Hillary Clinton hat nicht wegen Putin verloren

Donald Trump war der Kandidat des Kreml. Das ist klar. Amerikanischer Präsident wird er deswegen aber nicht.

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Der scheidende US-Präsident droht mit Vergeltung. Russland müsse mit Konsequenzen rechnen, weil es Computerhacker in Marsch gesetzt habe, um die Präsidentschaftswahl am 8. November zu manipulieren. Das Problem dabei ist nicht einmal, dass die US-Geheimdienste bislang keine Beweise veröffentlicht haben. Der Beweis, dass es vielleicht sogar Wladimir Putin persönlich war, der die Cyberattacken gegen die US-Demokraten unter Hillary Clinton angeordnet hat, würde sowieso niemals den Weg an die Öffentlichkeit finden. Obamas Dienste müssten in diesem Fall offenlegen, mit welchen Methoden sie Informationen in Russland gewinnen. Solche Informationen wird kein Geheimdienst jemals veröffentlichen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass es die rus sischen Versuche, Einfluss auf die Wahl zu nehmen und Donald Trump zu helfen, nicht gegeben hat.

Putin kalkuliert kühl. Mit Hillary Clinton im Weißen Haus wäre das Klima zwischen Moskau und Washington nicht besser geworden. Die wegen der Annexion der Krim verhängten Finanz- und Wirtschaftssanktionen der USA schmerzen nachhaltig. Mit Donald Trump als Präsidenten stehen die Chancen des Kreml besser. Clinton hätte politisch argumentiert, Trump denkt ans Geschäft. Ihn kümmern keine Wertvorstellungen. Klar ist aber auch: Hillary Clinton hat die Wahl nicht verloren, weil russische Hacker ihrem Konkurrenten Trump geholfen haben. Sie ist nicht Präsidentin der USA geworden, weil sie die Wählerinnen und Wähler nicht ausreichend begeistert hat. Diese Tatsache, der erstaunliche Sog, den der bizarre Populist Trump ausgeübt hat, und ein überkommenes Wahlsystem sind die Gründe für Clintons Niederlage.

Gerade deswegen wirkt Obamas Drohgebärde gegen Moskau ein wenig verzweifelt. Droht jetzt ein Cyberkrieg zwischen der einzig verbliebenen globalen Supermacht und einem Land, das seinem einstigen Status nachweint? Es wäre wie ein Kampf zweier Guerilla-Gruppen im virtuellen Raum. Er ließe sich nur fortwährend eskalieren. Gewinnen könnte ihn keine Seite. Das weiß auch Obama, und das macht ein wenig hoffnungsvoller, dass er seine Drohung nicht wahr machen wird.

Trump dürfte, sobald er Präsident ist, die Geschichte schnell beerdigen. Wenn sich aber Beweise finden, dass er in die Cyberattacken in irgendeiner Form verwickelt war, wird der Konflikt aufleben. Das wäre der Moment, in dem die US-Demokraten mit juristischen Mitteln gegen Trump vorgehen könnten.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 09:45 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/hillary-clinton-hat-nicht-wegen-putin-verloren-599038

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