung ist in gesellschaftlichen Umbrüchen gefragt", sagt Braun. Sie sei dafür da, Menschen Argumente in die Hände zu geben, Sicherheit zu stiften sowie zu stärken und die "menschliche Erdung" sicherzustellen. "Mir gefällt dabei der Begriff der Lebenstüchtigkeit durch berufliche und allgemeine Weiterbildung gut." Was Frauen und Männer beispielsweise tun können, um diese Lebenstüchtigkeit zu stärken oder weiter auszubauen, will das St.-Virgil-Redaktionsteam zeigen.

Zwischen die Informationen und Programmpunkte für das kommende halbe Jahr streuen die Autoren immer wieder Geschichten aus dem Haus ein. Sie stellen dabei nicht nur die Servicemitarbeiterin im Restaurant vor, die tagtäglich für das Salzburger Biofrühstück sorgt, sie lassen auch die vier Lehrlinge zu Wort kommen, die derzeit in verschiedenen Einsatzgebieten ihre Ausbildung machen. Eine junge Frau macht die Lehre zur Bürokauffrau, eine andere wird Hotel- und Gastgewerbeassistentin. Ein junger Mann wird Restaurantfachmann, sein Kollege absolviert die Lehre zum Koch. "Ein Weiterbildungsbetrieb ist
ja nix, wenn er selbst niemanden ausbildet", meint Direktor Peter Braun mit einem Augenzwinkern.

"Kindgerecht" ist das Schwerpunktthema ab 2017 in St. Virgil. Stoff genug für die kommenden Magazine samt Programm.

Quelle: SN

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